"Die Stadt tut zu wenig gegen Falschparker. Warum eigentlich?" ... fragt Silvie Müller aus Hoheluft. In der Kolumne "Warum funktioniert das nicht?" beantwortet unser Kolumnist Mark Spörrle die Fragen der Leser.

Sie sind die Pest. Sie blockieren Fuß- und Fahrradwege, versperren Rettungsdiensten den Weg, nehmen Schülern die Sicht und machen Kreuzungen so dicht, dass kein Kinderwagen mehr durchpasst: falsch parkende Autos. In Hamburg ist der Ausnahmezustand längst normal, sogar die Gerechtigkeitskämpfer sind müde geworden. Pflanzte sich früher eine Limousine auf den Fußweg, kamen sie mit bösen Aufklebern oder klappten Spiegel und Scheibenwischer ab. Heute machen sie es wie der Klassenfeind: Warum als ehrlicher Dummer ewig suchend um den Block kurven, wenn man die Karre lässig auf der Straße stehen lassen kann?

Rechnerisch kommen in Hamburg zwar täglich bis zu 2500 Anzeigen wegen Falschparkerei zusammen. Doch in der Praxis hängt es vom Zufall ab, ob man eine kassiert. Die Polizei hat jede Menge anderes zu tun. Und der Behördliche Ordnungsdienst wurde kürzlich aufgelöst. Ganz Hamburg also ein Eldorado der Gesetzlosen am Steuer?

Nicht ganz Hamburg. In der City ist eine kleine unbeugsame Truppe von 18 Frauen und Männern dabei, Falschparkern das Leben schwer zu machen – und sie tatsächlich regelmäßig aufzuschreiben! Die neue Abteilung Parkraumüberwachung zeigte im letzten Jahr 153.112 Verkehrsverstöße an. Und, berichtet Uwe Thillmann vom Landesbetrieb Verkehr: Auf einmal findet man in der Innenstadt auch wieder einen Parkplatz. Kosten der Sache: eine halbe Million Euro – Einnahmen: über zwei Millionen! Ein mobiles Profitcenter. Und tatsächlich, die Truppe soll auch in Altona um das Ikea-Haus herum zum Einsatz kommen und dort in Bergedorf, wo der Bär besonders tobt.

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Aber warum nur Geld abschöpfen an den Hotspots? Wieso kann man nicht in ganz Hamburg für Gerechtigkeit sorgen? Der Umgang mit Falschparkern, räumt Thomas Adrian von der Behörde für Inneres und Sport ein, der die Knöllchen-Truppe vorher betreute, "ist für die Politik ein Drahtseilakt". Durch jahrelange bad practice geriet das Empfinden vieler Autoparker so in Schieflage, dass viele es für ihr gutes Recht halten, andere behindern und gefährden zu dürfen. Und wer belangt wird, fühlt sich im Nu stigmatisiert, diskriminiert und abkassiert.

Doch gerade das hält sich in Grenzen. Während unerlaubtes Parken auf Geh- und Radwegen in den Niederlanden 90 Euro kostet, kommt man bei uns ab 15 Euro davon – schon die Tageskarte in vielen Hamburger Parkhäusern kostet mehr. Schließlich soll Falschparken um Himmels willen nicht so teuer werden, dass es keiner mehr macht.