Das ist ein Aufschrei! Ich bin eine Frau und ich fühle mich belästigt von den "-in"-Endungen, dem Binnen-I und dem ganzen syntaktischen Gleichberechtigungsgefummel. Das Gleichstellungsbüro der Stadt Düsseldorf zum Beispiel wollte aus Gründen sprachlicher Geschlechtergerechtigkeit der Milchmädchenrechnung und dem brüderlichen Teilen den Garaus machen.

Eine Arbeitsgruppe der Berliner Humboldt-Universität fordert eine Frauisierung der Sprache und will sämtliche Wortendungen auf "-er" durch die "a"-Form ersetzen.

Elke Ferner (SPD) vom Bundesfamilienministerium gibt ihren Staatssekretärs-Dienstausweis zurück, weil das "-in" im Titel fehlt.

Ich empfinde es als übergriffig, wie im Namen der Frau, also auch in meinem, unser Wortschatz missbraucht wird, um die Gleichstellungserregtheit einiger zu befriedigen. Als in den achtziger Jahren das Binnen-I in unsere Sprache fand, war es eine Verheißung: die verbale Vision einer Gesellschaft, in der die Gleichberechtigung nicht beim Wahlrecht endet. Noch bis 1977 benötigte eine Frau die Erlaubnis des Gatten, um eine Arbeit aufzunehmen. Und erst wenige Jahre zuvor war einer verheirateten Frau überhaupt die volle Geschäftsfähigkeit zuerkannt worden. Ebenso frisch war das Recht, nach der Heirat den eigenen Nachnamen zu behalten. Damals also wirkte das Binnen-I wie ein Ausrufezeichen hinter einem berechtigten weiblichen Veränderungsdrang.

Heute ist die Frau Bundeskanzler, hat die Oberbefehlsgewalt über die Bundeswehr und hinterzieht genauso wie Männer Steuern. Es gibt die Frauenquote, die Vätermonate und Manuela Schwesig. Das Binnen-I, die "-in"-Endungen – sie sind überflüssig geworden.

Wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis tanzen. Oder er gibt seinen Dienstausweis zurück. Die fast extremistischen Züge des Verweiblichungswahns von Sprache haben wohl mit der Tradition des Alice-Schwarzer-Opfer-Feminismus zu tun. Offenbar haben bis heute manche mental nicht aus der weiblichen Opferrolle herausgefunden. Als Therapie und als Beleg des weiblichen Selbstbewusstseins fordere ich daher das generische Maskulinum zurück. Ich mache auch gleich ernst damit und verabschiede mich an dieser Stelle in maskulinem Gestus von Ihnen, liebe Leser, liebe Bürger, liebe Staatssekretäre, liebe Feministen, liebe Kritiker! Das fühlt sich gut an.