Alles begann vor ungefähr fünf Wochen, am 12. Juni, als drei junge Israelis, die nach Hause trampten, entführt und von Hamas ermordet wurden. Einer von ihnen schaffte es noch, die Polizei anzurufen, und dieses Gespräch, das einen erschauern lässt, wurde aufgenommen und verewigte das Geräusch der Schüsse auf dem Rücksitz und das unterdrückte, schmerzerfüllte Stöhnen des Jungen in der letzten Minute seines Lebens.

Nein, alles begann vor über 100 Jahren, Anfang des 20. Jahrhunderts, als mein Großvater und meine Großmutter, beide 18 Jahre alt, mit anderen Pionieren hier ankamen. Sie hatten Russland und die Pogrome hinter sich gelassen, um sich hier, in Eretz Israel, der alten jüdischen Bevölkerung anzuschließen und einen Staat für die Juden zu gründen. Sie, die Einwanderer, die vor ihnen gekommen waren, hatten hier ein dünn besiedeltes Land vorgefunden und ließen sich in leeren und verödeten Gebieten in der Küstenebene nieder, in der Jesreel-Ebene und im Jordantal. So hat der Schriftsteller Mark Twain das Heilige Land beschrieben, als er es 1867 besuchte, vor der ersten zionistischen Besiedlung: "Palästina ist in Sack und Asche gehüllt. Über ihm brütet der Bann eines Fluches, der seine Felder verdorren ließ und seine Tatkraft gefesselt hat ... Palästina ist öde und hässlich ... Palästina gehört nicht zu dieser Werktagswelt – es ist der Poesie und der Tradition geweiht, es ist ein Traumland."

Nein, alles fing 1947 an, als die UN die Teilung des Landes in zwei Staaten beschlossen, einen jüdischen und einen arabischen. Obwohl das jüdische Gebiet kleiner war und zum größten Teil Wüste, wurde die Teilung von der jüdischen Bevölkerung von Eretz Israel mit Freuden akzeptiert. Aber die arabische Bevölkerung, die in jenem halben Jahrhundert sehr zugenommen hatte – wegen der besser werdenden Lebensbedingungen und Verdienstmöglichkeiten waren zusätzlich Araber aus Syrien, dem Libanon, Jordanien und sogar aus dem Sudan und Marokko ins Land geströmt –, lehnte die Teilung entschieden ab. Die Araber fingen an, überall im Land die jüdischen Siedlungen anzugreifen, Angriffe, die eskalierten und zum Unabhängigkeitskrieg 1948 führten. In diesem Krieg kämpften auch Armeen aus Ägypten, Syrien, Jordanien, dem Irak und dem Libanon an der Seite der palästinensischen Araber, die hofften, das ganze Land zu bekommen.

In diesem Krieg starb ein Prozent der jüdischen Bevölkerung, unter ihnen der erste Ehemann meiner Mutter, ein Überlebender der Schoah aus Ungarn. Wieder und wieder hat mir meine Mutter von jenem schrecklichen Tag ihres Lebens erzählt – wie die feindlichen Flugzeuge über dem Kibbuz kreisten, den ihre Eltern in ihrer Jugend mitgegründet hatten –, wie sie die syrischen Panzer die Golanhöhen ins Jordantal herunterfahren sah, Sie pflegte Verwundete im Krankenhaus in Tiberias, und dort erfuhr sie, dass die meisten ihrer Klassenkameraden in den Kämpfen gefallen waren, bis einer der Verwundeten, der gerade gekommen war, ihr mitteilte, dass auch ihr Mann gefallen war. Sie war damals schwanger, und ein paar Stunden später hatte sie vor Kummer eine Fehlgeburt, und die Ausschabung musste sie natürlich ohne Narkose durchstehen, weil das wenige Morphium für die Verwundeten aufgehoben werden musste. Schließlich ging der Krieg mit einer Niederlage der arabischen Staaten und Hunderttausenden palästinensischen Flüchtlingen zu Ende, deren Nachkommen den Preis für die Weigerung, die Teilung des Landes zu akzeptieren, bis heute zahlen. Und nicht nur sie – auch wir.

Nein, alles hat 1967 angefangen, 100 Jahre nach dem Besuch Mark Twains, als das junge, winzige Land, das Juden aus den Flüchtlingslagern Europas einerseits und den arabischen Ländern anderseits aufgenommen hatte und versuchte, sich in einer feindlichen muslimischen Umgebung zu behaupten, erneut in einen Krieg zog, als Folge einer schrecklichen Bedrohung der eigenen Sicherheit, und auch diesen Krieg gewann und besiedelte Gebiete besetzte, die zu Jordanien, zu Ägypten und zu Syrien gehört hatten. Ich war damals siebeneinhalb Jahre alt und erinnere mich gut an die Tage, an denen wir im Luftschutzkeller saßen und voller Angst die Granaten und Explosionen hörten. Schließlich verließen wir den Luftschutzkeller mit dem Gefühl großer Erleichterung, doch dann fing die Besatzung an, und danach kamen die jüdischen Siedlungen, alles, was in der Welt heutzutage vereinfacht als die Wurzel des Problems bezeichnet wird, was aber nichts anderes ist als die schmerzhafte Komplikation eines viel älteren Szenarios.

Ich könnte dieser Geschichte natürlich noch viele weitere Kapitel hinzufügen, die alle auf tragische Weise durch eine Kette von Versäumnissen und Fehlern verbunden sind, von Hoffnungen und Enttäuschungen, aber spielt es überhaupt eine Rolle, wann alles angefangen hat? Die entscheidende Frage, die sich uns stellt, ist nicht, wann der Konflikt begonnen hat, sondern wann er zu Ende sein wird, wenn überhaupt. Nicht wer die Schuld daran trägt, dass er angefangen hat, sondern wer ihn beenden kann. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Anfang des Konflikts und seiner zukünftigen Lösung?

Manchmal denke ich traurig, dass es so ist, schließlich hat der Konflikt lange vor der Besatzung und vor den jüdischen Siedlungen angefangen, wie könnte man dann hoffen, dass er aufhört, wenn endlich die Besatzung aufhört und die Siedlungen aufgelöst werden. Solange die Palästinenser nicht bereit sind, die Anwesenheit der Juden in Eretz Israel zu akzeptieren, wird es keinen Frieden geben.