"Wieso müssen jetzt auch noch auf Schulhöfen Wohnungen gebaut werden?", fragt Felicitas von der Burg aus Eimsbüttel.  In der Kolumne "Warum funktioniert das nicht?" beantwortet unser Kolumnist Mark Spörrle die Fragen der Leser.

Ist das Zauberei? Mitten in der Stadt gibt es plötzlich neue Bauflächen, sogar in Schulnähe – was heißt in der Nähe: Direkt auf dem Gelände der Grundschule Richardstraße in Eilbek sollen Wohnungen entstehen, 30 Stück, auf den Hof der Schule Rellinger Straße in Eimsbüttel passen gar 70 Wohnungen, auf der Tobewiese an der Grundschule Wrangelstraße in Hoheluft wurde schon gebaut, ein Schulgebäude, und wenn die Kinder toben wollen, müssen sie zum nächsten Spielplatz. Und über den Schulhof der Theodor-Haubach-Schule in Altona führt bald eine Straße.

Ist da jemand nicht ganz dicht? Nein, das Zauberwort heißt Verdichtung: Weil sich so viele Menschen in so wenigen attraktiven Stadtteilen drängen, müssen nun gerade auch da Wohnungen entstehen, wo die Häuser sowieso schon aufgestockt wurden, es zu wenige Parks gibt und sich sonstige Grün- und Freiflächen fast nur noch um die Schulen herum finden. Und deshalb, Hokuspokus!, nimmt man einfach die. Man muss jetzt nur noch schnell die Kinder verdichten.

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In einem "Musterflächenplan" hat die Schulbehörde festgelegt, wie viel Platz etwa einem Grundschüler zusteht: 6,3 bis 7,2 Quadratmeter – immerhin doppelt so viel wie einem Mastrind. Dazu kommt eine Außenfläche von fünf Quadratmetern, nur ein Quadratmeter mehr, als einem Bio-Huhn gewährt wird. Beim Kind wie beim Huhn befinden sich auf dieser Fläche noch Pflanzen und Gehölze zum Scharren und Picken respektive zur Vertiefung des Unterrichts – beim Huhn ist das Pflicht, beim Grundschüler nur, wenn es nicht zu teuer wird.

Ungerechterweise wird später im Leben vom Grundschüler mehr erwartet als vom Huhn. Zudem dürfen Schulen mit noch weniger Platz pro Kind nur "langfristig" auf mehr hoffen – vermutlich dann, wenn die Kinder längst studieren. Zu viel Platz dagegen steht sofort zur Disposition. "Der Verkauf von Schulflächen und -gebäuden zugunsten von Wohnungs- und Straßenbau durch die Behörden hat beängstigende Formen angenommen", klagt Peter Keller von der Hamburger Elternkammer. Und wenn die ersten schicken City-Townhouses in Ballwurfweite der Restschulhöfe bezogen sind, wird der Ärger nicht lange auf sich warten lassen – Alt gegen Jung, Familien gegen Investoren, SUVs gegen Kinderräder.

Wer verliert, ist klar. Und danach kann man auch noch die Spielplätze bebauen.