Schwere Merkava-Kampfpanzer rollen gegen leicht bewaffnete Kämpfer. Drohnen vom Typ Heron-TP, Kriegsschiffe und F-16-Kampfjets beschießen zusammengeschweißte Raketenrampen, Tunnelanlagen und kleine Waffenschmieden. Israels Hightecharmee kämpft seit Wochen mit modernem Kriegsgerät aus eigener und ausländischer Produktion gegen Hamas mit ihren selbst gebauten und eingeschmuggelten Waffen.

Mehr als eintausend Tote sind in diesem ungleichen Kampf bislang zu beklagen. Doch woher kommen eigentlich die Waffen? Und wer profitiert von dem blutigen Krieg?

Die israelische Armee wird von der heimischen Rüstungsindustrie für Missionen wie die in Gaza ausgerüstet. Israelische Unternehmen haben sich auf Waffen für den Kampf gegen Terroristen und Aufständische spezialisiert. Sie profitieren somit von der aktuellen Operation "Schutzlinie". Und die Industrie nutzt den Gazakonflikt gezielt für ihr Marketing: Auf internationalen Rüstungsmessen preisen israelische Waffenbauer ihre Panzer, Gewehre und Drohnen als kriegserprobt und bewährt an.

Vom "Labor Gaza" spricht deswegen der israelische Filmemacher und Journalist Yotam Feldman. Er stellte im vergangenen Jahr seine Dokumentation The Lab über die israelischen Einsätze im Gazastreifen vor. Feldman zeigt, wie die Kriege gegen Hamas zu ständig neuen Aufträgen für die israelischen Rüstungsunternehmen führen. Zum einen investiert die israelische Regierung selbst Milliarden in die Aufrüstung. Zum anderen ist auch das Ausland an der Militärtechnik interessiert. "Seit dem 11. September kauft alle Welt bei uns", sagt ein israelischer Offizier im Film, "weil unsere Waffen und Systeme alle schon getestet sind."

Die Geschosse von Hamas fliegen bis zu 125 Kilometer weit

Das Internationale Zentrum für Konversion aus Bonn, ein Thinktank der Friedens- und Konfliktforschung, führt Israel auf Platz eins seines "Globalen Militarisierungsindex". Die Wissenschaftler vergleichen für diesen Index unter anderem das Verhältnis von Militärausgaben zum Bruttoinlandsprodukt und die Anzahl von Soldaten sowie schwerer Waffen zur Gesamtbevölkerung. Ihr Fazit: Nirgendwo in der Welt wird prozentual so massiv in die Armee investiert wie in Israel – und im Nahen Osten insgesamt.

Die Palästinenser spielen in der Statistik zwar keine Rolle. Denn erstens wird der Gazastreifen nicht als Staat anerkannt. Und zweitens läuft das Aufrüsten von Hamas über dunkle, für Wissenschaftler nicht messbare Kanäle. Doch fest steht, dass der Iran und Syrien in der Vergangenheit Hamas mit Waffen beliefert haben. Gerüchten zufolge soll auch Nordkorea zu den Lieferanten gehören. Die israelische Armee geht davon aus, dass Hamas über 6.000 Raketen verfügt – sie sind ihre wichtigsten Waffen.

Auf einer Verkehrsinsel in Gazastadt hat Hamas den Raketen ein Denkmal errichtet: Es zeigt eine M-75 vor einer Karte Israels. Dieser Raketentyp stammt aus dem Iran, heißt dort Fadschr-5 und wurde ursprünglich in China entwickelt. Mit der M-75 kann Hamas Ziele in bis zu 75 Kilometer Entfernung attackieren. Doch in ihrem Waffenarsenal finden sich noch schwerere Waffen. Mit M-302-Raketen aus syrischer Produktion lassen sich weite Teile Israels angreifen. Jerusalem und Tel Aviv wurden bereits im November 2012 beschossen, nun gilt selbst Haifa ganz im Norden des Landes nicht mehr als sicher. Hamas meldete jüngst einen neuen Rekord: 125 Kilometer weit raste eines ihrer Geschosse.

Hamas produziert auch selber Kriegsgerät. In Waffenmanufakturen, die in Wohnhäusern oder Bunkern versteckt sind, bauen Arbeiter Raketen zusammen, stellen Sprengfallen und Munition her. So entstehen etwa Geschosse vom Typ Kassam – aus Metallrohren, einem aus Dünger, Diesel und Chemikalien gemischten Sprengstoff sowie primitiven Zündern. Zwischen 200 und 500 Dollar kostet der Bau einer Kassam. Mit ihnen beschießen radikale Gruppen immer wieder die Städte Sderot, Ashkelon und Ofakim. Eine etwas größere Reichweite haben Raketen vom Typ Grad. Diese Rakete wurde in den 1960er Jahren in der Sowjetunion entwickelt und wird von Hamas nachgebaut.

Mehr als 2.500 verschiedene Raketen feuerte Hamas in den vergangenen vier Wochen ab. Israel versucht sich dagegen mit einem modernen Abwehrsystem zu schützen. Iron Dome ("Eiserne Kuppel") taufte Israel seine 2011 eingeführte Luftverteidigung. Das System besteht aus einem Spezialtransporter, Radarsystem, Kontrollzentrum und einer Raketenbatterie. Im Gegensatz zu den Konkurrenzprodukten aus den USA, China und Europa hat Iron Dome sich unter Gefechtsbedingungen bewährt und das Interesse möglicher Käufer geweckt.