© Hatje Cantz

Vielleicht hat Helge Achenbach geahnt, dass er irgendwann einmal in Untersuchungshaft landen würde. Auf dem Titel seiner Autobiografie, die vergangenes Jahr im Hatje Cantz Verlag erschien, prangt eine Nahaufnahme von ihm vor grauem Hintergrund, die stark an einen mugshot erinnert, an eines jener Fotos, die nach der Festnahme von den Verdächtigen gemacht werden. So, wie wir es hier auf dieser Seite zeigen, hat sich der bekannteste deutsche Kunstberater, der Unternehmen wie die Allianz, Audi, Telekom, Mercedes-Benz und VW auf seiner Klientenliste stehen hat, für sein Buch in Szene gesetzt. Jetzt ist aus der Inszenierung des selbst ernannten "Kunstanstifters" Ernst geworden.

Seit gut drei Wochen sitzt Achenbach, geboren 1952 in Weidenau, in Untersuchungshaft, in einer nur wenige Quadratmeter großen Zelle der JVA Essen. Bei der Rückkehr aus Brasilien, wo er die Hotelanlage der deutschen Fußballnationalmannschaft mit Kunst ausgestattet hatte, wurde er am Düsseldorfer Flughafen festgenommen. "Er soll einem Unternehmer, der Kunstobjekte und Oldtimer als Geldanlagen kaufen wollte, die von ihm (Achenbach) beschafften Objekte unter Vorspiegelung von höheren Einkaufspreisen als tatsächlich verausgabt weitergegeben haben" – so drückt es etwas umständlich die Staatsanwaltschaft Essen aus.

Es geht um hohe Provisionen und versteckte Margen

Bei dem Unternehmer handelt es sich um Berthold Albrecht, einen Erben des Aldi-Nord-Imperiums, der 2012 im Alter von 58 Jahren starb. Die Familie Albrecht hatte im April 2014 Strafanzeige gegen Achenbach gestellt, nachdem sie durch einen Tipp und nach eigenen Ermittlungen auf Ungereimtheiten gestoßen war. Laut Strafanzeige, von deren Inhalt diesen Dienstag zuerst das Handelsblatt berichtete, soll für die Familie Albrecht ein Schaden von 18 Millionen Euro entstanden sein. Als die Untersuchungshaft Achenbachs vergangene Woche publik wurde, antwortete die Sprecherin der Achenbach Kunstberatung GmbH auf Fragen der ZEIT mit einer Presseerklärung der Familie: "Die von Frau Babette Albrecht erhobenen Behauptungen beruhen offenbar auf rein persönlichen Motiven. Es ist hinlänglich bekannt, dass Herrn Achenbach und Herrn Berthold Albrecht bis zu dessen Tode eine engere freundschaftliche Beziehung verband. Herr Achenbach ist zuversichtlich, dass sich bei der weiteren Sachaufklärung herausstellen wird, dass die von Frau Babette Albrecht erhobenen Vorwürfe unberechtigt sind und Herr Achenbach Herrn Berthold Albrecht keinerlei Schaden zugefügt hat." Fragen wollte die Sprecherin Achenbachs nicht beantworten, nicht einmal den Namen von dessen Verteidiger nennen.

Berthold Albrecht hatte Achenbach im Jahr 2009 näher kennengelernt. Der Art Consultant arbeitete wie ein Kommissionär für Albrecht, er kaufte für den überaus vermögenden Unternehmer entweder persönlich oder über dessen Firma Achenbach Kunstberatung mehr als zwanzig Kunstwerke und erhielt als Provision jeweils fünf Prozent des Einkaufspreises. So soll er etwa beim Kauf von zwei Gemälden Roy Lichtensteins im April 2010 fünf Prozent des Nettopreises in Höhe von 4.450.000 Millionen Euro in Rechnung gestellt haben. Unter anderem über die Firma State of the Art AG vermittelte Achenbach auch mehrere Oldtimer im Millionenwert an den Aldi-Erben, wobei hier drei Prozent Provision vorgesehen waren.

Die Familie Albrecht ist für ihre Scheu vor der Öffentlichkeit bekannt

Kunstberater werden von Sammlern nicht nur aus Anonymitätsgründen, sondern vor allem auch deshalb eingeschaltet, um einen möglichst niedrigen Preis mit den Galeristen auszuhandeln. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet in diesem Fall aber, dass Achenbach weitaus höhere Einkaufspreise in Rechnung gestellt habe, als er selbst bei den Galerien und Auktionshäusern gezahlt habe. Rechnungen sollen manipuliert worden sein, es wird nicht nur wegen Betrugs, sondern auch wegen Urkundenfälschung ermittelt.

Beim Kauf eines Gemäldes von Picasso etwa soll er zusätzlich zur Provision fast zwei Millionen Euro auf seinen Einkaufspreis aufgeschlagen und somit auch eine höhere Provision und eine höhere Mehrwertsteuer kassiert haben. Eine auf einem Computer gefundene Liste soll beweisen, dass Achenbach systematisch die an Albrecht weitergegebenen Preise zuvor erhöht hatte. Insgesamt vermittelte der Händler zwischen 2009 und 2011 Kunstwerke und Autos im Wert von gut 120 Millionen Euro an Albrecht. Schon an der rechtmäßigen Provision allein hätte Achenbach also Millionen Euro verdient.