Mark, die Aktienmärkte florieren, die Immobilienpreise steigen, und doch mache ich mir große Sorgen. Ich glaube, der nächste Crash steht vor der Tür.

Schon der amerikanische Ökonom Hyman Minsky hielt Stabilität an Finanzmärkten für destabilisierend. Ich glaube, er hat recht.

Ach was, wirst Du sagen. Die paar Übertreibungen bedeuten noch keine Gefahr. Dass Immobilien in einigen deutschen Großstädten bis zu 20 Prozent überbewertet sind, kann viele Ursachen haben: mehr Zuwanderung, gestiegene Einkommen. Auch dass in Großbritannien der Häusermarkt noch heißer läuft und in den USA wieder riskante Kredite en masse fließen: Es muss nicht im Absturz enden.

Man kann das so sehen. Dann solltest Du aber auch sagen, wie wenig wir wirklich darüber wissen. Auf die Frage, ob eine Übertreibung am Finanzmarkt schon eine gefährliche Blase ist, haben Ökonomen bis heute keine überzeugende Antwort gefunden. Umso vorsichtiger sind die meisten Fachleute nach den Erfahrungen der Geschichte geworden. Die lehrt zum Beispiel, dass schuldenfinanzierte Immobilienblasen in der Vergangenheit besonders oft Finanzcrashs auslösten. Und sie zeigt auch, dass vor dem Crash fast immer zu große Gelassenheit herrschte. Deshalb ist es richtig, wenn der deutsche Finanzminister und der Internationale Währungsfonds diesmal früh vor den neuen Exzessen am Häusermarkt warnen.

Das eigentliche Problem liegt ohnehin tiefer. Die Zentralbanken begehen schon wieder alte Fehler. Sie überspülen die Welt mit billigem Geld, bis die Anlagemärkte Fahrt aufnehmen und das Vertrauen der Anleger zurückkehrt – genau wie es der frühere amerikanische Notenbankchef Alan Greenspan vorgemacht hat. Platzt dann doch irgendwo eine Blase, muss die Notenbank es eben wieder richten – eine Blase nährt letztlich die nächste. Die letzte Krise hat gezeigt, dass diese Strategie zu teuer und zu riskant geworden ist.

Natürlich wiederholt sich Geschichte nicht einfach. Die Banken etwa sind heute besser gegen Krisen gewappnet als früher. Das heißt aber nicht, dass das Finanzsystem insgesamt sicherer wäre. Die niedrigen Zinsen treiben Geldanleger zunehmend in riskante Märkte: nach Nigeria, Argentinien oder in Arabiens Scheichtümer. Einen Vorgeschmack auf die Gefahr, die in solchen Massenbewegungen steckt, bekam man im Frühjahr, als plötzlich Anleger in Scharen ihr Kapital aus den Schwellenländern abzogen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, die als eine der wenigen die letzte große Krise kommen sah, warnt mittlerweile vor einem "zerstörerischen Umschwung" an den Finanzmärkten. Wegen der niedrigen Zinsen und Renditen setzen selbst Pensionsfonds auf immer riskantere Papiere. Man sollte das ernst nehmen.

Die Europäische Zentralbank braucht deshalb dringend eine Idee, wie und wann sie aus der Phase des billigen Geldes aussteigen will. Je länger sie wartet, desto größer wird der Schaden. Oder, um es grundsätzlicher zu sagen: Die letzte Krise hat ein großes Wissen darüber hervorgebracht, wie man akute Krisen erfolgreich bewältigt. Jetzt brauchen wir eine Antwort auf die Frage, wie wir die Phase immer schneller wiederkehrender Krisen überwinden. Meinst Du nicht? Dein Philip Faigle

Lesen Sie hier die Antwort von Mark Schieritz.