Acht junge Männer und Frauen stehen gerade irgendwo in Deutschland vor einem Standesbeamten und werden getraut. Die Wangen der Braut sind zart gerötet, umständlich steckt man sich die Ringe an die Finger, wechselt erste tiefe Blicke. Die Familien der Brautleute geben sich gerührt. Der Pfarrer wünscht Glück. Der Paartherapeut schüttelt allen die Hände. Man streut Blumen und isst Torte. Alles wäre in Butter – wenn das Paar sich zuvor schon mal gesehen hätte.

Die Idee, Fremde miteinander zu verheiraten, kommt aus Dänemark. Sat.1 findet sie prima und spielt sie nach. Drehbeginn ist jetzt, gesendet wird im Herbst. Hunderte haben sich bereits darum beworben, eine Zwangs-Ehe einzugehen. Verantwortlich für diese eher aus dem Jemenitischen bekannte Spielart der Eheschließung sind normale Leute aus der Mitte der deutschen Gesellschaft: Pastoren, Standesbeamte und Therapeuten, die ihre ordentlichen Ausbildungen in Theologie, Verwaltungsrecht und Seelenkunde im Dienst des Fernsehsenders missbrauchen und nebenbei die ohnehin kränkelnde Glaubwürdigkeit ihres Fachgebiets weiter ruinieren.

Trotzdem sehen die dänischen Paare, die schon zwangsverheiratet wurden, irgendwie glücklich aus. Als wären sie ganz froh, dass irgendjemand für sie das Glück in die Hand nimmt, der mehr von der Sache versteht. Letztlich ist heutzutage doch jeder von der Liebe überfordert.

Wie soll man sich für einen Partner entscheiden, wo einem schon die Entscheidung zwischen den ungezählten Produkten, mit denen man sich die Haare trocknen oder den Hintern im Auto wärmen kann, vollkommen überfordert? Die eine große Lebensliebe, für die Liebende in Romanen wie den großartigen Brautleuten von Alessandro Manzoni lichterloh brannten, für die sie durch Pest und Schwefel gingen, gibt es wohl nicht mehr. Die ersten tiefen Blicke, die in der Literatur der alten Zeit in alle Himmelshöhen gehoben wurde, tauscht man bei den Online-Partnerbörsen. Bevor man den ersten keuschen Zungenkuss probiert, hat man schon hundert Kamasutra-Stellungen unter der Schulbank auf dem iPhone studiert. Und überhaupt kommt die Liebe überall nur noch im Plural vor.

Doch was das Liebesglück eigentlich verdoppeln und verzehnfachen sollte, führt dazu, dass eine beträchtliche Zahl junger Leute, die auf den Partnerbörsen Herz und Verstand verspielt haben, am Ende lieber mit ihren vielen digitalen Freunden allein bleiben. Die autoritäre erotische Angebotsverknappung durch das Privatfernsehen kommt als Rettungsfloß im Meer der Beliebigkeit dann wie gerufen.