Heute begeben wir uns auf Zeitreise, denn solche Reisen führen uns stets in Zeiten, in denen alles besser war oder sein wird. Etwa in die Vergangenheit, in der man selbst noch jung war und es diesen ganzen Werbeschwachsinn noch nicht gegeben haben kann. Vergangenheitstrips offerieren vor allem die Hersteller von billigen Dosensuppen ("wie bei Oma") und teuren Gartengeräten ("Es gibt sie noch, die guten Dinge"). Trips in die Zukunft bieten demgegenüber Hersteller von Unterhaltungselektronik, Handys oder internetfähigen Zentralheizungen an, die wir alle schon bald benutzen werden. Beziehungsweise: sollen.

Reisen ins Gestern oder Morgen sind in Wahrheit unmöglich. Noch unmöglicher ist es nur, Zukunft und Vergangenheit gleichzeitig zu bereisen. Man kann ja auch nicht gleichzeitig Nürnberg und Bad Fallingbostel besuchen. Trotzdem behaupten zahlreiche Unternehmen in ihrer Werbung genau das und schwadronieren in Zeitungen, Internet und Fernsehen, zufällig gerade jetzt "das beste Dingsbums aller Zeiten" erfunden zu haben. Wobei sich Dingsbums wahlweise durch Film, Smartphone-Tarif, Lied, Buch, Waschmittel, Anti-Schuppen-Shampoo oder ein anderes Produkt ersetzen lässt.

Dummerweise umfasst "aller Zeiten" aber auch die künftigen Zeiten. Also die, die erst noch kommen werden. Da es Herstellern des "besten Dingsbums aller Zeiten" zufolge jedoch niemals ein besseres Produkt geben wird als das aktuelle, sprechen sich die Unternehmen offenkundig Fähigkeit und Willen ab, jemals wieder etwas Besseres erfinden zu wollen. Leser Raimund P. bemerkte diesen Unsinn. Schlimmer ist nur: Wenn künftig alles schlechter wird, dann muss früher wirklich alles besser gewesen sein. Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal schreibe.