Er wächst und wächst und wächst. Der Hafen hat in den vergangenen sechs Monaten 4,8 Millionen Container umgeschlagen, das sind fast sieben Prozent mehr als im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres. Und: Der Hamburger Hafen wächst mehr als alle anderen. Gegenüber Rotterdam, Antwerpen und europäischen Wettbewerbern hat Hamburg Marktanteile dazugewonnen. Läuft es so weiter, steht die Stadt Ende des Jahres wieder da, wo sie zuletzt vor der Krise war: bei knapp 10 Millionen Containern.

Das ist gut für den Hafen – und damit gut für Hamburg. Die Halbjahreszahlen zeigen, dass der Hafen weiterhin exzellent positioniert ist. Abfertigungsprobleme? Hat der Rivale in Rotterdam auch. Die Unsicherheit bezüglich der (für die ganz großen Schiffe dringend benötigten) Elbvertiefung? Macht sich noch nicht bemerkbar – in der Berichtsperiode haben 244 "Ultra Large Container Ships" die Stadt besucht, 27 Prozent mehr als zuvor. Mit anderen Worten: Bis hierher kann sich der Hafen auf seine Vorzüge verlassen. Auf die hervorragende Lage, die gewachsene Infrastruktur, den guten Ruf der ansässigen Firmen.

Trotzdem – oder gerade deswegen – müssen die Hamburger sich über die damit einhergehende ökonomische Abhängigkeit Gedanken machen. Die Stadt baut darauf, dass die in den letzten Jahrzehnten erfolgte Turboglobalisierung einfach weitergeht. Immer mehr Ozeanriesen, immer mehr Container, immer mehr Hafen.

Dass dieser Zukunft nicht uneingeschränkt zu vertrauen ist, zeigt die Ukrainekrise. Zwar finden sich die Sanktionen in den Zahlen noch nicht wieder. Doch sind sie ein Hinweis darauf, dass sich die Welt anders entwickeln könnte als von Freihändlern gewünscht – hin zu einer von Ressourcenknappheit geprägten Weltwirtschaft, in der Blockbildung und Protektionismus den Handel einschränken.

Hinzu kommt, dass große Volkswirtschaften wie die USA schon heute wieder verstärkt auf die einheimische Produktion setzen, anstatt global einzukaufen. Und neueste technische Entwicklungen machen es den Menschen bald möglich, tägliche Gebrauchsgüter auf 3-D-Druckern selbst herzustellen, anstatt sie von irgendwoher einzuschiffen. In einer solchen Welt nutzt auch die Elbvertiefung nicht mehr viel – so sie denn käme.

Daher sollte die Stadt, bei aller berechtigten Zuversicht, nicht vergessen, dass auch eine ganz andere Zukunft denkbar ist als jene, in der jedes Jahr Millionen von Containern durch den Hafen pendeln.