Durchtrainierte Radrennfahrer heben anerkennend den Daumen, Hunde springen ehrfürchtig ins Gebüsch am Wegesrand, und Wanderern entfährt ein "Oh, là, là!", als ich vorbeisteppe. Ich hatte befürchtet, verspottet zu werden. Jetzt komme ich mir sehr sportlich vor auf meinem Fahrrad-Crosstrainer, mit dem ich durch das südfranzösische Département Tarn-et-Garonne rolle.

Touristen steuern ja so manches auffällige Gefährt. Manche sausen mit Elektrofahrrädern durch die Landschaft. Andere machen auf Segways die Innenstädte unsicher. Aber da geht es meist um Kraftersparnis. Für mich gilt das Gegenteil. Vélo elliptique oder Fahrrad-Crosstrainer heißt das Gerät, das ich mir im Fahrradladen von Moissac ausgeliehen habe. Jakobspilger kommen in die Kleinstadt am Flusslauf des Tarn, um die ehemalige Benediktinerabtei Saint-Pierre de Moissac zu besichtigen und das mittelalterliche Flair zu genießen. Ich treibe hier Sport.

Beim Fahrrad-Crosstrainer handelt es sich um einen Crosstrainer, der nach demselben Prinzip funktioniert wie das Gerät im Fitnessstudio: Man steht aufrecht auf zwei Trittflächen, Arme und Beine schwingen gleichzeitig vor und zurück. So entsteht eine Dauerbewegung, die alle wichtigen Muskeln arbeiten lässt. Nur verpufft die Kraft hier nicht sinnlos im Getriebe. Sie treibt das hintere der drei Räder, auf denen ich unterwegs bin.

So narrensicher wie ein Kinderdreirad darf man sich das nicht vorstellen. Schon als ich auf das Gerät steige, kippt es fast um. Auch die Balance wird trainiert. Zwar finde ich eine Klingel, zwei Bremsen und acht Gänge – doch der Lenker fehlt. Mit den beiden Haltestangen treibt man die Räder an, Kurven nimmt man wie beim Skifahren durch Gewichtsverlagerung. "Aufrechte Haltung!", ruft Patrick Larher, als ich meine ersten Runden vor dem Hotel Moulin de Moissac drehe. Vermutlich sehe ich dabei wie ein x-beiniger Skischüler aus. Der Mann, der die Bike-Neuheit importiert und verleiht, wird mich heute mit dem Rad begleiten – "falls du schlappmachst". Warum er nicht mitsteppt, will ich wissen. "Das ist mir zu anstrengend!", sagt er und lacht laut. Ich verliere gleich die Körperspannung auf dem wackeligen Teil.

Seit rund vier Jahren findet der Fahrrad-Crosstrainer seinen Weg in amerikanische und europäische Fitnessstudios, als Leihgerät für Kunden, die ihr Training im Freien fortsetzen möchten. Auch einzelne Hotels bieten es ihren Gästen an. Dass das Moulin de Moissac dazugehört, liegt an der Begeisterung von Patrick Larher. Das erste Gerät, den Streetstrider, ließ er sich aus den USA liefern, um selbst damit zu trainieren – aber nur ein bis zwei Stunden pro Woche. Mittlerweile hat er vier Räder in seinem Rennstall, darunter das amerikanische Modell und die deutsche Version der Marke Freecross, mit der ich heute fahre. Ein Radfahrer und Läufer hat sie entwickelt, um Crosstraining straßentauglich zu machen. Verkehrte Welt: Erst wurden für Frischluftaktivitäten wie Radfahren und Rudern Maschinen erfunden, damit gestresste Großstädter auch etwas Bewegung kriegen. Jetzt werden diese so umgerüstet, dass man sie nach draußen mitnehmen kann (Ruder-Bikes gibt es auch).

Ich befahre die nahe gelegenen, asphaltierten voies vertes. Das sind ausgewiesene Wege nur für Radfahrer, Wanderer, Jogger, Reiter und Skater. Und, sagen wir, Strider. Die meisten verlaufen angenehm flach auf ehemaligen Eisenbahntrassen oder entlang von Wasserläufen. Bevor ich die 17-Kilometer-Etappe in Angriff nehme, will ich noch wissen, was die Urlauber vor mir erlebt haben. "Sie waren alle begeistert!", sagt Patrick und hebt dazu seinen Daumen. Schon nach wenigen Schritten möchte ich passen, aber mein Begleiter bekommt davon nichts mit; er radelt vorneweg. Immerhin, diese Tretmühle verbrennt angeblich bis zu 1.000 Kalorien pro Stunde, beinahe doppelt so viel wie ein Fahrrad. Deswegen wurde es auch bei dieser furchtbaren Abnehm-Fernsehserie The Biggest Loser eingesetzt. Mir ist das Bike unsympathisch, weil es für mich gesellschaftliche Unsitten wie Leistungsdruck, Fitnesswahn und Multitasking verkörpert.

Ist das Ding überhaupt im Verkehr zugelassen? Das frage ich mich, als ich damit auf der Straße strampele. Bordsteinkanten schafft es nicht, Kurven auch nur, wenn man sie rechtzeitig plant. Im Fitnessstudio muss man ja nicht abbiegen. Auf der imposanten Kanalbrücke Napoléon erobere ich schiebend gleich den ganzen Bürgersteig. Steppe ich auf der Straße, müssen Autofahrer mich weitläufig überholen. Als wir endlich – nach fünf Minuten – den Radweg erreichen, keuche ich schon. Patrick, ein freundlicher Herr mittleren Alters mit Bauchansatz, steht gelassen auf einem kleinen Hügel und ruft: "Ersten Gang!"