Die Skyline von Hongkong © dpa

Es gibt Dutzende Millionenstädte in China, von denen hierzulande kaum jemand etwas weiß. Oder wer kennt Foshan im Perlflussdelta oder Shijiazhuang im Norden? China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde, sein Wirtschaftswachstum ist seit Jahren enorm. Immer mehr Unternehmen in Deutschland oder den USA hängen davon ab, und so verfolgt die Welt stets mit einer Mischung aus Faszination und Bangen, was in China geschieht. Im Zentrum der Beobachtung steht meist der Immobilienmarkt. Seit Jahren wächst er wie wild, oft ist von einer Blase die Rede – und der Sorge, dass diese Blase platzt. Denn das könnte Chinas Wirtschaft nach unten reißen und die Welt gleich mit.

Die jüngsten Signale verheißen wenig Gutes. Unter 70 großen Städten zählte das Nationale Büro für Statistik im März vier Städte, in denen die Preise für neue Immobilien im Vergleich zum Vormonat leicht sanken – im April waren es dann acht und im Mai bereits 35 Städte. Im Vergleich zum Vorjahr steht fast überall noch ein Anstieg zu Buche, doch der ist getragen vom Anstieg in den Monaten zuvor. Der Markt, so scheint es, beginnt sich zu drehen. Der Fläche nach gingen die Verkäufe von Wohnimmobilien in den ersten fünf Monaten des Jahres um 9,2 Prozent zurück, dem Wert nach um 10,2 Prozent.

Gebaut wird weiter wie wild. Allein für Wohnzwecke wird zurzeit insgesamt eine Fläche erschlossen, die fast fünf Mal so groß wie Berlin ist. Da wundert es nicht, wenn immer wieder Geschichten über leer stehende Geisterstädte oder Viertel kursieren. Doch auch die Wohnfläche under construction von Projekten, die erst im Lauf dieses Jahres begonnen wurden, ist gegenüber dem Vorjahr stark zurückgegangen – um rund 20 Prozent.

Die Wirtschaftsauguren bleiben vorerst optimistisch, was Chinas Wachstum angeht. Die Regierung in Peking rechnet für 2014 mit einem Plus von 7,5 Prozent, die Weltbank mit ein wenig mehr, die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) mit etwas weniger. Doch alles hängt davon ab, ob, wie stark und wie schnell sich eine Wende am Immobilienmarkt auf Baufirmen oder Stahlunternehmen auswirkt. Vor allem aber auch auf die Finanziers: die Banken sowie jene Fonds und Trusts, die als Schattenbanken bezeichnet werden, weil sie einer schwächeren staatlichen Kontrolle unterliegen als klassische Kreditinstitute.

Anfang Juni hat Chinas Finanzaufsicht zwar angekündigt, die Zügel anzuziehen, doch viele Beobachter haben Angst vor einer Kettenreaktion. Kippt der Immobilienmarkt, drohen Kreditausfälle, hohe Verluste – und ein Übergreifen auf die Schattenbanken sowie das Finanzsystem.

Wie gefährlich dies wäre, zeigt schon eine Zahl: 20 Billionen Dollar. So groß ist laut S&P der Finanzierungsbedarf chinesischer Unternehmen bis 2018 – demnach werde dieser bald ein Drittel aller Schulden ausmachen, die Unternehmen weltweit insgesamt aufnehmen. Da von diesen 20 Billionen Dollar laut S&P bis zu einem Drittel aus dem Schattenbankensektor kommen könnte, würde sich eine Krise der chinesischen Fonds und Trusts auf rund zehn Prozent aller Firmenschulden weltweit direkt auswirken.