Es kommt der Punkt, an dem man denkt, die Augen fallen einem aus dem Kopf, so oft muss man sie verdrehen. Groß ist Godzilla auf der Leinwand, riesig wie das epische Pathos dieses Films. Die letzte Verfilmung von Godzilla von 1998 war dank Roland Emmerich wenigstens noch selbstironisch. Der britische Regisseur Gareth Edwards versucht nun in der neuesten Version mit Talenten aufzutrumpfen (Bryan Cranston aus Breaking Bad, der Indiefilmliebling Elizabeth Olsen). Doch was dabei rauskommt, ist plumpe Agitation. 

2010 hat Edwards mit seinem fantastischen Low-Budget-Film Monsters sein Händchen für die politische Anreicherung von Science-Fiction-Katastrophenstoff bewiesen. In Monsters versuchten zwei Amerikaner, durch das von außerirdischen Monstern besetzte Mexiko in die USA zu kommen – eine klare Referenz an Drogenkriege und illegale Einwanderung.

In Godzilla verschwendet der Regisseur sein Talent für krude Propaganda. Der Film ist die kulturelle Unterstreichung von Obamas pivot to Asia – dem Schwenk nach Asien, der außenpolitischen, militärischen Konzentration der Amerikaner auf die Pazifik-Region. Verkörperte Godzilla ursprünglich das atomare Trauma Japans, so stehen die Kaiju, die riesigen Monster, 2014 noch immer für aktuelle Gefahren, und zwar für diejenige, die am größten scheint: Asien, so wird es dem (amerikanischen) Publikum jedenfalls in den Kopf gehämmert.

Cranston spielt in Godzilla den Leiter eines japanischen Atomkraftwerks, das – Fukushima lässt grüßen – nach einem Erdbeben evakuiert werden muss. Im atomaren Nebel zurück bleibt seine Frau Sandra (Juliette Binoche). 15 Jahre später irrt ihr Mann noch immer durch die Ruinen, im festen Glauben an eine Verschwörung. Als er von der Polizei aufgegriffen wird, reist sein Sohn nach Japan, um ihn aus dem Knast zu holen.

Aaron Taylor-Johnson spielt diesen Sohn, Lieutenant Ford Brody: stahlblaue Augen, stählerne Kiefermuskeln, in Sorge um seine Familie in Falten gelegte Brauen. Begleitet werden Vater und Sohn von einem Wissenschaftler (Ken Watanabe), dessen einzige Funktion es ist, mystische Weisheiten über Balance und Ausgleich von sich zu geben. Die Balance, die hier gemeint ist, ist wohl das Gleichgewicht der Mächte. Denn bald stellt sich heraus, dass das Erdbeben von einem riesigen Mottenmonster verursacht wurde. Nun muss Godzilla das Gleichgewicht wiederherstellen, indem er die USA vor der Motte verteidigt, die sich aufmacht, Hawaii aus der Luft zu zerstören – Pearl Harbor 2.0.