Letzte Woche hatten mich die Bewohner von Tekoa, einer Siedlung im Westjordanland, eingeladen, bei ihnen über meinen Roman Auf fremdem Land zu sprechen. Darin geht es um eine fiktive jüdische Siedlung, nicht unähnlich ihrer eigenen, mit ihrer Palette von Charakteren und ihren Beziehungen zu den Palästinensern, dem Militär, den Medien, den Politikern.

Es war ein erfreulicher Abend. Einige äußerten Kritik an dem, wie sie als stereotype Porträts "rechter Siedler" durch einen "linken Tel Aviver Autor" sahen, aber die meisten fanden den Roman ehrlich, treffend und nicht von einer politischen Agenda bestimmt. Wir versuchten, Politik zu vermeiden. Doch dann fragte der Gastgeber mich, der sich zweifelsfrei bemüht hatte, Siedler und ihre Motive kennenzulernen, nach meiner Meinung. Ich sagte: "Ich finde, dass die Siedlungen ein Problem sind." Glucksen im Saal. "Warten Sie ein paar Tage", sagte einer, "noch ein paar Raketen auf Tel Aviv, und alle sind überzeugt."

"Aber darum geht es", antwortete ich: "Was immer geschieht, es führt nur dazu, dass jeder noch mehr von seiner Meinung überzeugt ist. Sie sagen: ›Wir können den Palästinensern nicht trauen, sie wollen uns umbringen, man kann ihnen keine Selbstverwaltung erlauben, weil sie dann Waffen anhäufen und Angriffe vorbereiten.‹ Und wir sagen: ›Wir sind verantwortlich, weil wir die Stärkeren sind. Wir nehmen den Palästinensern unablässig die Hoffnung, lassen ihnen keine andere Wahl, als sich der Gewalt zuzuwenden. Wir versuchen es nicht entschieden genug mit Diplomatie. Krieg und Gewalt sind nie die Lösung.‹ "

Ich weiß nicht, was deprimierender ist, die aktuelle Situation mit Schrecken, Tod und Zerstörung, Leichen oder die Tatsache, dass es keinen Weg zu geben scheint, diesen Teufelskreis zu durchbrechen – nichts, was passiert, führt dazu, dass irgendwer sich bewegt. Jeder gräbt sich tiefer ein, klammert sich noch fester an seine Meinung. Wenn ich meine Gesellschaft betrachte, ist mir im letzten Monat nur Gerede begegnet: im Fernsehen, im Radio, auf Facebook, in der Warteschlange im Supermarkt. Endlose Wiederholungen der gleichen Meinungen. Kein Ansatz eines Durchbruchs.

Vor 25 Jahren, während der ersten Intifada, war ich als Soldat in Gaza. Wir patrouillierten in der Stadt, den Dörfern, den Flüchtlingslagern und trafen auf wütende Jugendliche, die uns mit Steinen bewarfen. Wir antworteten mit Tränengas und Gummigeschossen. Nun erscheinen diese Tage wie die gute alte, unschuldige Zeit. Seither beobachte ich eine ständige Eskalation. Steine wurden ersetzt durch Gewehre und Selbstmordbomben, nun durch Raketen und Milizen. Für mich lässt sich das leicht erklären – Israel setzte überwiegend Gewalt ein, machte keinen ernsthaften Versuch, ein faires Abkommen zu erzielen, und traf auf einen zunehmenden Widerstand. Ich sehe auch die hundertjährige Komplexität, die vielen Facetten. Ich schreibe Romane, das ist meine Art, tiefer zu graben und die vielen Schichten und Facetten dieser Realität offenzulegen.

Ich sah mich um in dem Saal in der Siedlung Tekoa, die nur 15 Kilometer von der Stelle entfernt liegt, wo eineinhalb Monate zuvor, am 12. Juni, am selben Abend, an dem die Fußballweltmeisterschaft begann, drei junge Siedler ermordet wurden, wodurch jene Ereignisse ausgelöst wurden, die zum Krieg eskalierten – und dachte an die Art und Weise, wie sich die interne Diskussion in der israelischen Gesellschaft entwickelt hat.