Kellnern muss sie jetzt nicht mehr. Jana Felde, Studentin an der Universität Bremen, bekommt seit einem Jahr ein Deutschlandstipendium. 300 Euro im Monat. "Ich bin sehr glücklich darüber", sagt die 22-Jährige, die Summe sei für sie eine große Entlastung. "Ohne das Stipendium müsste ich nebenbei arbeiten und hätte weniger Zeit fürs Studium."

Um Jana Felde das Stipendium zu ermöglichen, muss sich die Uni Bremen ganz schön anstrengen. Denn das Geld dafür kommt nur zur Hälfte vom Bund, die andere Hälfte, also 150 Euro pro Student und Monat, muss die Hochschule von privaten Spendern einwerben. Keine leichte Aufgabe in Bremen. Der Rektor persönlich geht Klinkenputzen bei Unternehmen, eine Mitarbeiterin telefoniert Geldgebern hinterher. Hinzu kommt das Auswahlverfahren. Jährlich bewerben sich bis zu 800 Studenten um rund 150 Stipendien, eine Auswahlkommission sichtet mehrere Tausend Seiten mit Zeugnissen, Motivationsaufsätzen, Empfehlungsschreiben und Nachweisen von sozialem Engagement. "Das Programm ist uns wichtig, wir wollen Studenten unterstützen", sagt Alexa Meyer-Hamme, Referentin für Bildungskooperationen an der Uni Bremen und zuständig für die Akquise der privaten Mittel. "Aber wir haben einen irren Aufwand damit." Intern werde daher immer wieder kritisch diskutiert, ob man sich das in der Form weiterhin leisten könne.

"Es wird jedes Jahr schwieriger, Geld einzuwerben", sagt Meyer-Hamme, "wir Hochschulen graben uns in der Region alle gegenseitig das Wasser ab." Schon jetzt schafft es die Uni Bremen nicht, das ihr zugeteilte Kontingent von Deutschlandstipendien auszuschöpfen. So geht es den meisten Hochschulen bundesweit. Es lässt sich einfach zu wenig privates Geld auftreiben.

Selbst Eliteuniversitäten werben nur Geld für 25 Stipendiaten ein

In Deutschland gibt es keine besonders ausgeprägte Spendenkultur wie etwa in den USA. Bildung gilt hierzulande als Sache des Staates, und mit einer Bestenauslese von Studenten tut man sich auch schwer. Die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wollte das ändern, als sie 2011 das Deutschlandstipendium einführte. Sie wollte eine Stipendienkultur aufbauen, Staat und Wirtschaft sollten gemeinsam in leistungsstarke Studenten investieren. An sich ein guter Gedanke.

Heute muss man sagen: Das ist nicht gelungen. Das Deutschlandstipendium ist eine teure Fehlsteuerung. Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis zueinander. Es wäre sinnvoller, von dem Geld zusätzliche Tutoren zu bezahlen, um die Studienbedingungen für alle zu verbessern, als weiter mit übermäßigem Einsatz Geld für einzelne Studenten einzusammeln.

Drei Jahre nach dem Start des Programms erhalten 19.700 Studierende ein solches Stipendium, das sind genau 0,76 Prozent aller Studenten. Im Gesetz vorgesehen war für diesen Zeitpunkt eine doppelt so hohe Zahl, nämlich 1,5 Prozent. Doch nicht einmal mehr die Regierung glaubt daran, dass das ursprüngliche Ziel von 8 Prozent jemals erreicht werden kann. Im Koalitionsvertrag ist nur noch die Rede von 2 Prozent, bis 2017. Und selbst das ist für einen Großteil der Hochschulen nur schwer zu erreichen.

Bis heute machen etwa 120 der Hochschulen gar nicht mit, und von denjenigen, die sich am Programm beteiligen, schaffen knapp 40 Prozent es nicht, ihr Kontingent zu erfüllen. Die Uni Konstanz etwa, eine von zehn Exzellenzuniversitäten, hatte im vergangenen Jahr lediglich 25 Stipendiaten. Die FU Berlin, bundesweit eine der größten Unis, hatte 64, die Uni Bonn 45. Sicher, es gibt auch andere, wie etwa die Frankfurter Goethe-Uni, die 867 Stipendien vergeben konnte, oder die Uni Duisburg-Essen mit 527. Doch ein Blick in die aktuelle Statistik zeigt: In der Breite konnte sich das Programm bislang nicht durchsetzen – und wird es wohl auch nicht mehr.