Philip, ich finde es gut, dass die CSU jetzt in Deutschland eine Maut einführen will. Nicht weil das Maut-Konzept von Verkehrsminister Alexander Dobrindt so überzeugend wäre, sondern weil endlich wieder darüber diskutiert wird, wie wir uns den Verkehr der Zukunft vorstellen. Und das ist dringend nötig, denn so, wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen: Die Straßen verfallen, und wer mit dem Auto oder der Bahn fährt, muss immer mehr Geld für Benzin und Fahrkarten ausgeben.

Hier kommt mein Vorschlag: Jeder Deutsche vom Baby bis zum Greis darf alle öffentlichen Verkehrsmittel kostenfrei benutzen. Busse, Bahnen, Fährschiffe: alles zum Nulltarif. Dazu verschicken die Einwohnermeldeämter ein fälschungssicheres Identitätsdokument – nennen wir es die Mobi-Karte – an alle Bundesbürger, das als Fahrausweis dient.

Das Konzept hätte eine ganze Reihe von Vorteilen: Die Umwelt würde geschont, weil mehr Menschen vom Auto auf Busse und Bahnen umsteigen. Es gäbe weniger Staus und Unfälle auf den Straßen, weil der öffentliche Verkehr auf vielen Strecken sicherer und effizienter ist als der individuelle Verkehr. Das schont nicht nur die Nerven, sondern hat enorme volkswirtschaftliche Vorteile, denn durch ungewollte Wartezeiten und Unfallschäden gehen Jahr für Jahr Milliarden verloren.

Zugleich sind enorme Produktivitätsgewinne zu erwarten, wenn auf dem Arbeitsmarkt räumliche Distanzen keine große Rolle mehr spielen. Denn dann würden mehr Arbeitnehmer die Stelle antreten, die am ehesten ihren Fähigkeiten entspricht, und nicht die, die zufällig gerade in der Nähe angeboten wird. Und vielleicht würde auch die Landflucht gestoppt, die die Städte verstopft und die Provinz entleert.

Vor allem aber würde der Nulltarif in einem dezentral organisierten Land, wie Deutschland eines ist, den Alltag erleichtern und den Zusammenhalt der Gesellschaft stärken. Die Bahn würde der Ort, an dem Menschen aus allen Schichten aufeinandertreffen. Auch Geringverdiener könnten sich Ferien am Meer oder in den Alpen leisten oder ein Konzert in der Nachbarstadt besuchen. Es wäre leichter, Freundschaften zu pflegen und Verwandte zu besuchen. Die Deutschen würden mehr unternehmen und ausprobieren. Es wäre eine Verjüngungskur für das ganze Land.

Meine Mobi-Karte brächte den Bundesbürgern mit anderen Worten einen erheblichen Zugewinn an Freiheit und Selbstbestimmung. Man kann sie sich als eine Art zweckgebundenes bedingungsloses Grundeinkommen vorstellen – die Bürger erhalten Anspruch auf eine staatliche Dienstleistung, die ihnen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Das ist in jedem Fall sinnvoller, als den Menschen das Geld einfach so in die Hand zu geben.

Keine Frage: Die Sache kostet Geld. Der Betrieb und die Infrastruktur müssten komplett aus Steuermitteln finanziert werden – und das bedeutet, dass auch jene zahlen, die doch lieber Auto fahren. Und wahrscheinlich müssten noch viel mehr Busse und Bahnen fahren als derzeit, weil mehr Menschen das Angebot wahrnehmen würden.

Aber nichts ist umsonst im Leben, und die Leitfrage muss immer sein, ob das Geld gut angelegt wäre. Ich meine, das wäre es. Dein Mark

Lesen Sie hier die Antwort von Philip Faigle.