Das mit Hamburg hatte sich der Mike mal ganz anders vorgestellt. Der Mike, sagen die Leute hier unten, sei ein echter Seilbahner. Geld, Politik, all das interessiere ihn nicht. Nur seine Seilbahnen. Der Mike, das ist Michael Doppelmayr. Hier unten, das ist Wolfurt, ein 8000-Einwohner-Städtchen in Vorarlberg. Es gibt ein Pfarrhaus am Hang mit Blick auf den Bodensee. Bäume. Berge. Wenn man Doppelmayr fragt, warum er nie aus diesem Tal fortgegangen ist, dann lenkt er seinen Wagen noch schneller um die steilen Kurven und sagt: "Hat scho was hier." Die Täler mit den wortkargen Bauern, die einsamen Weiler, der Adler- und der Hirschgasthof sind Doppelmayrs Heimat – und die der Seilbahnbranche. Denn eigentlich sind Doppelmayr und die Seilbahnbranche das gleiche. Die Firma, die er seit über zwanzig Jahren führt und die seinen Namen trägt, ist der größte Seilbahnbauer überhaupt.

Wenn in den Alpen eine Gemeinde eine Seilbahn, Bergstation oder Aussichtsterrasse braucht, finden sich schnell ein paar Unternehmer und ein Bürgermeister, die zusammen auf die Jagd oder ins Gasthaus gehen. "Dann wird entschieden", sagt Doppelmayr. "Dann wird gemacht." Lange hätten Handschläge statt Verträge gegolten. Wollte einer etwas Schriftliches, hielt man die Sache auf einem Bierdeckel fest.

Heute ist vieles kompliziert geworden. Vor allem in den Städten, vor allem in Hamburg. Der Stadt, in der alle bei allem mitreden dürfen. Der Stadt, in der sich die Menschen so schwertun mit Veränderungen, ganz besonders im Hafen. Dort, wo Doppelmayr gemeinsam mit dem Musicalunternehmen Stage Entertainment für 35 Millionen Euro eine seiner neuesten Bahnen bauen will. Mit drei Seilen, 26 Gondeln und bis zu 27 Stundenkilometer schnell. 80 Meter über der Elbe soll sie schweben, vom Millerntor nach Steinwerder, wo Stage im Herbst ein neues Musicaltheater eröffnet.

Als Doppelmayr zum ersten Mal davon hörte, dass Hamburg vielleicht eine Seilbahn will, habe er gedacht: "Tolle Stadt, samma dabei."

Das war vor mehr als fünf Jahren. Mittlerweile ist klar, dass nicht Hamburg diese Seilbahn will, sondern vor allem der Musicalkonzern Stage, die Handelskammer und eine Bürgerinitiative von Herlind Gundelach. Die ehemalige Senatorin hat mehr als 14 000 Unterschriften für die Seilbahn gesammelt, an diesem Wochenende endet der Bürgerentscheid, abgestimmt wird nur im Bezirk Mitte. Aus dem Rathaus heißt es, man werde das Ergebnis akzeptieren.