"Wieso dürfen ein paar Egoisten mit Autos und Motorrädern solchen Lärm machen?", fragt Erwin Pridzuhn aus der Neustadt.  In der Kolumne "Warum funktioniert das nicht?" beantwortet unser Kolumnist Mark Spörrle die Fragen der Leser.

Jetzt dröhnen sie wieder. Denn es ist warm, die Nächte sind lau, die Fenster auf. Und jeder muss sie hören: die "Schaut her, hier bin ich!-Typen". Was genau sie antreibt und ob es stimmt, dass der Kick fast platzender Trommelfelle für manche schöner ist als ein Orgasmus – man weiß es nicht. Aber ihnen liegt viel daran, uns einzubeziehen. Also kreuzen sie mit Limousinen, die röhren wie Ferraris, aber definitiv keine sind, vor den Straßencafés, dass die Tassen wackeln. Oder sie heizen nachts mit dem Motorrad über die Grindelallee, halb nackt und lauter als ein abstürzender Düsenjäger. Warum gibt es solche Vögel noch?, fragen sich die aus dem Schlaf Gerissenen fassungslos. Und: Haben diese Irren, die alles tun für ein paar Sekunden Aufmerksamkeit, denn keine Angst, man könne sie aus dem Verkehr ziehen?

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Im Gegenteil: Sie haben kaum etwas zu befürchten. Lärmmäßig die Sau rauslassen, das ist im Trend. Vielleicht hängt die wachsende Zahl der Motorräder auch damit zusammen, dass so ein Teil einen sechs Dezibel höheren Schallpegel haben darf als ein Auto; gefühlt ist das die doppelte Lautstärke. Aber vielen reicht das nicht. Und heute muss man nicht mehr mühsam den Auspuff ausbrennen und die Augenbrauen gleich mit. Die Soundmaschine kommt fertig vom Hersteller: ein Auspuff mit Klappe. Ist sie zu, ist der Motor sanft. Ist sie offen, wird er zum Tier. Ganz legal. Die Klappe erkennt nämlich den Drehzahlbereich, in dem die amtliche Lärmprüfung stattfindet – und bleibt zu! Nur dann. Danach aber sind Lärmaktionspläne, Flüsterasphalt, Bitte-leise!-Schilder Geschichte. Und wem das noch nicht reicht: Es gibt für Autos und Motorräder illegale, lautere Anlagen, deren Klappe aufgeht, wenn der Fahrer einen versteckten Knopf drückt.

Den zu finden sind nur wenige Polizisten in der Lage, und um überlaute Fahrgeräusche nachzuweisen, fehlt das Gerät. Ist es ein Wunder, dass sich die Polizei bisweilen auf Beratung verlegt? Ein Anwohner des Großneumarkts wollte ein paar Fahrer anzeigen, deren cruisende Boliden seine Wohnung erzittern ließen, als kämen Panzer. Man habe ihm empfohlen, erzählt er, das lieber sein zu lassen. Nicht dass er Besuch bekäme – von den Lärmern.