Mubende-Distrikt, Uganda. 18. August 2001. Eine Einheit des ugandischen Militärs fällt mit schweren Waffen über vier Siedlungen mitten im Buschland her. Sie schießen auf die Tiere, zünden die Hütten an, Maisstauden, Hirsefelder, Bananen- und Kaffeebäume gehen in Flammen auf. Die Bewohner flüchten in den Wald, einige werden an den Folgen der Flucht sterben.

Drei Tage später legen die Hamburger Neumann-Gruppe und der ugandische Präsident Yoweri Museveni den Grundstein für das, was in den folgenden Jahren zu Ostafrikas größter Kaffeefarm anwachsen soll: die Kaweri-Plantage.

Böser deutscher Unternehmer raubt armen schwarzen Farmern Land und wäscht die Hände in Unschuld, das ist die Geschichte, die seither erzählt wird. Ideologisch passt sie gut in die Zeit. Land-Grabbing, die Aneignung von großen Landflächen durch ausländische Unternehmer, ist ein Politikum. Ein Politikum, das für die Neumann-Gruppe zum Desaster wurde. Die hehren Ideale in der weiten Welt einzuhalten ist ein Problem, mit dem Kaufleute seit Beginn des Welthandels hadern. Doch seit es Facebook, Twitter und Shitstorms gibt, seit kluge Menschenrechtsorganisationen wissen, wie man Journalisten die richtigen Geschichten erzählt, hat sich vieles geändert. Die Frage ist nun, wer hier das Maß verloren hat: Kaffee Neumann? Oder die vielen Kritiker?

Eine Reise nach Afrika – auf der Suche nach einer Antwort: Was sind die hanseatischen Kaufmannstugenden fernab von zu Hause wert?

Kampala, Uganda. Sommer 2014. Anwalt Joseph Balikudembe hat Mühe, sein Gegenüber über den Stapel Akten auf seinem Schreibtisch hinweg zu sehen. Roter Staub, den der Wind von Kampalas Straßen in das Büro weht, hat sich auf die Pappordner von Balikudembes wichtigstem und längstem Fall gelegt: der Kaweri-Klage. Seit zwölf Jahren vertritt Balikudembe 2.000 Menschen, die behaupten, mit Wissen und Duldung des Kaffeekonzerns Neumann gewaltsam von ihrem Land vertrieben worden zu sein.

Die Kläger wollen Schadensersatz und die Rückgabe des Landes, das sie als ihres ansehen. Balikudembe will das auch, vor allem aber will er die Menschenrechtsverletzungen geahndet sehen. Seit zwölf Jahren kämpft er gegen Neumann. "Die Deutschen können sich auf weitere zehn Jahre einstellen", donnert der Anwalt über den Aktenstapel hinweg. "Denn eines ist klar: Die Regierung ist zwar auch schuld, aber von denen kriegen wir kein Geld. Wir können nur Kaweri pfänden lassen. Dafür haben wir genug in der Hand."

145,7 Millionen Sack Rohkaffee wurden in der letzten Saison geerntet. Deutschland ist der zweitgrößte Kaffeeimporteur

Hamburg, Sandtorkai. Das Coffee-Plaza, der Sitz der Neumann Kaffee Gruppe, ragt in den Hamburger Himmel. In den oberen Etagen heult der Wind vor den Glasfenstern, selbst die Kirchtürme sehen von hier oben bescheiden aus. "Wir haben sehr norddeutsch, sehr hanseatisch gehandelt", sagt David M. Neumann, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens.

Neumann ist ein ruhiger Mensch, der seine Sätze abwägt. Kein PR-Profi, wie ihn die Gruppe im Kaweri-Fall wohl brauchte, doch seit das Unternehmen vor fast 100 Jahren gegründet wurde, wird es als Familienunternehmen geführt. Auf die Anschuldigungen, die vor einem Jahrzehnt über die Firma hereinbrachen, hätten sie viel zu spät reagiert, sagt Neumann. "Wir haben einen Vertrag auf Treu und Glauben abgeschlossen."