Die deutschen Hochschulen und Behörden trauen den ausländischen Zeugnissen und Leistungsnachweisen meist nicht. "Im Normalfall nimmt man in Deutschland immer an, dass ein ausländischer Schulabschluss nicht dem Niveau des Abiturs entspricht", sagt Dieter Janssen, der an der RWTH Aachen die Abteilung Zugang und Soziales leitet. In der Vergangenheit kam es durchaus vor, dass gefälschte Unterlagen vorgelegt wurden. Deshalb gibt es beispielsweise für chinesische Studienbewerber seit 2001 schon eine Akademische Prüfstelle in Peking bei der Deutschen Botschaft. Dort werden vorab die Unterlagen geprüft und halbstündige Interviews sowie ein Test für ausländische Studierende (TestAS) durchgeführt, ein standardisierter Studierfähigkeitstest. Von manchen deutschen Unis wie etwa der TU Darmstadt und der TU Clausthal reisen regelmäßig Professoren für Auswahlgespräche nach China. Das alles hat dazu geführt, dass die Zahl der chinesischen Studenten stark gestiegen ist und diese in Deutschland nicht mehr so große Probleme haben. Der TestAS kann auch an anderen Botschaften und Goethe-Instituten weltweit gemacht werden. Noch wird er allerdings nicht von allen Hochschulen anerkannt.

"Ich bezeichne es gerne als Prozessschwäche", sagt Hilka Leicht. Sie ist Vizepräsidentin des Berlin International College, einer Agentur, die ausländischen Studenten gegen Bezahlung bei Zulassungshürden in Deutschland hilft – insbesondere für ingenieurwissenschaftliche Studiengänge. "Die studentische Sicht wird bei den Verwaltungen oft nicht beachtet." Ihrer Meinung nach sind die deutschen Behörden, auch im Vergleich etwa zu Großbritannien oder den Niederlanden, zu starr und zu unbeweglich. Sie kritisiert vor allem bürokratische Hürden und zeitliche Probleme, etwa dass die Bewerbung an deutschen Hochschulen drei Monate vor Studienbeginn erfolgen muss, der Visumprozess in der Regel aber fünf Monate dauert. Auch ein von vielen Universitäten gefordertes technisches Vorpraktikum sei in Nicht-EU-Ländern häufig nicht möglich.

Isabelle Kappus, Leiterin der Servicestelle Interkulturelle Kompetenz des Deutschen Studentenwerks, sieht vor allem finanzielle Probleme als größte Hürde. Ausländische Studenten müssen, um ein Studentenvisum zu bekommen, einen Nachweis erbringen, dass sie sich während ihres Studiums in Deutschland selbst finanzieren können. Dafür müssen sie jährlich 8.040 Euro auf einem Sparkonto hinterlegen oder eine entsprechende Bürgschaft nachweisen. Problematisch sei nach Kappus auch der individuelle Ermessensspielraum der Ausländerbehörden. "Es hängt oft davon ab, an wen man gerät", sagt sie.

Eine Studie des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration aus dem Jahr 2012 zeigt, dass rund 40 Prozent der ausländischen Studenten in Deutschland diskriminierende Erfahrungen gemacht haben. Eine Befragung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) von internationalen Studenten im Rahmen ihres Stipendien- und Betreuungsprogramms zeigt, dass zwei Drittel der Befragungsteilnehmer bei der Vorbereitung auf den Studienaufenthalt in Deutschland mit Schwierigkeiten konfrontiert waren.