Nach der Fußballweltmeisterschaft bricht in Brasilien sofort der Wahlkampf aus – und dabei wird der Name Siemens eine Rolle spielen. Bis November wird dann allerlei Schmutz aufgewirbelt, und dazu gehört: ein Korruptions- und Kartellskandal rings um brasilianische Bahnen und U-Bahnen, in den die Deutschen verwickelt sind.

Gerade wird in Brasilien ein Untersuchungsausschuss eingerichtet, der zwei Vorwürfe gegen Siemens näher überprüfen soll.

Erstens: ob der Konzern zwischen 1998 und 2007 gemeinsam mit der französischen Alstom und weiteren 16 Konzernen ein Kartell gebildet und einvernehmlich festgelegt hat, wer welche Ausschreibung beim Bau der U-Bahn von São Paulo und anderen Projekten gewinnt.

Zweitens: ob einige Mitarbeiter von Siemens Bestechungsgelder gezahlt haben, um an Aufträge zu kommen. Siemens erklärt, es kooperiere voll mit den Behörden. In der Bestechungsfrage habe man im März ein "Abkommen über die Zusammenarbeit" mit der Staatsanwaltschaft unterzeichnet.

Dass der Fall – über den seit 2008 mehr und mehr Details bekannt werden – jetzt aufgearbeitet wird, hat nach Ansicht örtlicher Beobachter politische Gründe. Der Skandal fand unter den Augen der in São Paulo regierenden Partei PSDB statt, die im Präsidentschaftswahlkampf, der bis November läuft, den gefährlichsten Herausforderer für die Präsidentin Dilma Rousseff stellt.