Mit dem Boom des Goldes kam die Zerstörung in den Chocó. Dschungel bedeckt die Region an der Pazifikküste Kolumbiens, weltweit gibt es kaum eine andere Gegend, in der so viele Tier- und Pflanzenarten leben. Der Urwald ist dünn besiedelt, Straßen gibt es selten, die Einwohner nutzen die Flüsse als Verkehrswege. Vor allem aber ist der Chocó reich an Gold.

Seit der Kolonialzeit wird das Edelmetall dort schon abgebaut. Doch vor einigen Jahren rückten immer mehr Bagger an. Damals fing der Goldpreis an zu steigen, weil Anleger weltweit in der Krise nach beständigen Werten suchten. Seither vergiftet der Bergbau im Chocó die Flüsse und Böden, er verwandelt den Urwald in eine Wüste.

Es ist das große Problem der Goldförderung: In ihrer konventionellen Form richtet sie enorme Schäden an. Um nur ein paar Gramm des Edelmetalls zutage zu fördern, graben die Bagger weite Landschaften um, und ist der Boden zu hart für Baggerschaufeln, sprengen die Konzerne das Gestein. Allein um die Menge Gold zu produzieren, aus der später ein einziger Ring entsteht, bewegen sie mehrere Tonnen Abraum. Zurück bleibt eine Mondlandschaft. Und weil dabei reine Nuggets kaum noch zu finden sind, gleicht eine Goldmine heute einer Chemiefabrik mit angeschlossenem Tagebau. Die Unternehmen nutzen Zyanid oder Quecksilber, um das Gold aus dem Gestein zu lösen, giftige Dämpfe entstehen, zurück bleiben mit Chemie verseuchte Schlämme, die nicht immer korrekt entsorgt werden. Umweltschützer warnen: Der Goldbergbau vergiftet Mensch und Umwelt.

Auch im Chocó ist das so. Dort bekämpfen sich illegale, bewaffnete Gruppen. Ehemals linke Guerillas stehen gegen ehemalige Paramilitärs und kriminelle Banden. Der Staat hat keine Kontrolle, kann seine Bürger nicht beschützen – geschweige denn die Umwelt. Fast alle Goldminen im Chocó sind illegal, das Geschäft ist fest in der Hand der lokalen Mafia. Wer sich gegen sie stellt, riskiert, vertrieben oder umgebracht zu werden.

Zwei Drittel aller Einwohner leben in Armut. Um nicht zu hungern, jagen oder fischen sie, sie verdingen sich als Tagelöhner oder beackern kleine Stücke Land. Manche wühlen im Abraum der Minen nach Goldstaub, wenn die Bagger kurz Pause machen und die Minenbesitzer ihnen den Zutritt erlauben. Es scheint eine hoffnungslose Gegend zu sein. Doch ausgerechnet im Chocó ist ein Gegenmodell zu den Zerstörungen des konventionellen Bergbaus entstanden.

Oro Verde heißt das Projekt, grünes Gold. Vor 15 Jahren gegründet, ist es die erste Organisation, die Gold ökologisch korrekt und sozial verantwortungsvoll förderte und dem fair produzierten Edelmetall ein Siegel gab. Auf den Weltmarkt ist es stets nur mit 15 Prozent Aufschlag gekommen, doch deutsche Juweliere zum Beispiel, die umweltfreundlich arbeiten wollten, haben das Gold gern gekauft. Mittlerweile hat Oro Verde sogar Nachahmer gefunden und sich als Wegbereiter erwiesen. So ist die Allianz für verantwortlichen Bergbau aus dem Projekt hervorgegangen, kurz ARM*.

Schöpfer von Oro Verde ist Nicolás Cock Duque. Er will den Menschen im Chocó die Chance geben, durch den Abbau von Gold ihre Lebensumstände zu verbessern – und zugleich die einzigartige Natur der Region zu bewahren. Zwei Gemeinden zogen am Anfang mit, zwischenzeitlich schürften mehr als 1.000 Menschen für Oro Verde.

Die mineros von Oro Verde fördern Gold so, wie es schon ihre Vorfahren vor Jahrhunderten taten: Sie verwenden Pflanzensäfte statt Chemie. Zyanid, Quecksilber, Bagger und Sprengstoffe sind tabu. Stattdessen nutzen sie schlichte Holzschalen, um Goldkörner aus den Bächen ihrer Heimat zu waschen. Das ist äußerst mühsam und bringt wenig Ertrag. Von der Goldwäscherei allein können die Oro-Verde-Arbeiter deshalb nicht leben. Aber sie verschafft ihnen ein zusätzliches Einkommen.

In den guten Zeiten produzierte Oro Verde ein paar Kilo Gold und Platin pro Jahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 wurden in ganz Kolumbien rund 56 Tonnen Gold ans Tageslicht gebracht, das meiste davon in illegalen Minen. China, der größte Produzent der Welt, schaffte etwa 420 Tonnen.