Nur das Donnern der Eurofighter gibt den Passagieren in Rostock-Laage am Freitagmorgen vergangener Woche das Gefühl, am richtigen Ort zu sein, um von hier aus in den Urlaub zu starten. Das taktische Luftwaffengeschwader 73 fliegt hier Manöver und beweist, dass es sich bei diesem Ort um einen Flughafen handelt. Wenn die Kampfjets den Himmel freigeben, ist die Luft wieder vom Zwitschern der Schwalben erfüllt statt von Turbinenlärm.

Dabei gibt der Flughafen Zeugnis von großen Hoffnungen, die mit ihm verbunden waren. Auf der Startbahn könnte ein Jumbojet starten und landen, eine Million Menschen könnten in seiner Halle im Jahr abgefertigt werden. Doch seine Entwicklung fügte sich schließlich ein in die traurige Geschichte deutscher Regionalflughäfen. Sie handelt von stolzen Landräten und emsigen Bürgermeistern, die ihre regionalen Metropolen auf die Karte der Welt setzen wollten. Rostocks Flughafenmanager etwa halten tapfer an der Verbindung Rostock–Peking fest, auch wenn es pro Woche eigentlich nur ein paar Flüge nach München gibt, von dort kommt man dann ja weiter. Dem Flughafen hilft das nicht, er schreibt rote Zahlen wie die meisten anderen seiner Art.

Nach Recherchen der ZEIT haben allein die Bundesländer seit der deutschen Einheit weit mehr als zwei Milliarden Euro für die 21 größten Regionalflughäfen ausgegeben – und alle Airports haben eines gemeinsam: Sie verzeichnen verlässlich weniger als drei Millionen Passagiere im Jahr und können aus eigener Kraft kaum überleben. Die heimischen Kommunen und Regionen springen den Flughäfen regelmäßig bei. Für Zweibrücken etwa zahlte ein Zweckverband aus Stadt, Landkreis und Gemeinden mehr als 12 Millionen Euro, für Kassel-Calden gab der Landkreis für Neubau und Verlustausgleich sogar rund 19 Millionen Euro aus. Und in Rostock? Da flossen in den vergangenen Jahren allein vom Landkreis Verlustausgleiche in Höhe von mehr als 640.000 Euro pro Jahr.

Um zumindest Rostock-Laage aus seiner Misere zu befreien, müsste dessen im Mai kommissarisch angetretener Geschäftsführer Steffen Knispel schaffen, was keiner seiner Vorgänger geschafft hat: Er müsste mehr Menschen dazu bewegen, von Rostock-Laage aus zu fliegen. Viel mehr Menschen. Denn zur Tragik des Flughafens gehört, dass an diesem Freitag, an dem die Luft vom Zwitschern der Schwalben erfüllt ist, bereits urlaubsbedingter Hochbetrieb herrscht. Die zwei Anzeigetafeln für Abflüge und Ankünfte sind bis auf den letzten Platz belegt. Nur sind sie ziemlich klein. Fünf Linienflugzeuge starten, vier landen. Damit sind die Tafeln dann auch voll.

In Rostocks Terminal herrscht nach Abflügen Stille – niemand ist da

Um kurz nach 11 Uhr warten rund 60 Urlauber darauf, für ihren Flug nach Mallorca einzuchecken. Vor zwei Schaltern reihen sie sich auf, in kurzen Hosen und karierten Hemden, in bunten Kleidern und mit Sonnenhüten auf dem Kopf. Wenige Minuten später sind die Urlaubseuphorisierten verschwunden. Eine neuerliche Geisterstunde beginnt. Das Terminal liegt nahezu menschenleer da, selbst der Schalter einer Autovermietung ist verwaist. Warum sollte dort auch jemand auf Kunden warten? Es wird mehr als eine Stunde dauern, bis die nächste Maschine landet.

Was wurde nicht alles versprochen für diesen Regionalflughafen, auf dem vor zwanzig Jahren der zivile Flugbetrieb startete: Damals erwarteten Gutachter für Rostock-Laage mehr als 400.000 Passagiere für das Jahr 2010. Dieses Aufkommen erreichte der Flughafen nie. Im vergangenen Jahr wies die Bilanz gerade mal rund 177.000 Fluggäste aus. Die Anzahl der "echten" Passagiere von Linien- und Charterflügen dürfte noch weit darunter liegen. In die Statistik fließen nämlich auch die Starts und Landungen von Polizeihubschraubern und Flugschülern ein. Übt ein angehender Pilot fünfmal das Durchstarten mit seiner Maschine, taucht er auch fünfmal in der Passagierstatistik auf. In einer Antwort der Landesregierung auf Anfrage des grünen Landtagsabgeordneten Johannes Saalfeld kommt Rostock-Laage abzüglich dieser Bewegungen gerade mal auf 121 500 Passagiere im Jahr. Zum Vergleich: Der Frankfurter Flughafen befördert über 159.000 Passagiere – pro Tag.

All das wäre kein Drama, wenn der Flughafen nicht viel Geld kosten würde. Kein privater Investor käme auf die Idee, ihn an diesem Ort zu betreiben. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, der Landkreis Rostock und die Stadt Laage hingegen geben nicht auf. Allein das Land hat seit Anfang der neunziger Jahre nach Angaben des Ministeriums für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung mehr als 66 Millionen Euro ausgegeben für den Ausbau des Flugplatzes und für jährlich anfallende Betriebskostenzuschüsse an die Flughafengesellschaft und die Luftfahrtunternehmen. Hinzu kommen einmalig 1,1 Millionen vom Bund und die jährlichen Zuschüsse der Kommunen.

Gewinn hingegen hat Rostock-Laage noch nie erwirtschaftet. "Wir müssen uns auch nichts vormachen", sagt Knispel. "Die Gewinnzone wird nicht erreicht werden, der Flughafen wird immer Drittmittel brauchen, um seinen Geschäftsbetrieb zu finanzieren."