Wenn Michael Franzen über seine Zukunft nachdenkt, stößt seine Vorstellungskraft schnell an Grenzen. Franzen würden viele als "Berufsjugendlichen" beschreiben: Er kleidet sich gern sportlich, arbeitet in einer hippen Branche und redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. "Ich lebe im Jetzt", sagt der Enddreißiger von sich, "woher soll ich wissen, was in 30 oder 40 Jahren ist?" Doch seit einer Weile beginnt er zu grübeln. Er sieht seine dreijährige Tochter heranwachsen, das Schicksal der nächsten Generation muss ihn als Vater interessieren. Wie wird die Welt sein, wenn die Tochter mal erwachsen ist? Und wie soll er bis dahin sparen, damit die Familie gut davon leben kann?

"Beim Geld bin ich konservativ", sagt er, "aber auch extrem unsicher." Über Geld mag er erst reden, als ihm versichert wird, nicht mit echtem Namen in der Zeitung zu stehen. Dann aber erzählt er von seinen Sorgen. Franzen macht sich Gedanken, die Millionen Menschen in Deutschland derzeit umtreiben.

Er hört die Nachrichten über Inflation, Finanzkrise und die jüngste Zinssenkung in der Euro-Zone. Am liebsten würde er aber abschalten, wenn diese Nachrichten in der Tagesschau und im Radio kommen. Seine Reaktion steht eh schon fest. Für Franzen kam nur eine Anlageform infrage: Immobilien. "Die sind handfest", sagt er.

In ein berufsständisches Versorgungswerk zahlt Franzen seit Jahren ein, "aber das wird kaum reichen". Andere Freunde und Familienväter sind bereits in die nächste finanzielle Dimension eingetreten: Sie haben Wohneigentum gekauft. Seine Frau und er hatten das auch geplant. Das eigene Haus, so leben es ihnen die eigenen Eltern vor, bedeutet mietfreies Wohnen im Alter. Eine bessere Vorsorge gibt es nicht, hatten beide geglaubt. Zwei Probleme hatten sie aber gesehen: "Das erste war das Geld, das zweite die Stadt, in der wir wohnen." Die 30 Prozent Eigenkapital, die sie gebraucht hätten, um in München ein Haus zu kaufen, hatten sie nicht. Selbst als Doppelverdiener brachten sie keine sechsstellige Summe zusammen.

Zudem beobachteten sie Freunde: "Die haben nun ein Haus im Vorort und stecken all ihr Geld hinein. Und außer vier Wochenenden auf der Berghütte ist kein Urlaub mehr drin." Michael Franzen zweifelte zusehends. "Ein Haus ist eine Ausgabe für die Ewigkeit – aber weiß ich, ob ich mein Leben lang in so einem Ding leben will?", fragt er. Weitere Fragen stellen sich Tag für Tag Tausende künftige Rentner vor dem Immobilienkauf. Welches ist der richtige Stadtteil? Reicht das Geld auch für die geplante Immobilie, oder was passiert nach einer Trennung mit dem Haus? Und welche Gesetzesänderung zur Gebäudesanierung könnte der Staat noch anstreben? Als Franzen all diese Fragen durchgespielt hatte, stand für ihn fest: "Die Dimensionen, in denen man beim Hauskauf denken muss, sind mir einfach zu groß."

Viele in Franzens Generation kommen mittlerweile nach langwierigen Überlegungen zu einem ähnlichen Ergebnis, doch viele andere Sparer gehen das Wagnis eines Immobilienkaufs ein. Fast jeder zweite Deutsche wohnt im Eigenheim, weil er es für die optimale Altersvorsorge hält. Die meisten leben nicht – wie Franzen – in einer Stadt, die bundesweit an der Spitze bei Kauf- und Mietpreissteigerungen ist. In München konnten Käufer in den vergangenen Jahrzehnten ziemlich sicher sein, dass Immobilien langfristig im Wert steigen.

Doch oft seien solche Zugewinne reine Illusion, warnt der Marktforscher Bulwien Gesa, denn reale Wertsteigerungen erlebten die wenigsten Hauskäufer: Seit 1975 stiegen die Hauspreise im Schnitt um 100 Prozent, aber die Inflation um 135 Prozent. Und was ist mit den ländlichen Gegenden, aus denen immer mehr Junge abwandern? Ist ein Haus dort auch in 30 Jahren noch "Betongold" – oder eher ein Klotz am Bein, weil es im Alter zu groß, zu baufällig und unveräußerbar ist?