Rechtliche Probleme existieren auch in anderen Bereichen der Sharing-Economy: Wer über das Internet zahlende Gäste zum Abendessen einlädt, umgeht Regelungen (von Hygienevorschriften bis zu Tariflöhnen), die für die traditionelle Gastronomie gelten. Auch bei geliehenen Schlagbohrern, Motorbooten oder beim Hundeausführen existieren zahlreiche Gesetzeslücken.

2. Firmen bereichern sich an dem, was andere anbieten.

Uber behauptet, dass sein Angebot billiger sei als das klassischer Anbieter, weil die Firma die "Mittelsmänner" ausschaltet – also die Taxizentralen, die durch die Vermittlung von Fahrten Geld verdienen. Dass die Firma selbst der neue Intermediär ist, der 20 Prozent Vermittlungsgebühr vom Fahrpreis behält, kommuniziert sie weniger offensiv. Zum Vergleich: Die Berliner Taxizentralen verdienen pro vermittelter Fahrt im Schnitt nur 70 Cent. Dienste wie Uber sind durch das Internet und mobile Endgeräte sehr einfach zu betreiben; angesichts der geringen Eigenleistung des Unternehmens scheint die 20-prozentige Kommission daher nicht allzu preisgünstig.

Die meisten Firmen der Sharing-Economy sind dezentral organisiert. Wenn sie an einem neuen Standort operieren wollen, genügt es, einen neuen Server zu installieren und eine kleine Mannschaft vor Ort zusammenzustellen. Die Kunden füllen die Website des Unternehmens dann selbst mit ihren Angeboten. Die Vermittlung von privaten Dienstleistungen – etwa über Kleinanzeigen, Schwarze Bretter oder die Mitfahrzentrale – ist nichts Neues. Neu ist lediglich der Versuch der Vermittler, jedes Mal mitzuverdienen, wenn Geld fließt.

3. Es entsteht ein neues Prekariat aus Tagelöhnern.

Das lange eingeführte Prinzip des Mitwohnens und Mitfahrens wurde durch Airbnb, Uber und Co. bereits erfolgreich zum Geschäftsmodell gemacht. Nun finden Sharing-Economy-Unternehmen, die versuchen, die Nachbarschaftshilfe zu kommerzialisieren, das besondere Interesse von Investoren. Dazu gehören in den USA zum Beispiel oDesk oder TaskRabbit, die sich als eine Art Versteigerungsplattform für Onlinejobs und Dienstleistungen darstellen. In Deutschland versuchen gegenwärtig Neugründungen wie Mila und Helpling, dieses Geschäftsmodell zu kopieren.

TaskRabbit startete 2008 in Boston unter dem Namen RunMyErrand (Übernimm meine Erledigung). Das Geschäftsprinzip: Der Nutzer benennt eine Aufgabe – zum Beispiel die Abholung von Hemden bei der Reinigung – und den Preis, den er dafür zu zahlen bereit ist. Die registrierten TaskRabbit-Häschen bewerben sich für den Job. (Das Zusammenmontieren von Ikea-Möbeln gehört übrigens zu den am meisten nachgefragten Dienstleistungen.)

Das Unternehmen, das bis jetzt knapp 40 Millionen Dollar Investitionskapital eingesammelt hat, nennt seine Mitarbeiter "Micro-Entrepreneurs", Kleinstunternehmer. Doch tatsächlich handelt es sich eher um ein bemitleidenswertes Prekariat von Arbeitslosen, Studenten, Rentnern und Hausfrauen, die versuchen, sich mit mager bezahlten Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Es ist kein Zufall, dass dieses Geschäftsmodell just während der Finanzkrise entstanden ist, als viele Amerikaner ihren Job verloren und vor dem Nichts standen. Auch wenn es so dargestellt wird, als sei TaskRabbit für Pensionäre und mittellose Studenten eine unkomplizierte Möglichkeit, sich etwas hinzuzuverdienen: Die Investoren derartiger Unternehmen wollen genau aus dem Umstand Kapital schlagen, dass gut bezahlte, sichere und sozialversicherte Jobs nicht für jeden zu haben sind.

Um diese Kleinstunternehmer zu motivieren, nutzt die Firma Methoden, wie sie unter dem Begriff "Gamification" bekannt wurden: die Einbindung spielerischer Elemente in spielfremden Kontext. Wie eine Figur in einem Computerspiel erhalten die TaskRabbits Punkte für gute Leistung. Je nach Anzahl der Punkte wird der Einzelne verschiedenen Stufen zugeordnet und belohnt: Wer genug Punkte gesammelt hat, um auf Level 5 zu gelangen, bekommt ein T-Shirt der Firma geschenkt. Wer Level 10 erreicht, erhält eigene Visitenkarten.

TaskRabbit ist nicht die einzige Firma, die versucht, aus wenig qualifizierter Arbeit Rendite zu schlagen: Bei MyWays, einem amerikanischen Tochterunternehmen der Post-Logistiksparte DHL, kann sich ein Taschengeld verdienen, wer für andere Pakete abholt. Homejoy, in das der Suchmaschinenriese Google investiert hat und welches in der jüngsten Finanzierungsrunde 38 Millionen Dollar einsammelte, vermittelt Putzkräfte – in den USA, Kanada und neuerdings auch in London.

In Deutschland ahmen Start-ups wie Bookatiger und Cleanagents dieses Prinzip nach. Das US-Technologiemagazin Wired nannte die Geschäftsidee schon "the next tech gold rush" – wobei der Goldrausch allein die Investoren beglückt, nicht die Putzkräfte. Die müssen polizeiliche Führungszeugnisse vorlegen und sich einem Fitnesstest unterziehen.