Der König trägt knatschgelbe Badeshorts und Latschen von Nike. Sein T-Shirt glitzert türkisfarben, und in seinen Ohren glänzen zwei Brillis. Der Name des Königs ist Milan Micic. "Micic gesprochen wie Mitschitsch", sagt er seinen Bürgern am Telefon. Er ist ein junger Regent, erst 29 Jahre alt. Und sein Reich, das sich wie ein L über das Land streckt, vier Hektar groß, ist in den Sommermonaten ein fruchtbares Land. Campingplatz Seepferdchen, Scharbeutz, 500 Meter vor der Ostseeküste.

Milan Micic ist Herrscher eines Volks, das nicht in Wohnungen und Häusern lebt, sondern in Zelten und Wohnwagen, in Wohnmobilen und Bungalows. Und sein Volk der Camper liebt ihn, weil er ihm das Heil gebracht hat: ein renoviertes Toilettenhaus. Strahlend weiße Fassade, strahlend weiße Klobrillen, strahlend weiße Waschbecken, grüne Palmen vor der Tür. Wenn Milan Micic über seinen Platz läuft, mit schlappenden Latschen, feiern ihn seine Camper: dafür, dass er diesen vormals verwahrlosten Platz übernommen hat, dafür, dass er jätet und abreißt, dass er Platten verlegt und Duschen baut, aus denen warmes Wasser fließt.

"Da sind ja unsere Alterspräsidenten", sagt Milan und stoppt an einem Zaun, dunkelgrün gestrichen, dahinter feinster Rollrasen, hellgrün. Reich der Dauercamper.

"Da ist ja unser Retter", sagt Horst und schlägt mit der Hand ein.