Die Sommerferien stehen vor der Türe. Da mag es paradox erscheinen, über den Umgang von Jugendlichen mit Geld zu schreiben. Ist es aber nicht: Denn während die einen in den Süden reisen, suchen sich die anderen eine Arbeit, um sich ein finanzielles Polster zu schaffen. In meiner Familie war es Tradition, einen Teil der Ferien mit einem Temporärjob zu verbringen. Als der Detailhändler Denner vor Jahren seine Initiative für billigere Weinimporte lancierte, stand ich jeden Morgen in den Filialen und sammelte Unterschriften. Diese Arbeit war weder glamourös noch sonderlich einträglich. Aber wer – wie ich damals – nur das universitär akademische Milieu kennt, tut gut daran, zu erfahren, wie der Arbeitsalltag der meisten Menschen in unserem Land aussieht.

Dieser Zusatzverdienst ist eine Art, den beruflichen Alltag und den Umgang mit Geld kennen- und verstehen zu lernen. Noch wichtiger ist es aber, dass Eltern ihre Kinder lehren, Verantwortung für die eigenen Finanzen zu übernehmen – gerade in einer Zeit, wo Mobiltelefone, Games und andere virtuelle Verführer schnell ins Geld gehen können. Das "Sackgeld" ist dann bald aufgebraucht, und viele Eltern sind allzu schnell bereit, ihrem Nachwuchs den Wunsch nach einer zusätzlichen Finanzspritze zu erfüllen. Dieser Weg des geringsten Widerstandes kann in eine verhängnisvolle Schuldenspirale führen. Studien zeigen, dass in der Schweiz jeder dritte unter 25-Jährige verschuldet ist. Bei den 21- bis 25-Jährigen beträgt die durchschnittliche Schuldenlast bereits 1.050 Franken. Und auch hier gilt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. 80 Prozent der überschuldeten Erwachsenen sind schon vor dem 25. Lebensjahr ins finanzielle Minus geraten.

Ein wirksames Instrument, um dies zu verhindern, ist der Jugendlohn. Schon 1977 setzte der Psychologe und Familientherapeut Urs Abt dieses Mittel ein, damit die Sprösslinge von problembelasteten Familien lernen konnten, mit knappen finanziellen Ressourcen auszukommen. Das Prinzip ist so einfach wie bestechend: Ab 12 Jahren erhalten die Jugendlichen einen fixen monatlichen Betrag, mit dem sie einen Großteil ihrer Lebenskosten selber bestreiten müssen. Wenn dann am Ende des Geldes noch sehr viel Monat übrig bleibt, gibt es kein zusätzliches Budget, sondern muss Verzicht geübt werden.

Bisher gibt es nur wenige Studien, die sich mit den Verhaltensmustern von Eltern und Jugendlichen im Umgang mit Geld befassen. Dies wird sich im Herbst ändern, wenn eine erste umfassende Studie zum Thema Jugendlohn und Schuldenprävention publiziert wird, die von der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit der Schuldenberatung Aargau-Solothurn gemacht wurde.

Eines ist schon heute klar: Die wichtigste Rolle spielen die Eltern. Wenn sie ihren Sprösslingen früh Verantwortung übertragen, dann geht es nicht nur darum, dass diese lernen, sorgfältig mit einem Budget umzugehen. Der Jugendlohn ist auch Ausdruck dafür, dass sie das Erwachsen- und Selbständigwerden ihrer Kinder ernst nehmen und im wahrsten Sinne des Wortes wertschätzen. Das ist ein effizienterer Beitrag zur Schuldenprävention als jedes staatliche Erziehungsprogramm.