Das DFB-Team sendet Grüße via Twitter aus Brasilien: #KeepFightingMichael. Fernando Alonso, Nico Rosberg und andere Formel-1-Fahrer nutzen das Twitter-Schlagwort, um ihre Freude kenntlich zu machen: Kämpf weiter, Michael! Boxer Felix Sturm nennt es die "beste Nachricht, des Tages, der Woche, des Monats, des Jahres!". Formel-1Legende Michael Schumacher hat sich fast ein halbes Jahr nach seinem schweren Skiunfall aus dem künstlichen Koma gekämpft und ist von Grenoble zur Rehabilitation in die Universitätsklinik nach Lausanne verlegt worden.

"Er ist nicht mehr im Koma." Detailliertere Angaben über Schumachers Zustand macht seine Managerin Sabine Kehm nicht. Sie bittet auch "für die Zukunft um Verständnis, dass seine weitere Rehabilitation außerhalb der Öffentlichkeit erfolgen soll".

#KeepFightingMichael – der Twitter-Hashtag drückt treffend aus, was eine neurologische Reha nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma (wie bei Michael Schumacher), einem Schlaganfall (wie bei BAP-Sänger Wolfgang Niedecken) oder einem geplatzten Blutgefäß im Gehirn (wie bei der Sportmoderatorin Monika Lierhaus) bedeutet: Herausforderung und Anstrengung, Motivation und Training. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Woran erkennt man, dass ein Patient aus dem Koma erwacht?

Oft sind es nur unterschwellige, kaum sichtbare Anzeichen, die zeigen: Der Zustand eines Patienten ändert sich. "Ein Komapatient schlägt nicht einfach die Augen auf und ruft: Ich bin da!", sagt Claus Wallesch, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation. Es ist eher so, dass der Patient auf einmal Pflegekräften oder Angehörigen mit den Blicken folgt oder ihnen bewusst in die Augen schaut. Mitunter löst die Anwesenheit des Ehepartners eine emotionale Reaktion aus, die den Prozess des Aufwachens einleitet.

Wie stark beeinflusst die Komadauer den Erfolg der Rehabilitation?

Jeder Fall ist anders, deshalb sind generelle Prognosen kaum möglich. Bei Patienten im echten Koma (dem sogenannten apallischen Syndrom) befindet sich das Gehirn im Zustand einer schweren Funktionsstörung. Daher schwinden die Aussichten für ein Aufwachen oder gar eine Gesundung mit der Dauer des Komas rapide. Zwar sind auch schon Patienten nach vielen Monaten aus dem apallischen Zustand erwacht, die Wahrscheinlichkeit dafür aber liegt bei unter fünf Prozent. Anders ist es bei Schädel-Hirn-Verletzten, die in ein künstliches Koma versetzt wurden (wie es bei Schumacher der Fall war). In solchen Fällen sinkt der Sauerstoff- und Nährstoffbedarf des Gehirns, es gibt – anders als bei echten Komapatienten – einen normalen Schlaf-Rhythmus. Der Verletzte liegt quasi in einem erholsamen Tiefschlaf. Je schwerer die zugrunde liegende Verletzung des Gehirns, desto länger halten die Ärzte das künstliche Koma in der Regel aufrecht.

Wann beginnt eine Reha, und was ist besonders wichtig?

Eine Rehabilitation beginnt bereits im Akutkrankenhaus, in der Klinik also, in der die eigentliche Ursache des Komas behandelt wird – ein Schädel-Hirn-Trauma wie bei Michael Schumacher etwa. Neben den Ärzten arbeiten oft schon Physiotherapeuten mit dem Patienten. Sehen die Ärzte keine Möglichkeit mehr, den Zustand des Patienten mit akuten Maßnahmen zu bessern, verlegen sie ihn in eine Rehaklinik. Dort geht es mit der sogenannten Früh-Rehabilitation weiter, die den Patienten auf die eigentliche Reha vorbereitet – also darauf, dass er selbst an der Verbesserung seiner verlorenen Fähigkeiten arbeiten kann und von Therapeuten nur noch begleitet werden muss.

Wie lange dauert eine Reha?

Bei einem jungen Patienten kann die Behandlung in der Rehaklinik auch mal ein halbes Jahr dauern – doch eine solch lange Zeit ist eher die Ausnahme. Wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat, bleibt ein Patient im Durchschnitt 25,5 Tage in der Reha. Der Mittelwert in der neurologischen Reha liegt höher: bei 30,7 Tagen.

Was passiert bei der kognitiven Reha?

Weil die Nervenverbindungen im Gehirn veränderbar (plastisch) sind, können Hirnfunktionen – zumindest zum Teil – auch wieder regeneriert werden. So können neue Hirnzellen aus neuronalen Stammzellen nachwachsen, in verletzte Areale einwandern und dabei helfen, Nervenknoten zu reparieren. Wenn die Neurone neue Fortsätze bilden, können auch verletzte Nervenbahnen regenerieren. Diese Reparaturprozesse lassen sich durch motorisches, kognitives oder logopädisches Training stimulieren. Dabei kann die Funktion eines verletzten Hirnbereichs mitunter auch von anderen, gesunden Hirnarealen übernommen werden. Insgesamt aber ist die Reparaturfähigkeit des Hirns begrenzt. Je größer die Verletzungen des Hirngewebes sind, umso schlechter sind die Aussichten für Genesung oder Besserung.