Robert D. Arnott hat eine Vorliebe für lilafarbene Jacken, Hemden und Krawatten. So ungewöhnlich wie der Modegeschmack ist sein Hobby. Er reist um die Welt, um Sonnenfinsternisse zu erleben, mal in der Antarktis, mal in der Wüste Gobi. Überdies sammelt er superschnelle Motorräder.

Der in Kalifornien lebende Finanzunternehmer kann sich solche Hobbys leisten. Arnott, ein intellektueller Überflieger, ist ein Pionier auf dem Feld der Geldanlage. Er hat eine ganze Reihe neuartiger Börsenindizes erfunden. Und daraus ein Geschäft gemacht. Seine Firma heißt Research Affiliates. Ende 2013 verwaltete sie 166 Milliarden Dollar.

Arnott ist es gelungen, einen Typ von Investmentfonds zu verbessern: die Indexfonds. Das sind diejenigen Fonds, die einen repräsentativen Börsenindex, wie etwa den Dax, möglichst genau nachbilden. Diese werden von Großinvestoren und Kleinanlegern geschätzt. Doch nichts ist so gut, dass man es nicht noch verbessern könnte. Das sagte sich Arnott, und das sagt sich eine wachsende Zahl von Anlageprofis in den großen Fondsgesellschaften. Unter dem Label Smart Beta sind sie dabei, neue intelligente Konzepte für die Auswahl von Aktien zu kreieren. Vor allem Großanleger wie US-Pensionsfonds interessieren sich dafür. Von beta redet man gemeinhin, wenn Investoren sich mit der durchschnittlichen Rendite des Marktes zufriedengeben, statt zu versuchen, besser als der Markt zu sein. Smart Beta steht für die Ambition, dabei doch einen Tick cleverer vorzugehen.

Um Arnotts Konzept zu verstehen, muss man sich zunächst vor Augen führen, wie normale Indexfonds funktionieren. Während bei herkömmlichen Investmentfonds hoch bezahlte Experten die ihrer Meinung nach besten Aktien auswählen, kaufen die Manager von Indexfonds alle Aktien, die in einem Index enthalten sind. Also zum Beispiel Anteile an allen 30 großen Konzernen, die im Deutschen Aktienindex Dax enthalten sind – von A wie adidas bis V wie Volkswagen. Oder Aktien von allen 436 Unternehmen des europäischen Aktienindex MSCI Europe, also Firmen wie Nestlé, Shell oder Sanofi.

Mithilfe solcher Indexfonds können Anleger ihre Ersparnisse breit streuen und sich an unzähligen Unternehmen weltweit beteiligen. Dadurch vermindern sie das Risiko von Verlusten, das mit einer Anlage in Aktien grundsätzlich immer verbunden ist. Laufen ein paar Firmen nicht so gut oder gar mies, schlägt das nicht allzu sehr ins Kontor, weil sich im Normalfall viele andere Firmen positiv entwickelt haben.

Zu den Vorzügen von Indexfonds gehört, dass sie kostengünstig sind. 10 000 Euro in einen Dax-Fonds investiert, wie etwa von der US-Finanzfirma iShares oder der Deutschen Bank angeboten, werden jährlich nur mit rund 15 Euro Kosten belastet. Bei klassischen Aktienfonds wären es zwischen 100 und 300 Euro pro Jahr. Auch Kauf und Verkauf der Indexfonds-Anteile sind für die Sparer billiger als bei herkömmlichen Investmentfonds, denn Indexfonds sind zugleich immer ETFs* . Der Sparer vermeidet dabei den Ausgabeaufschlag, der bei klassischen, aktiv gesteuerten Aktienfonds anfällt und meist fünf Prozent der Anlagesumme ausmacht – Geld, das am Anfang schon verloren ist.

Die Idee der Indexfonds hat die Geldanlage in den vergangenen Jahren geradezu revolutioniert. Vor allem Großanleger rund um den Globus lieben sie. Aber auch immer mehr Kleinanleger erkennen die Vorzüge. Schätzungsweise 2500 Milliarden Dollar stecken gegenwärtig in dieser stark wachsenden Anlageklasse.

Ein Problem normaler Indexfonds besteht darin, dass in jedem Index fast immer auch überbewertete Aktien enthalten sind. Das hängt mit der Methode zusammen, mit der Indizes gebildet und berechnet werden. Beispiel Dax: Welchen Anteil eine einzelne Aktie in diesem Börsenbarometer hat, hängt davon ab, wie hoch der Börsenwert der frei gehandelten Aktien dieses Unternehmens ist. Einen großen Anteil von rund zehn Prozent haben zum Beispiel Bayer, BASF und Siemens, während Beiersdorf und Fresenius nur kleine Rollen spielen.

Ein Unternehmen, dessen Aktienkurs stark gestiegen ist, gewinnt mit der Zeit im Index immer mehr an Gewicht. Das ist gut, solange die Geschäftsentwicklung den hohen Kurs rechtfertigt. Aber nicht selten steht hinter einem Kursanstieg ein Hype, und die Erwartungen sind überzogen, so wie es zum Beispiel einst bei der Deutschen Telekom der Fall war. Auf den Höhenflug folgt in solchen Fällen unweigerlich der Absturz des Kurses.So etwas passiert sogar mit ganzen Branchen. Mal sind Energieversorger an der Börse in, und ihre Aktien stehen hoch im Kurs, Mal mag kein Anleger solche Papiere anfassen. Mal erscheinen die Banken wie die größten Profitmaschinen in der Wirtschaft, dann gelten sie allesamt als dem Untergang geweiht.