Kaum ein Begriff hat während der vergangenen Jahre in den Debatten um die Zukunft des deutschen Hochschulwesens so polarisiert wie derjenige der "unternehmerischen Hochschule". Während er für die Modernisierer schnell zum Leitmotiv avancierte, war er den universitären Gralshütern von Beginn an suspekt, manchen Alt-68ern galt er als neoliberale Provokation. Im Zuge der Auseinandersetzungen um die Hochschulgesetzgebung in Nordrhein-Westfalen will ihn derzeit kein Politiker benutzen. Im zuständigen Ministerium erklärte man gar "das Dogma der unternehmerischen Hochschule" für beendet.

Viele Beobachter wundert das, ist doch das angelsächsische Pendant, die "Entrepreneurial University", im Europäischen Hochschulraum gerade erst zum neuen Leitbild erhoben worden. Nicht zuletzt in Deutschland haben exzellente Hochschulen wie vor allem die Technische Universität München ihr Zukunftskonzept ausdrücklich mit diesem Ansatz verbunden; und das augenscheinlich erfolgreich und hinreichend unverdächtig. Wer wollte ernsthaft sagen, die TU München ordne sich Unternehmen unter, die vorgäben, was die Universität zu forschen und zu lehren hätte?

Natürlich gibt es in allen wichtigen gesellschaftlichen Debatten glücklichere und unglücklichere Begrifflichkeiten. Und auch das Phänomen der Begriffsabnutzung ist kein seltenes. Zudem wäre im konkreten Fall zu fragen, ob die Übersetzung "unternehmerisch" für entrepreneurial vielleicht irreführend ist. Doch wie dem auch sei, gerade in solchen Fällen lassen sich Debatten nicht selten dadurch entspannen, dass man einen emotionalisierten Begriff auf seine Ursprungsbedeutung zurückzuführen versucht.

So ist der Begriff der Entrepreneurial University vor allem mit dem Namen des US-amerikanischen Hochschulforschers Burton Clarks verbunden, der Anfang der neunziger Jahre insgesamt fünf Universitäten in Europa untersucht hat. Gemeinsam war diesen Institutionen, dass sie sich als besonders erfolgreich im Umgang mit gesellschaftlichem Wandel erwiesen und dabei wissenschaftlich überzeugende Ergebnisse erzielt hatten. Diese Hochschulen nannte er entrepreneurial universities. Nach Clark zeichnen sie sich durch eine verbesserte Entscheidungsfähigkeit (strengthened steering core), die Einbeziehung ihrer Umwelt in universitäre Fragestellungen (expanded developmental periphery), diversifizierte Finanzierung (diversified funding base), ein leistungsfähiges akademisches Kerngebiet (stimulated academic heartland) sowie eine integrierende aktiv-innovative Kultur (integrated entrepreneurial culture) aus.

Besonders wichtig ist es, zu betonen, dass "unternehmerisch" bei Clark für eine wandlungsfähige, den gesellschaftlichen Herausforderungen aktiv begegnende Universität steht – eine Vorstellung, die die aktuelle NRW-Landesregierung ironischerweise ausdrücklich teilt.

Clark geht von der Ursprungsbedeutung des Wortes, im Sinne von "etwas unternehmen", "etwas anpacken" aus. Wenn Reformer und Gegenreformer in der gegenwärtigen Debatte mit dem Begriff der unternehmerischen Hochschule automatisch die Bedeutung "wie ein Wirtschaftsunternehmen agierend" verbinden, grenzt dies daher an mutwillige Irreführung. Dies gilt ganz unabhängig von den erwähnten Überlegungen zur Zweckmäßigkeit des Begriffs.

Ein weiterer Kampfbegriff, der in den Auseinandersetzungen um die unternehmerische Hochschule auftaucht, ist derjenige der "Ökonomisierung der Bildung". Auch hier wird ein vielschichtiger Bedeutungszusammenhang, oft wider besseres Wissen, missbraucht, um auf vorhandene Fehlentwicklungen hinzuweisen. Diese sind in Einzelfällen sicherlich vorhanden, dabei wird jedoch billigend in Kauf genommen, dass sinnvolle und notwendige Entwicklungen im Hochschulwesen ebenfalls diskreditiert werden.