Peter Buffett bei einer Veranstaltung in New York (Archivbild vom Mai 2013) © Eugene Gologursky/Getty Images

Peter Buffett ist von Beruf Sohn. Sein Vater, der Finanzier Warren Buffett, ist mit einem Vermögen von derzeit 62 Milliarden Dollar einer der reichsten Männer der Welt. Auf den ersten Blick erfüllt Buffett junior auch alle Klischees eines reichen Erben. Sein Büro liegt 33 Stockwerke über der New Yorker Nobelmeile Fifth Avenue, unweit vom Rockefeller Center. Aus seinem Fenster blickt er auf Häuserschluchten und Wolkenkratzer von Banken und Konzernen. Von hier aus gibt er das Geld seines Vaters mit vollen Händen aus.

Was nicht so recht ins Bild passt, ist das Cello in der Ecke. Buffett, 56 Jahre, graue Mähne, knittriger Blazer, Leder-Mokassins, sieht aus wie der Leader einer alternativen Rockband. Und ist es auch. Das Vermögen seines Vaters gibt er dafür aus, genau jenes System auszuhebeln, das diesen so erfolgreich gemacht hat. Peter Buffett ist angetreten, um den Kapitalismus zu reformieren.

In Peter Buffetts Leben gibt es ein Vorher und ein Nachher. Dazwischen liegt der "große Knall", wie er es ausdrückt. Zum Vorher gehört seine Kindheit und Jugend in den sechziger und siebziger Jahren, die zunächst, wie er sagt, weitgehend unberührt von den Milliarden des Vaters verlaufen sei. "Ich bin in eine ganz normale öffentliche Schule gegangen, hatte denselben Englischlehrer wie meine Mutter", erzählt er. Wenn sich sein Elternhaus im konservativen Omaha im Bundesstaat Nebraska von dem seiner Schulkameraden unterschied, dann dadurch, dass es die Bürgerrechtsbewegung unterstützte und seine Mutter sich für Frauenrechte engagierte.

Doch dann holte Buffett das Geld seines Vaters ein, zumindest ein bisschen. Mit 19 Jahren bekam der Sohn 90.000 Dollar, eine überschaubare Summe angesichts des Milliardenvermögens des Vaters. Mehr würde es nicht geben, so jedenfalls verstand es Peter zu der Zeit. Er verwendete das Geld, um Musiker zu werden. Und begann, als Produzent zu arbeiten. Er schrieb die Musik zu der berühmten Feuer-Szene in Kevin Costners Indianerdrama Der mit dem Wolf tanzt. 1999 gewann er einen Emmy für den Soundtrack zu einem Dokumentarfilm. Es hätte so weitergehen können – eine Karriere zwischen künstlerischem Anspruch und kommerzieller Notwendigkeit.

Aber dann wird Peter Buffett unverhofft Milliardär. Im Juni 2006 kündigt sein Vater an, den größten Teil seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. Er glaube nicht ans Vererben oder, wie er es ausdrückt, an "die glücklichen Gewinner der Spermienlotterie". Über seine Kinder – Peter ist das jüngste der drei Geschwister – sagt er: "Sie hatten bereits einen gigantischen Vorsprung in einer Gesellschaft, die vorgibt, Wohlstand und Erfolg nach Leistung zu verteilen. Dynastische Megavermögen würden die Wettbewerbsbedingungen noch weiter verzerren." Den größten Teil seiner Milliarden gibt Warren Buffett deshalb an die Stiftung seines Freundes, des Microsoft-Gründers Bill Gates. Doch eine Milliarde Dollar schenkt er Peter Buffett und seiner Frau Jennifer. Die Schenkung knüpft er an die Bedingung, sie für gemeinnützige Projekte zu verwenden. Das ist der "große Knall" im Leben des Peter Buffett.

Buffett und seine Frau gründen Novo, eine gemeinnützige Stiftung mit dem Ziel, einen "globalen Wandel der Gesellschaft von einer Kultur der Unterdrückung in eine Kultur der Gleichheit und der Zusammenarbeit" herbeizuführen. Sie unterstützt etwa eine Initiative von Erntehelfern aus Florida, die sich gegen die brutalen Arbeitsbedingungen auf den Tomatenfeldern wehrt. Mithilfe von Novo schaffen es die Arbeiter, große Abnehmer wie Wal-Mart, McDonald’s und Burger King dazu zu bringen, nur Tomaten einzukaufen, deren Produzenten sich zu besseren Arbeitsbedingungen und einer fairen Bezahlung verpflichtet haben.

Mit seiner Kritik am "Kolonialismus" der Mäzene löst er eine Debatte aus

Peter Buffett wird häufig mit John D. Rockefeller verglichen, dem Erben des Öl-Tycoons, der sein Leben mit der Verteilung von Spenden verbrachte. Viele Erben der amerikanischen Geldaristokratie hätten ein schlechtes Gewissen, sagt der Wirtschaftshistoriker John Steele Gordon. "Wohltätigkeit ist das Nebenprodukt des amerikanischen Kapitalismus."

Doch Buffett und seiner Frau fällt es schwer, sich in der Welt der großen Non-Profit-Organisationen zurechtzufinden. Im Zirkel der New Yorker Geldelite, die sich bei nächtlichen Partys im ägyptischen Tempel des Metropolitan Museum vergnügt oder in Gala-Garderobe unter den Kronleuchtern des Ballsaals im Hotel Pierre speist – alles für einen guten Zweck, versteht sich –, fühlen sich die beiden fremd. "Wir konnten nicht so recht verstehen, warum diese Leute so viel Aufhebens um uns machten. Unser Nachname, unser bloßes Erscheinen war genug, um sie in Begeisterung zu versetzen", sagt Buffett heute.

Bei Buffett staut sich ein Unbehagen an, das er zunächst nur musikalisch ausdrücken kann. "Erst war es ein Lied", sagt er. Vergangenen Sommer dann schreibt er seine Gedanken in einem Kommentar für die New York Times auf. Schon die Überschrift ist eine Provokation: "Der wohltätigkeitsindustrielle Komplex" – in Anlehnung an den militärisch-industriellen Komplex, der den übermäßigen Einfluss der Rüstungsindustrie auf die Politik beschreibt, vor dem Präsident Dwight Eisenhower einst gewarnt hatte.