Meine Wohnung ist deine Wohnung – das Prinzip von Airbnb: Das Bild zeigt die Website der Online-Wohnungsbörse. © Justin Sullivan/Getty Images

Ein Gespenst geht um in der postindustriellen Gesellschaft der westlichen Welt, es ist das Gespenst des Co-Konsums. Gemeint ist der Tauschhandel, also das Leihen, Teilen und Mieten von Gegenständen, Räumen und Kenntnissen, was durch Internet und Smartphone-Apps zuletzt stark vereinfacht worden ist.

Die Propagandisten dieser Meins-ist-deins-Ökonomie sehen daraus eine neue Form des Wirtschaftens erwachsen, die altbekannte Probleme des Kapitalismus lösen soll: Ressourcenverschwendung, Überproduktion, Umweltbelastung. Ein postmaterielles Zeitalter soll angebrochen sein, in dem Teilen seliger macht als Haben, in dem der Zugang zu Dingen wichtiger sein soll als deren Besitz. Journalisten, Trendforscher und selbst ernannte Zukunftsvisionäre preisen die sogenannte Sharing-Economy als smarte und hippe Konsumideologie. Sie schwärmen von einer nachhaltigeren, partizipativeren Wirtschaft, in der der Gemeinschaftsgedanke auflebt und das Teilen von Dingen neue Beziehungen zu Fremden entstehen lässt.

Das klingt alles sehr romantisch. Sieht man sich jedoch die Geschäftsmodelle jener Unternehmen, die aus dem Teilen ein lukratives Geschäft machen wollen, genauer an, verfliegt der Eindruck, dass hier gerade der Kommunismus durch die Hintertür eingeführt wird. Die Geschäftsprinzipien der erfolgreichsten Firmen der Sharing-Economy passen vielmehr hervorragend in die Wertewelt eines unreglementierten Kapitalismus. Kein Wunder, dass die aus der Idee des Teilens geborenen Vorzeigeunternehmen in den USA gegenwärtig die Lieblinge der Investoren sind. Der Schätzwert des "Ridesharing"-Unternehmens Uber, das private Mitfahrgelegenheiten per App organisiert, beträgt sagenhafte 17 Milliarden Dollar, wenn man die Summen zugrunde legt, die Investoren zuletzt für Anteile bezahlt haben. Die Wohnungsbörse Airbnb, über die Privatleute ein Zimmer oder ihre ganze Wohnung im Internet untervermieten können, kommt demnach immerhin auf einen Marktwert von 10 Milliarden Dollar.

Neben diesen schon länger bekannten Unternehmen gibt es neue Firmen, über die man sein Haus vermieten kann (Homeaway), sein Auto (RelayRides, Gataround, Zipcar), sein Werkzeug (Ziplok), ja sogar sein Boot (Boatbound). Man kann sich bei Hobbyköchen zum Essen in deren Zuhause einladen (Feastly), Klamotten verleihen (Thredup), in der Einfahrt von Häusern parken (Parkatmyhouse) oder einen Hundeausführer buchen (DogVacay, Rover).

Diese neuen, zum Teil extrem renditeorientierten Unternehmen werfen die Frage auf, ob die Ressourcenprobleme des globalen Kapitalismus wirklich per Smartphone-Apps zu lösen sind. Und ob man aus dem Teilen – und dem dahinterliegenden Wert der gesellschaftlichen Solidarität – Geschäftsmodelle schmieden sollte, die von Risikokapitalgebern mit absurden Summen marktreif gepäppelt werden.

Es ist an der Zeit, über diese dunkle Seite der sonst in flauschiger Rhetorik beschriebenen Sharing-Economy zu reden. Es ist Zeit für sieben Thesen:

1. Unternehmen unterlaufen Arbeitsstandards und Rechtsvorschriften.

Spätestens seit jüngst Tausende von Taxifahrern in diversen europäischen Städten gegen die US-Firma Uber demonstriert haben, ist deutlich geworden, dass das Unternehmen die Taxibranche und ihre Standards für Beschäftigte wie Fahrgäste in ihrer Existenz bedroht. Uber-Kunden können per Smartphone-App einen Privatchauffeur bestellen, der das eigene Auto mit seinen Kunden "teilt". In Deutschland arbeitet zudem Wundercar mit einem ähnlichen Geschäftsmodell, zu dem die hamburgische Wirtschaftsbehörde in seiner bisherigen Form allerdings bereits Bedenken angemeldet hat.

Da bei derlei Anbietern viele Kosten entfallen, die etwa Taxifahrer üblicherweise zahlen müssen – Versicherungen für die Passagiere, Taxizentrale, Funk- und Sicherungsanlagen –, sind ihre Fahrten oft preiswerter als jene mit Taxiunternehmen. Wundercar stellt es gar ins Ermessen des Fahrgastes, was er für den Transport zahlen will. Die Fahrt an sich ist kostenlos, wer doch etwas geben will, kann per App ein "Trinkgeld" überweisen.

Anders als bei einer regulären Taxifahrt sind die Fahrgäste beim US-Konkurrenten Uber, dessen Dienste auch hierzulande abrufbar sind, nicht durch eine Haftpflichtversicherung vor Unfallfolgen geschützt. Die Fahrer müssen keine Personenbeförderungserlaubnis besitzen, in den USA wurden Fälle bekannt, in denen Uber-Fahrer nicht einmal einen Führerschein hatten.