Gärtner Jonathan Jones in Tregothnan © REUTERS/Stefan Wermuth

In Darjeeling ginge der halbe Quadratkilometer Anbaufläche gerade mal als Gärtchen durch. Und die zehn Tonnen, die jährlich geerntet werden, sind nur ein Tröpfchen im Meer der weltweiten Teeproduktion. Aber die Tatsache, dass es sich um englischen Tee aus England handelt, lässt die Blätter ziemlich weit oben schwimmen. In London werden sie im Savoy und im Claridges zum High Tea aufgebrüht, auf der Chelsea Flower Show zur Abschlussparty gereicht. Der Preis für die reine, unverschnittene Tregothnan-Ernte ist feudal: Ein Gramm kostet 1,25 Pfund – also 1,54 Euro.

Jonathan Jones, ein Mann von Anfang 40 mit blonder Raspelfrisur, ist heute der kaufmännische Direktor von Tregothnan. Tee pflückt er nur noch, wenn ihm nach "einer wunderbaren meditativen Tätigkeit" zumute ist. Sonst sitzt er ein wenig beengt in einem Großraumbüro über den Stallungen und kümmert sich um alles, was Tregothnan außer Tee noch produziert: Pflaumenmus, Likör, Saft, Kekse und Kräutertee. Man verkauft Tassen und Kännchen, hält Bienen und vermietet Ferienhäuser. Im Onlinehandel erhältlich sind drei Sorten schwarzer und ein grüner Tregothnan-Tee, die mit Blättern aus Assam, Darjeeling und China verschnitten werden.

In diesem Jahr steht die erste Tee-Ernte noch bevor. Die große, ziegelrote Scheune, in der die Blätter auf einer Art Doppelstockbett welken, ehe sie gerollt werden, oxidieren und trocknen, ist leer und atmet nur einen leichten Teeduft aus. Die Räder der Teebeutelmaschine stehen still. Ein junger Mann verpackt Blumensträuße in Schachteln. Teepflanzenschösslinge warten auf den Versand. Während der Ernte soll hier ganz Penkevil beschäftigt sein, das kleine Dorf hinter der nächsten Wegbiegung. Es besteht im Wesentlichen aus zwei Reihen Giebelhäusern, die sich über die Straße in die Fenster schauen, einem roten Briefkasten, den steinernen Pfosten eines Tors, das Unbefugte daran hindert, auf das Gelände von Tregothnan vorzudringen, und der Kirche St Michael, in der Admiral Boscawen in einem Prachtgrab ruht.

Persönlich befragen kann man den Honourable Evelyn Boscawen, der von seinen Angestellten Mr. Evelyn genannt wird, zu alldem leider nicht. "Ich bin kein Museumswärter", sagte er dem Telegraph. Und dass er seinen Tee in zeitgemäßer Form verkaufen wolle. "Was amerikanische Ketten mit Kaffee machen, können wir auch mit Tee, dem besseren Getränk", sagt Verkaufsdirektor Jonathan Jones. Geplant ist ein Franchise-Kette cooler, maskuliner Teehäuser, in Berlin, London, New York und Shanghai. Im vergangenen Jahr war eine hohe chinesische Delegation auf Tregothnan. "Unsere Art des Teerituals hat sie sehr interessiert", sagt Mr. Jones. Man nennt es Cornish Cream Tea: schwarzer Tee mit Milch und Zucker, dazu Scones – süße Brötchen – mit Himbeergelee und clotted cream , buttercremiger Sahne, die als Batzen auf die Brötchenhälften gekleistert wird. Danach ist man für Stunden erledigt.

Deshalb gehe ich lieber vor dem Tee mit Obergärtner Neil Bennett durch den Park von Tregothnan, der seit Jahrhunderten von botanisch angespitzten Boscawens mit Ablegern aus der ganzen Welt verschönert wird. Hier gedeihen die prachtvollsten Rhododendren, die ältesten Kamelien, die größten Steineichen, ein Arboretum mit seltenen Koniferen. "Bei uns wächst auch ziemlich hässliches Zeug", gibt Mr. Bennett zu, ein junger Mann, der eher für seine Azaleen glüht. "An dieser langweiligen Cupressus guadalupensis zum Beispiel würde ich glatt vorbeigehen. Aber sie ist rar." Und fast so kostbar wie die Wollemia nobilis, die in einem Drahtkäfig grünt. Der 90 Millionen Jahre alte "Dinosaurier-Baum" galt als ausgestorben und wurde erst 1994 in Australien wiederentdeckt. Nun krönt der prähistorische Wuschel die Sammlung von Pflanzen der südlichen Hemisphäre.

In der Tradition seiner Vorfahren ist auch der Honourable Evelyn Boscawen ein leidenschaftlicher Gärtner, voller Ideen und Vorschläge, die sein Obergärtner nicht ablehnen kann. "Mr. Evelyn hält mich ziemlich auf Trab", sagt Mr. Bennett und deutet auf das neu gestaltete Kamelien-Labyrinth. "Das zu schneiden dauert allein drei Tage." Zu seiner Erleichterung wurde jüngst eine japanische Tee-Erntemaschine angeschafft, mit der er die Büsche rasiert.

Am Rand des Parks hat Mr. Evelyn einen Hügel mit Teebüschen bepflanzen und die Umgebung als "Himalaya-Tal" gestalten lassen: dunkle Nadelbäume, zwei Teiche im Talgrund, ein von Rhododendren umbuschter Pavillon mit Pagodendach. Ein entrücktes Bild – das Große im Kleinen, der Himalaya in Cornwall.

Der Text wurde nach Veröffentlichung verändert: Das Land von Evelyn Boscawen umfasst 80, nicht 80.000 Quadratkilometer. Wir haben das korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.