Budnikowski-Chef Cord Wöhlke © dpa

Irgendwie hat die Sache mit der Katzenstreu den Vormittag versaut. Dabei hatte es gut angefangen. Mit einer Neueröffnung: die 175. Filiale. Ein Budni in Osdorf. Endlich.

Es ist kurz vor elf, als Cord Wöhlke den Laden betritt, ohne Jackett, dafür mit Schal. Blaue Luftballons wehen an der Eingangstür. Gleich dahinter, in der Duschgel-Ecke, stellt Wöhlke sich jetzt auf. Er hat zwei große Bleche mit Franzbrötchen gekauft, beim Bäcker nebenan. "Auf gute Nachbarschaft", sagt Wöhlke. Dann steckt er sich einen Budni-Button ans Hemd. Links, wo das Herz sitzt.

"Klönschnack und Mini-Franzbrötchen mit Budni-Geschäftsführer Cord Wöhlke", so steht es auf den Plakaten am Eingang und in den Briefen, die Anwohner vor ein paar Tagen bekommen haben. Manche haben sie extra mitgebracht, schließlich steht darin auch, dass man an diesem Tag zehnmal so viele Bonuspunkte bekommt wie sonst. Einer von ihnen, ein krummer Mann mit wenig Haar, parkt seinen Rollator vor Wöhlke, blickt zu ihm hinauf:

"Sind Sie der Abteilungsleiter?"

"Nee, der bin ich nicht."

"So sehen Se auch nich aus."

"Darf ich ihnen ein Franzbrötchen anbieten?"

"Könn’ Se das auch einpacken?"

Wöhlke holt Alufolie.

Es sind diese Momente, in denen Cord Wöhlke einmal nicht Chef und Eigentümer von Hamburgs größter Drogeriekette ist, der viertgrößten Deutschlands. Sondern der nette Händler von nebenan, der, mit dem die Alten über Seifenflocken, Schuhcreme und Bohnerwachs reden, was man eben so brauchte damals. Viele sind seit über einem halben Jahrhundert Wöhlkes Kunden. Jetzt schlürfen sie Gratiskaffee, fragen nach den Kindern und wünschen viel Glück. Wöhlke sieht froh aus.

Bis die Frau kommt, die die Katzenstreu nicht findet. Ihre Katzenstreu. "Die kaufe ich seit Jahren, weil es schön klumpt." Wie? Die haben Sie nicht mehr? Eine andere? Auf keinen Fall. Ich bin Tierschützerin, ich kenne mich da aus. Ein Franzbrötchen? Na gut. Aber wissen Sie, das ist die beste Streu überhaupt. Dann beißt sie in ihr Franzbrötchen und ruft: "Jetzt muss ich wohl zu dm."

Große Umbrüche passieren oft im Kleinen, scheinbar nebenher, bei Katzenstreu und Franzbrötchen. Wenn das Öko-Shampoo nicht mehr Alverde, sondern Aliqua heißt, auf dem Duschgel plötzlich Budni statt Balea steht. Das ist gewöhnungsbedürftig. Für die Kunden. Für Wöhlke ist es eine Revolution. Eine mit großem Risiko. Eine, die darüber entscheiden könnte, ob die Hamburger auch in Zukunft bei ihm einkaufen, ob Budni die Drogerie Nummer eins der Stadt bleiben wird.

Und es ist eine Revolution, die Wöhlke nicht gewollt hat.

Er wurde gezwungen, so sieht er es, weil der Drogeriekonzern dm sich immer mehr in Hamburg ausbreitet. Deshalb hat Wöhlke in diesem Sommer nicht nur die verflixte Katzenstreu, die Cremes und Seifen von Balea und Alverde, sondern auch die Zahnpasta von Dontodent, die Windeln von Babylove, die Waschmittel von Denk mit, kurz: alle Produkte, hinter denen dm steckt, aus den Regalen geräumt. Stattdessen verkauft er nun seine eigene Marke. Budni heißt die. Ganz ohne Schnickschnack. Wöhlke sagt: "Wir mussten uns behaupten."