Die Frage ist nicht zu verwechseln mit einer, die ich an dieser Stelle in der ZEIT Nr. 15/04 beantwortet habe: Damals ging es darum, ob man beim schnellen Joggen in der gleichen Zeit mehr Fett abbaut als beim langsamen – und das ist natürlich der Fall. Man legt dann ja im schnellen Tempo eine längere Strecke zurück und braucht selbstverständlich mehr Energie.

Nun geht es aber um die gleiche Strecke. Sollte da der Energieverbrauch nicht in etwa gleich sein? Man misst ja auch den Verbrauch eines Autos in Litern pro 100 Kilometer. Allerdings hängt dieser Wert auch beim Auto vom Tempo ab. Das liegt nicht nur am zunehmenden Luftwiderstand – der Motor arbeitet einfach bei Tempo 80 oder 90 am effektivsten, der Raser verbraucht mehr.

Beim Menschen sind die Fortbewegungsstile ebenfalls unterschiedlich effektiv. Geht er, ist immer ein Fuß auf dem Boden, während er beim Laufen ständig springt. Der Körperschwerpunkt hüpft also auf und ab, wofür physikalisch gesprochen eine Menge Arbeit geleistet werden muss. Und natürlich schlägt das Herz weitaus schneller als beim Gehen.

So weit die Theorie – die Sache ist aber auch praktisch gemessen worden. Forscher der Syracuse University im US-Bundesstaat New York ließen im Jahr 2004 Männer und Frauen auf einem Laufband und auf einer Laufstrecke eine Distanz von 1.600 Metern mal laufend, mal gehend zurücklegen. Ihr Ergebnis: Beide Geschlechter verbrauchten für dieselbe Strecke laufend etwa 40 Prozent mehr Energie als gehend.

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Dieses Ergebnis spiegelt aber noch nicht den ganzen Unterschied wider. Denn auch wenn die Probanden sitzen geblieben wären, hätten sie eine gewisse Grundenergie verbraucht. Um tatsächlich den Effekt der sportlichen Betätigung zu messen, muss man diese Grundenergie abziehen. Weil das Gehen insgesamt länger dauerte, war dort der Abzug größer. Und so war der Zusatzaufwand fürs Gehen auf der gleichen Strecke nur halb so hoch wie fürs Laufen. Anders gesagt: Man muss etwa die doppelte Strecke gehen, um denselben sportlichen Effekt zu haben wie beim Laufen – und braucht dafür dann etwa vier Mal so lange.

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