Steilshoop sucht einen Quartiersmanager. In St. Georg ist einer für den Steindamm da, in Langenhorn-Markt kümmert sich einer um den schwächelnden Einzelhandel. Quartiersmanager werden gerufen, um an sozialen Brennpunkten der Stadt gegen die Missstände zu kämpfen. Andere sollen in kriselnden Einkaufsgegenden den Niedergang aufhalten.

Aber was soll so jemand in einem Viertel, das vor allem für eines steht: Geld? Dem weit über die Hamburger Landesgrenzen hinaus der Ruf vorauseilt, hier lebe es sich doch ganz anständig?

Blankenese heißt der Stadtteil, der nächste Woche ein eigenes Quartiersmanagement bekommt, gefördert mit 20.000 Euro von der Wirtschaftsbehörde. Die Attraktivität des Standorts müsse erhalten bleiben, der Einzelhandel gestärkt werden, so steht es im Förderantrag für den ökonomischen Quartiersmanager, den die Blankenese IG, eine Interessengemeinschaft von Gewerbetreibenden, gestellt hat. Auch die Missstände, die Blankenese zu einem Förderfall werden lassen, zählt das Papier auf: Blankenese vergreist. 28 Prozent der Blankeneser seien älter als 65 Jahre, heißt es dort. Der Hamburger Durchschnitt liegt bei 19 Prozent. Auch verlorene Kaufkraft macht dem Viertel demnach zu schaffen. Die Blankeneser gehen ins Elbe-Einkaufszentrum oder ins Internet, vielen Läden vor Ort fällt das Überleben schwer, ein paar haben dichtgemacht. Ein Vertreter der Blankenese IG, die das Vorhaben kofinanziert, sagt, man wolle das Rad mithilfe des Quartiersmanagements zurückdrehen – eine kuriose Variante der Redewendung, die besagt, genau das sei unmöglich.

In den USA, wo vieles geschieht, was sich Jahre später in deutschen Städten niederschlägt, ist die Entwicklung schon fortgeschritten. Wohlhabende Chicagoer etwa kehren aus dem Grünen ins Zentrum zurück, beziehen Lofts in alten Fabriken, lassen die Einfamilienhäuser hinter sich. In Florida und Kalifornien veröden seit der Finanzkrise schon ganze Vororte.

Auch in Deutschland zeichnet sich ein Trend zur Re-Urbanisierung ab: eine Orientierung zurück in die Innenstädte, in denen das Leben den Anforderungen eines modernen Berufsalltags gerechter wird. Das trifft zunächst die weitere Peripherie, Siedlungen rings um Pinneberg oder Elmshorn zum Beispiel oder weit hinter Rahlstedt. Und nur weil in den alten, wohlhabenden Vierteln am Stadtrand wie den Walddörfern und den Elbvororten die Preise noch stimmen, heißt das nicht, dass das auf lange Sicht auch so bleiben muss.

Haben die bürgerlichen Vororte ein Zukunftsproblem? Ausgerechnet Blankenese wirft diese Frage nun auf. Die Quartiersmanagerin, die den Problemen dort seit dem 1. Juli entgegentreten soll, war vorher in Wilhelmsburg im Einsatz.