DIE ZEIT: Herr Witt, Sie haben Sciencestarter im Herbst 2012 gegründet, seitdem wurden auf der Plattform 26 wissenschaftliche Projekte finanziell unterstützt. Aktuell sind nur acht Projekte aktiv. Das ist doch recht überschaubar. Woran liegt das?

Thorsten Witt: Wir machen alles richtig, aber das Konzept ist einfach noch sehr neu. Zwar hat jeder von Crowdfunding gehört, im Zusammenhang mit Wissenschaft jedoch kaum. Die wissenschaftliche Community war ebenfalls zurückhaltend. Forschung in der Öffentlichkeit ist ungewöhnlich. Doch unsere bisherige Erfolgsquote von knapp über 60 Prozent zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

ZEIT: Wer genau gehört denn zur Zielgruppe von Sciencestarter?

Witt: Die Plattform ist für jeden offen, vor allem wollen wir aber junge Leute aus dem akademischen Umfeld ansprechen, junge Wissenschaftler und Doktoranden.

ZEIT: Letztere scheinen sich aber nicht angesprochen zu fühlen, derzeit stammen nur zwei der Projekte, die auf Ihrer Webseite zur Unterstützung angeboten werden, von Doktoranden.

Witt: Wir hoffen auf mehr Zulauf. Deshalb versuchen wir, auf Veranstaltungen und Social-Media-Plattformen Doktoranden anzusprechen, aber auch Bachelor- und Masterstudenten.

ZEIT: Das deutschlandweite Promovierenden-Netzwerk Thesis berät Doktoranden über die verschiedenen Wege der Finanzierung einer Dissertation. Von Ihrer Plattform hat dort bislang noch niemand gehört.

Witt: Das überrascht mich. Da ist wohl weitere Kommunikation nötig. Es wäre schön, wenn das Netzwerk uns weiterempfehlen würde.

ZEIT: Thesis rät davon ab, eine Dissertation per Crowdfunding zu finanzieren, es sei unwahrscheinlich, ausreichend Unterstützer zu finden. Ein berechtigter Zweifel?

Witt: Wir werben ja nicht damit, dass sich Promovierende ihr Grundeinkommen für jahrelanges Schreiben an der Arbeit finanzieren können. Wer aber ein spannendes Projekt plant und dafür Geldmittel für Reise, Utensilien und Mitarbeiter braucht, der kann hier fündig werden. Das belegt eben auch unsere bisherige Erfolgsquote von über 60 Prozent. Sciencestarter ist nicht als Konkurrenz oder gar Ersatz zu herkömmlicher Förderung zu verstehen, sondern als eine Ergänzung.

ZEIT: Ihr US-Pendant namens Experiment scheint keine derartigen Probleme zu haben, dort werben aktuell 185 Projekte um finanzielle Unterstützung. Was genau macht die Konkurrenz in Übersee besser?

Witt: Solche Plattformen gab es in den USA schon vorher, und sie hatten durchschnittlich den gleichen Zulauf wie wir. Experiment hat sie verdrängt und stieg dank Risikokapital mit immensem Budget, vor allem für Marketing, ein. Außerdem verlangen sie bei Erfolg auch Gebühren. Wir dagegen sind eine gemeinnützige Plattform mit wenig Budget, dafür aber ohne Gebühren. Deshalb sind wir zufrieden, wenn wir konstant 15 bis 20 laufende Projekte bei gleichbleibender Erfolgsquote haben.

ZEIT: Warum sollten Promovierende überhaupt den Schritt wagen, für ein Projekt in der Öffentlichkeit Geld zu sammeln?

Witt: Der Vorteil ist, dass Crowdfunding eine realistische Möglichkeit ist, sich Teile seiner Forschungsarbeit zu finanzieren, abseits von seitenlangen Anträgen. Das online gestellte Projekt hat maximal drei Monate lang Zeit, das Geld aufzutreiben, das Ergebnis erfolgt somit um einiges schneller und macht Forschung planbarer.