Die Namen Jauch und Gottschalk kennt hierzulande jeder, auch jeder Professor. Den Namen Frauke Ludowig wohl eher nicht. Man darf annehmen, dass die 50-jährige TV-Moderatorin höchst selten im kulturellen Blickfeld deutscher Bildungsbürger aufkreuzt. Zum einen erklärt sich dies aus dem vergleichsweise schmalen Umfang ihrer Popularität, in der Hauptsache aber aus dem Nichtigkeitsprestige des Magazins, das Frauke Ludowig im Privatsender RTL als Redaktionsleiterin verantwortet und (im gelegentlichen Wechsel mit Kollegen) auch moderiert. Es hat den Namen Exclusiv, wird wochentags von 18.30 bis 18.45 Uhr, sonntags in der einstündigen Langversion Exclusiv Weekend von 17.45 bis 18.45 Uhr ausgestrahlt.

Nach eigener Definition handelt es sich um ein "Starmagazin". Um eine Sendung also, die sich der Welt internationaler Celebrities, der Welt der Reichen, Royalen, Schönen und der stetig nachwachsenden Masse an Promis von der A- bis zur D-Liga widmet. In den Fokus der Berichterstattung finden neueste Streiche von Justin Bieber, der tragische Tod von Peaches Geldof, der aktuelle Singlestatus von Claudia Effenberg, die aktuelle Pelzmode in Sankt Moritz, die amouröse Gemengelage im Großraum Hollywood sowie kaum erahnbare Babybäuche und deutlich erkennbare Botox-Behandlungen im Erscheinungsbild weiblicher Stars und Sternchen.

Allesamt Dinge, die zweifellos amüsant sein können und zweifellos eine gute Meile unterhalb der Relevanzlinie weltbewegender Nachrichten liegen. Exclusiv ist genuiner Boulevardjournalismus mit Tendenz zum Trash und zählt gemeinhin nicht zu jenen Unterhaltungsprodukten, die von Konsumenten gehobener Kultur zumindest als Barometer des allgemeinen Mentalitäts- und Sittenklimas gewürdigt werden. Auch ein Kunstprofessor, der seine Samstagabende nur sporadisch an Wetten, dass ..? verschwendet, hält den Niedergang einer solchen Lagerfeuersendung für irgendwie repräsentativ. Genau dies aber sind Frauke Ludowig und ihr Starmagazin. Denn es herrscht darin ein verkappter Moralisierungswahn, der Rückschlüsse auf eine bundesrepublikanische Gegenwartsneurose erlaubt.

Zunächst verwundert der mitunter strenge Tonfall der Moderatorin. Frauke Ludowig steht im Studio auf High Heels neben einem kleinen, hüfthohen Tisch und stellt sich zu Beginn jeder Sendung mit dem Satz "Ich bin Frauke Ludowig" vor. Als Information wäre er wohl unnötig. Frauke Ludowig macht Exclusiv seit zwei Jahrzehnten. Von hundert Zuschauern, die um 18.30 Uhr RTL einschalten, dürften hundert wissen, wer die modische, mit einem Einschlag ins Glamouröse gekleidete Dame auf dem Bildschirm ist. Der Sinn des Satzes muss in seiner nachdrücklichen, etwas überscharfen Intonation liegen. Frauke Ludowig sagt nicht einfach, wie sie heißt. Sie sagt es auf eine Weise, die unmissverständlich Autorität behauptet und einen Ankündigungsernst vermittelt, der im Fernsehen normalerweise nur zu hören ist, wenn es um tatsächlich Weltbewegendes geht, nicht um die luftige Kleidung von Miley Cyrus. Die RTL-Nachrichtensprecherin, die ab 18.45 Uhr über die Ukraine-Krise und die verschleppten nigerianischen Mädchen berichtet, wirkt keineswegs offiziöser.

Haben Sie nicht eben gesagt, solche Bilder nicht zu dulden? Ertappt!

Man würde von einem Boulevardmagazin eigentlich erwarten, dass es die Klaviatur der leichten Plauderei bespielt. Man würde vielleicht auch erwarten, dass es in einer Salonkulisse mit ein paar Plüsch- und Polstermöbeln aufgenommen wird. Beides ist hier nicht der Fall. Leichtigkeit strebt Exclusiv offenbar so wenig an wie Nonchalance. Was aber dann? Worauf zielt der unbehaglich schwere Orgelsound der Off-Kommentare und der Anmoderationen eingespielter Reportagen?

"War das tragische Ende von Peaches Geldof vorhersehbar?" – "Wie viel Schuld haben ihre Eltern an ihrem tragischen Tod?" – "Sind die Kleider von Kate zu bieder?" – "Muss Kim Gloss ins Gefängnis?" – "Muss Liliana Matthäus ins Gefängnis?" – "Spielt der südafrikanische Mörder nur eine Rolle?" – "Hat Peaches Geldof allen nur etwas vorgemacht?" – "Ist Thomas Rath privat auch so ehrgeizig?" – "Was ist das für ein Typ, der es mit ihr (Larissa Marolt) aushält?" – "Die Eltern des millionenschweren Tennisspielers Tommy Haas: Hartz-IV-Betrüger?" – "Ohne ihren Ex-Mann wäre Amy Winehouse wohl noch am Leben." – "Man wird das Gefühl nicht los, dass seine Geschichte bald tragisch enden wird."