Vergangene Woche begann für etwa 200 deutsche Sparer plötzlich das Zittern. Sie sind Kunden der Banco Espírito Santo, eines portugiesischen Geldinstituts, das seit Kurzem auch hierzulande mit aggressiven Zinsversprechen um Einlagen wirbt. Zwei Prozent gibt es derzeit zum Beispiel für den, der 10.000 Euro für ein Jahr fest anlegen will. Da kann man in Zeiten niedrigster Zinsen schon mal schwach werden. Dem Vernehmen nach haben die Deutschen der Bank in nur wenigen Wochen ein paar Millionen Euro anvertraut.

Nun aber kursieren Berichte über eine Schieflage des Konzernverbunds, zu dem die Banco Espírito Santo gehört. Das ließ vergangene Woche Sorgen über die Stabilität des Instituts selbst aufkommen, viele Investoren gerieten in Panik, zeitweise brach die Aktie massiv ein. Der Vorfall erschütterte die Börsen in Europa, zwischenzeitlich sah es so aus, als kehre die Euro-Krise zurück. Und die deutschen Anleger der Banco Espírito Santo? Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass sich die Lage beruhigt. Anfang dieser Woche zog das Institut auf Druck der portugiesischen Zentralbank einen ohnehin geplanten Führungswechsel vor, dennoch fiel der Aktienkurs erneut.

Ein Einzelfall? Nein. Erst vor wenigen Wochen war die Lage für mehr als 2.000 deutsche Sparer noch dramatischer. Sie haben ihr Geld – insgesamt rund 50 Millionen Euro – bei der bulgarischen Fibank liegen. Diese wäre Ende Juni beinahe kollabiert. Damals machten Gerüchte über eine bevorstehende Pleite die Runde. Die Folge war ein Ansturm bulgarischer Kunden, die ihre Ersparnisse abheben wollten, weil sie fürchteten, ihr Geld sei nicht mehr sicher. Binnen weniger Stunden zogen sie umgerechnet rund 400 Millionen Euro ab. Erst als die Regierung in Sofia mit einem Milliardenkredit einschritt, endete der Spuk. Andernfalls hätte den deutschen Sparern womöglich ein neuer "Fall Kaupthing" geblüht.

Tatsächlich betreiben Institute wie die Fibank oder die Banco Espírito Santo das gleiche Geschäftsmodell wie die 2008 kollabierte isländische Bank Kaupthing: Sie sammeln hierzulande Sparguthaben ein, ohne deutschen Sicherungssystemen anzugehören. Gut 30.000 Menschen zitterten damals um ihr Erspartes, weil die deutsche Einlagensicherung nicht zuständig war und ihr isländisches Pendant zunächst jegliche Zahlungen verweigerte. Erst nach Monaten und nur unter dem Druck der deutschen Bundesregierung floss Geld an die Anleger.

Kaupthing war ein Schock. Doch dieser hielt nicht lange an, wie Daten der Deutschen Bundesbank zeigen: Seit 2011 steigen die Sparguthaben von Privatpersonen bei Banken, die der deutschen Einlagensicherung fernbleiben, wieder drastisch an. Mehr als 60 Milliarden Euro waren es am Ende des vorigen Jahres – und damit rund fünfmal so viel wie zum Zeitpunkt des Bankrotts von Kaupthing. Allein in den vergangenen zwei Jahren stiegen die Einlagen der "neuen Kaupthings" um insgesamt gut 35 Milliarden Euro. Die Sparkassen und Volksbanken konnten im selben Zeitraum jeweils nur um rund 25 Milliarden Euro zulegen.

Angesichts solcher Zahlen stellen sich zwei Fragen. Erstens: Ist das noch Sparen – oder bereits Spekulation? Und zweitens: Was sollen Anleger tun, die eine ordentliche Verzinsung anstreben – aber trotzdem sicherstellen wollen, dass ihre Sparguthaben nicht in Gefahr geraten?

Wer das Phänomen der "neuen Kaupthings" verstehen will, braucht nur die einschlägigen Rankings im Internet zu studieren, die die besten Angebote für Tages- und Festgeld auflisten. Zuletzt boten dort häufig die Fibank und die Banco Espírito Santo die höchsten Zinsen, gefolgt von anderen Instituten, deren Namen die meisten vorher noch nie gehört haben dürften: DenizBank, VTB Direkt oder Bigbank. Die Deutsche Bank, die Postbank oder die Commerzbank sucht man in diesen Ranglisten meist vergebens, ebenso die Sparkassen und Volksbanken. Wer bei Google "Festgeld" und "Vergleich" eingibt, landet nach zwei bis drei Klicks fast automatisch bei den eher exotischen Häusern.

Nun hat es freilich noch nichts mit Zockerei zu tun, sich im Internet nach lukrativen Angeboten für Tages- oder Festgeld umzusehen. Im Gegenteil, die meisten Verbraucherschützer raten ausdrücklich dazu. Es ist legitim und rational, aus seinem Geld mehr machen zu wollen, vor allem seit die Europäische Zentralbank die Zinsen gen null gesenkt hat und Deutschland als sicherstes Land der Euro-Zone mit billigem Geld überhäuft wird. Viele Banken können oder wollen seitdem die Ersparnisse ihrer Kunden nicht mehr hoch verzinsen, vielerorts gibt es für Tages- oder Festgeld nur noch 0,25 Prozent. Zieht man davon die Inflation ab, schrumpfen die Ersparnisse sogar. Im Vergleich dazu wirken Angebote von zwei oder drei Prozent im Jahr mehr als verlockend.