Demnächst wird es 25 Jahre her sein, dass Ostdeutsche auf die Straße gingen und das SED-Regime stürzten; bald darauf war die geteilte Nation wieder eins. Längst laufen die Vorbereitungen für das Doppeljubiläum zu Mauerfall und Einheit – in Staatskanzleien, Buchverlagen, Redaktionen oder Geschichtsvereinen. Ob nun fürs große Fest zum Nationalfeiertag oder den kleinen Plausch zum Thema Mauerfall – mithilfe des kleinen Ratgebers auf diesen Seiten kommen Sie gut durch den Gedenkmarathon.

Für Talkshow- Redaktionen

Achtung, nicht jeder eignet sich als Zeitzeuge für den 9. November – diese Menschen haben den Mauerfall verschlafen:

Michail Gorbatschow. Er sei nicht extra geweckt worden, sagte der damalige sowjetische Staats- und Parteichef Jahre später. Und es habe ja gereicht, am 10. November frühmorgens davon zu erfahren.

Thilo Sarrazin. "Dass die Mauer gefallen war, habe ich erst am nächsten Morgen um 7.30 Uhr beim Frühstück dem Bonner General-Anzeiger entnommen", sagte der Ex-Politiker 2009 in einem Interview.

Anke Domscheit-Berg. Die Internetaktivistin studierte damals Textilkunst in Schneeberg und legte sich, obwohl sie erste Berichte von den Berliner Ereignissen gehört hatte, schlafen.

Nadja Uhl. Die Schauspielerin aus Mecklenburg war beim Mauerfall 17. Sie kann sich nur an den Tag danach erinnern: "Ich war allein in der Wohnung und habe das Röhrenradio meines Opas angeschaltet wie jeden Morgen. Und plötzlich brüllt es aus dem Radio, die Champagnerkorken knallen auf der Mauer. Ich dachte, ich höre wohl nicht richtig."

München. In der Nacht des Mauerfalls habe die Stadt geschlafen "wie jeden anderen Abend auch", hat Günther Jauch einmal gesagt. Er, damals Münchner, sei sofort nach Berlin geflogen. "Die meisten hatten das Wunder gar nicht begriffen."

Und Angela Merkel? Stimmt es, dass die heutige Kanzlerin den Abend des 9. November 1989 in der Sauna verschwitzte? Ja und nein. Tatsächlich soll sie zunächst für mehrere Stunden saunieren gegangen sein, nachdem Günter Schabowski die Grenzöffnung verkündet hatte. Später in der Nacht fuhr sie aber doch noch nach West-Berlin. Und feierte mit.

Jedes Gedenken braucht neben Helden auch Verlierer. Diese Verlierer des 89er-Umsturzes schmücken jede TV-Doku:

Eberhard Diepgen. Ausgerechnet zur Zeit des Mauerfalls war er mal nicht Regierender in Berlin.

Oskar Lafontaine. Hätte es die Grenzöffnung nicht gegeben, wäre er vielleicht Bundeskanzler geworden. Er hätte dann allerdings auch Sahra Wagenknecht nie kennengelernt.

Frank Schöbel. In der DDR war er Weltstar. Und jetzt?

Gertrud Höhler. Der Mauerfall raubte der Publizistin die alte Bundesrepublik, heute muss sie sich von einer Ostdeutschen regieren lassen. Und dann hat sie sich auch noch mit einer Zwickauer Immobilie verspekuliert.

Manager von Mumm-Sekt. Die Marke wurde sogar von Rotkäppchen geschluckt.

Diese Geschichten zum Mauerfall- Jubiläum sollten Sie bitte nicht noch einmal aufwärmen:

Berichte über die Schwedin Eija-Riitta Eklöf, die sich angeblich sexuell von der Berliner Mauer angeregt fühlte und behauptete, mit dieser verheiratet zu sein.

Honeckers Bodyguard, Leibwächter, Chefkoch, Zimmermädchen, Privatsekretär

Interview-Versuche bei Margot Honecker in Chile (in jeder Hinsicht sinnlos – zumal: Notfalls hat die Frau sich schon mit dem Gartenschlauch gewehrt!)

"Geboren am 9. November 1989" – Porträts dieser Art waren noch originell, als die Kinder fünf wurden oder 18. Aber jetzt?

Helmut Kohl tritt kaum noch öffentlich auf. Hier vier Weggefährten, die ganz im Sinne des Altkanzlers sprechen können:

Kai Diekmann. Der Bild- Chef ist Trauzeuge des Altkanzlers; und irgendwie war die Einheit ja auch Kohls Hochzeit.

Klaus Kinkel (FDP). Kohls treuer Minister. Kann viel erzählen und sagt deshalb immer: "I warrr ja dabei …"

Rudolf Seiters (CDU). War Kohls Kanzleramtschef zur Wendezeit, begleitete ihn 1989 nach Dresden, wo der seine berühmte Einheitsrede hielt. Ist jetzt Chef des Deutschen Roten Kreuzes und kann gar nicht anders, als zu helfen.

Gottfried Haschke, genannt "Bauer Haschke", früherer Landwirt und CDU-Bundestagsabgeordneter aus dem sächsischen Großhennersdorf; war Kohls Ohr am ostdeutschen Volk. Kennt Anekdote um Anekdote über Waigel, Gysi und alle anderen, mit ihm ist in jeder Talkshow das Feld bestellt.