DIE ZEIT: Frau Braasch-Eggert, stimmt es, dass eine Jugendherberge der einzige Ort der Welt ist, wo es immer Hagebuttentee gibt?

Angela Braasch-Eggert: Hagebutten- und Pfefferminztee aus der Blechkanne, so war das früher. Damals war Kaffee ja noch teuer, der wurde nur an Gruppenleiter ausgegeben. Heute gibt es viele andere Teesorten, die Blechkanne ist überall abgeschafft.

ZEIT: Muss jeder Gast immer noch den Tisch abdecken und abwischen?

Braasch-Eggert: Das erwarten wir.

ZEIT: Sie halten auch noch am Prinzip Doppelstockbett fest?

Braasch-Eggert: Angela Als vor etwas mehr als 100 Jahren die erste Jugendherberge in Deutschland eröffnet wurde, gab es noch dreistöckige Betten mit Bettverlängerungsschienen für Übergroße. Das ist Geschichte. Mittlerweile stehen in den Herbergen normale Betten und Doppelstockbetten. Für Gruppen sind die oft ganz praktisch.

ZEIT: Sie sind nun für mehr als 4000 Jugendherbergen weltweit zuständig. In wie vielen von denen haben Sie schon übernachtet?

Braasch-Eggert: Mehr als 20 oder 30 sind es wohl. Die genaue Anzahl habe ich nicht im Kopf. Aber in Kanada, den USA, Bolivien, Chile, China, Korea, Japan, Indien, Tunesien, Marokko, Libyen und in fast allen europäischen Ländern war ich bereits. Und natürlich in Hamburg, meiner Heimatstadt.

ZEIT: Sie wissen, was jetzt kommt.

Braasch-Eggert: Die Hamburger Jugendherberge ist die schönste.

ZEIT: Danke. Und wie sieht es mit den Jugendlichen aus? Die sind heutzutage fast immer mit dem Smartphone online. Sollte eine Jugendherberge das mitmachen?

Braasch-Eggert: Die Herbergen müssen sich mit der Jugend wandeln. Das passiert weltweit. In den großen Städten haben alle unsere Häuser einen WLAN-Zugang. In New York und in der Schweiz gibt es in jedem Zimmer Internet.

ZEIT: Chatten im Doppelstockbett?

Braasch-Eggert: In Deutschland sind wir eher der Ansicht, dass die Gäste in den Zimmern miteinander sprechen und die Gemeinschaft erleben sollten. Zum Surfen kann man zum Hotspot in den Gruppenraum gehen. In kleineren Herbergen, wie beispielsweise in Inzmühlen in der Lüneburger Heide, haben wir derzeit noch gar kein WLAN. Dort sind vor allem kleinere Schulkinder zu Gast, ganz andere Besucher als direkt in Hamburg, wo junge Leute aus der ganzen Welt übernachten.

ZEIT: Wie unterscheidet sich eine Jugendherberge eigentlich von einem Hotel oder Hostel?

Braasch-Eggert: Im Hotel werden sie zum Frühstück oft Menschen sehen, die alleine an einem Tisch sitzen. Bei uns soll man sich begegnen.

ZEIT: Alleine essen ist schlimm.

Braasch-Eggert: Wer in eine Herberge zum Essen kommt, setzt sich nicht an den einzigen leeren Tisch. Die Gemeinschaft erleben, das ist unser Motto.

ZEIT: Klingt nach einem Besuch im Hostel.

Braasch-Eggert: Da ist auch kein großer Unterschied vorhanden, besonders in den Städten. Im Stintfang hier in Hamburg gehen Backpacker ein und aus wie in einem Hostel. Unsere 535 Herbergen in Deutschland verteilen sich aber in ganz Deutschland, auch auf dem Land. Und wir sind gemeinnützig organisiert. Wir wollen damit kein Geld verdienen.