Juni 2014: Taxi-Protestfahrt in Hamburg gegen Shareconomy-Firmen, die Fahrer vermitteln. © dpa

Am Nachmittag des 11. Juni 2014 hält Clemens Grün eine Rede in der HafenCity. Seine Rede. "Kampflage" nennt der Chef der Hamburger Taxenverbände die Situation. Seine Gegner: skrupellose Millionäre, die die Taxifahrer angreifen. Rechtsbrecher!

Gemeint ist das Hamburger Start-up WunderCar, das per App Stadtfahrten an Hobbychauffeure vermittelt – zu einem Bruchteil der Taxikosten. "Doch wenn wir es klug machen", ruft Grün, "werden wir siegen." Zwei Wochen später: Die Stadt hat WunderCar eine Untersagungsverfügung geschickt. Das Geschäftsmodell finde hier nicht mehr statt, heißt es aus der Wirtschaftsbehörde. Die Stadt wünscht Ruhe. Das ist schade.

Denn Taxifahrer und Behörde haben eine Diskussion beendet, die dringend geführt werden müsste: Es geht um das Für und Wider einer neuen Mikrowirtschaft – und wie man damit umgeht.

Sharing Economy, Shareconomy oder Ko-Konsum, dahinter steht immer das gleiche Prinzip: Nutzen statt besitzen. Das beste Beispiel ist die Bohrmaschine. Die wenigsten wollen eine Bohrmaschine, sie wollen ein Loch in der Wand. Gleiches gilt fürs Auto. Viele junge Städter wollen kaum noch eines haben. Sie wollen von A nach B.

Besitzen muss man eigentlich nur noch das Smartphone, um über Apps jederzeit checken zu können, wer was wann teilen will. Wohnungen, Kirschbäume, Hunde, das Abendbrot. Viele glauben – oder fürchten –, das sei der neue Megatrend.

Vielleicht, weil kaum eine Entwicklung derzeit für so große Versprechen steht: Solidarität, Gemeinschaft, Weltrettung! Vielleicht auch, weil keiner so verteufelt wird wie die Firmen, die davon profitieren: Kommerz, Ausbeutung, Weltuntergang!

In Hamburg prallen Sharing-Befürworter und -Gegner besonders aufeinander – auch weil viele Shareconomy-Firmen von hier stammen: Deutschlands größte Plattform für privates Carsharing, tamyca, wurde in Hamburg gegründet. Die Verleih-App Whyownit, mit der man die Bohrmaschine borgen kann, wird in Ottensen programmiert. Die Idee, die eigene Wohnung zu teilen, brachte der Hamburger Stephan Uhrenbacher mit 9flats nach Deutschland. Und schließlich: WunderCar.

Die Reihe ist noch lang; doch vor allem beim Fahren und Wohnen werden die Kontrahenten wütend, schließlich lässt sich damit am besten verdienen. So hat das amerikanische WunderCar-Vorbild Lyft zuletzt 250 Millionen Dollar Wagniskapital erhalten. Die US-Übernachtungsbörse Airbnb soll zehn Milliarden Dollar wert sein.