DIE ZEIT: Herr Professor Kreilkamp, es heißt, dass Nord- und Ostsee wieder hip sind. Kann die Forschung das bestätigen?

Edgar Kreilkamp: Auf alle Fälle. Aber es war ein schwerer Weg. Die deutschen Küsten stehen schließlich im Wettbewerb zu Spanien, Frankreich oder der Türkei. Die Touristen haben von dort ganz andere Ansprüche mitgebracht. Vor allem die Hotels waren besser ausgestattet. Da mussten die Deutschen nachbessern. Inzwischen haben wir aber eine super Qualität.

ZEIT: Warum hat es so lange gedauert?

Kreilkamp: Gerade an den westdeutschen Küsten hat lange niemand investiert. Das lag an der Wiedervereinigung: Im Osten gab es riesigen Nachholbedarf und enorme Fördermittel, also sind über Jahre alle Gelder in die neuen Bundesländer geflossen. Das hat sich jetzt geändert. Zuletzt wurde wieder viel im ehemaligen Westen investiert – das tut den Orten gut.

ZEIT: Woran kann man das festmachen?

Kreilkamp: Viele sind bis heute vor allem ideale Urlaubsorte für Familien. Es gibt aber immer weniger Kinder, immer weniger Familien. Außerdem konzentriert sich Familienurlaub stark auf die Schulferien. Neue Zielgruppen, vor allem Paare, müssen angesprochen werden. Das ist ein gnadenloses Rennen: Wer jetzt kein Geld in die Hand nimmt, verliert.

ZEIT: Die Urlaubsorte sind demnach gezwungen, in einen schrumpfenden Markt zu investieren.

Kreilkamp: Zumindest in einen stagnierenden. Mehr als diejenigen, die heute Haupturlaub machen, können es gar nicht mehr werden. Und auch der Kurzurlaub nimmt, obwohl oft anderes behauptet wird, nur in den Städten zu. Wachstum könnte von ausländischen Urlaubern kommen. Aber die werden den Rückgang nicht ausgleichen können.

ZEIT: Und wie entkommt man diesem Dilemma?

Kreilkamp: Sich mehr auf eine Zielgruppe zu konzentrieren wäre sinnvoll. Zum Beispiel haben wir heute einen höheren Anteil älterer Bürger. Die wollen keine 40 Grad an der Mittelmeerküste. Da ist die deutsche Küste durchaus eine Alternative. Aber viele Orte oder Hoteliers trauen sich nicht, sich zu spezialisieren, um endlich vom Saisontourismus wegzukommen. Es herrscht immer noch die Einstellung: Wir sind für alle da. Ausnahme ist vor allem Sylt, hier funktioniert der Tourismus das ganze Jahr über.