DIE ZEIT: Einige der Stelen des von Ihnen gestalteten Holocaust-Mahnmals in Berlin weisen starke Risse auf und drohen offenbar einzustürzen. Seit wann wissen Sie davon?

Peter Eisenman: Ich weiß davon schon seit einigen Jahren.

ZEIT: Und wer ist schuld an den Rissen?

Eisenman: Da müssen Sie die Stiftung oder das Kuratorium fragen, also die Bauherren des Mahnmals. Ich habe keine Ahnung. Ich bin auch kein Experte in Materialfragen. Das Kuratorium beauftragte beim Bau einen Gutachter, der die Baubeschreibungen prüfte. Ich bin nur der gestaltende Architekt. Ich will darüber nicht spekulieren.

ZEIT: Sie meinen, Ihre Schuld ist es nicht?

Eisenman: Soweit ich weiß, nicht.

ZEIT: Ist die Situation in Berlin gefährlich?

Eisenman: Ich glaube, nicht.

ZEIT: Eine der brüchigen Stelen fehlt seit 2011, wann erfuhren Sie davon?

Eisenman: Erst jetzt, durch Sie.

ZEIT: Schadet denn die fehlende Stele dem symbolischen Charakter des Mahnmals?

Ich habe keine Ahnung, wie die Menschen die Risse verstehen.

Eisenman: Gar nicht.

ZEIT: Und meinen Sie, die Risse könnten als Symbole verstanden werden: als Zeichen eines schwindenden Gedenkens an den Holocaust?

Eisenman: Sie können das sehen, wie Sie wollen. Ich habe keine Ahnung, wie die Menschen die Risse verstehen. Ich spekuliere ganz sicher nicht über ihre Bedeutung. Wenn ich an meine Zimmerdecke schaue, dann sehe ich eine durchgebrannte Glühbirne. Heißt das, meine Lebenszeit wird sich verkürzen? Ich fröne keinen solchen Spekulationen.

ZEIT: Was denken Sie über die Metallmanschetten, die nun knapp fünfzig Stelen zusammenhalten müssen?

Eisenman: Sie sind offenbar notwendig, um sie zusammenzuhalten. Ich wurde dazu nicht befragt, ich muss dazu aber auch gar nicht befragt werden. Die Stiftung des Mahnmals muss solche Entscheidungen treffen.


ZEIT: Könnten die Manschetten nicht auch als Symbole verstanden werden? Es wirkt ja so, als müsste die deutsche Erinnerung an den Holocaust mit aller Macht zusammenhalten werden.

Eisenman: Fragen Sie mich nicht nach Symbolen! In meiner Arbeit geht es nicht um Symbole. Das Stelenfeld ist ohne Symbolismus, wenn Sie mich fragen.