Schon wieder ein Rekord am Kapitalmarkt! Mitte August sackte die Rendite deutscher Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik unter die Marke von einem Prozent. Die hohe Nachfrage nach Bundesanleihen hat deren Kurs auf ein Niveau getrieben, bei dem die fixe Zinszahlung in Relation zum Kaufpreis kaum noch ins Gewicht fällt.Warum, um Himmels willen, kaufen Anleger trotzdem?

Ein Grund ist: Sicherheit. Wenn es wegen der Krisen in der Ukraine und anderswo an den Aktienmärkten rumpelt, sind Bundesanleihen ein sicherer Hafen. Der deutsche Staat ist einer der solidesten Schuldner der Welt, ein Zahlungsausfall gilt als nahezu ausgeschlossen. Das drückt sich in der besten Bonitätsnote – einem AAA-Rating – aus. Außerdem sind deutsche Staatsanleihen "liquide", man kann sie dank stetiger Nachfrage jederzeit wieder verkaufen und sein Geld anderweitig investieren, wenn es an den Märkten wieder besser aussieht.

Das ist aber nicht der einzige Grund für die Beliebtheit von Bundesanleihen, deren Kurs schon seit mehr als drei Jahren steigt. Bei Anlegern aus Deutschland spielt nach Ansicht von Verhaltensökonomen auch der Home-Bias eine Rolle, also die Tendenz, heimische Geldanlagen zu bevorzugen. Diese Heimatliebe in Finanzangelegenheiten ist auch im Zeitalter der Globalisierung noch immer stark ausgeprägt. "In vielen Depots deutscher Privatanleger sind Wertpapiere aus der Heimat deutlich zu stark gewichtet", sagt Martin Weber, Professor für Behavioral Finance an der Universität Mannheim. Anleger, konstatiert er, "schauen noch immer zu selten über den Tellerrand".

Auch Constanze Hintze, Geschäftsführerin der Finanzberatung Svea Kuschel + Kolleginnen in München, beobachtet "sowohl bei Anleihen als auch bei Aktien" eine starke Vorliebe für heimische Werte. Das ist zwar einerseits verständlich. Daheim kennt man sich aus und meint, Chancen und Risiken besser einschätzen zu können. Zugleich ist der Home-Bias aber gefährlich. Vor allem wegen der schlechten Risikostreuung: Wenn es hierzulande schlechter läuft und die Kurse deutscher Aktien und Anleihen sinken, schlägt das voll aufs Depot durch.

Im Fall der Staatspapiere kommt hinzu, dass Anleger allenfalls minimale reale Erträge erzielen. Denn die jährliche Inflationsrate hierzulande liegt aktuell bei 0,8 Prozent – und damit nur knapp unter der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen. Im Klartext: Die Zinsen kompensieren die schleichende Geldentwertung nur knapp.

Wer Geld auf deutschen Tagesgeldkonten parkt, nimmt in der Regel sogar reale Vermögensverluste in Kauf. Hier liegt der durchschnittliche Zinssatz laut FMH Finanzberatung derzeit knapp unter 0,6 Prozent. Ähnlich sieht es bei Festgeld und Sparbriefen aus.

Also nichts wie weg ins Ausland? Vorsicht: Wer jenseits der Grenzen nach Alternativen sucht, stößt zwar auf Angebote, die attraktiv erscheinen. "Aber die Risiken sind auch entsprechend höher", warnt Andreas Zittlau, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Privacon in Bonn.

Beispiel Sparkonten: Hierzulande werben ausländische Banken um Sparer – mit zum Teil deutlich höheren Zinsen. So haben viele Deutsche seit Ende 2013 über das Portal weltsparen.de Konten bei der bulgarischen FiBank eröffnet, die bis zu 3,3 Prozent für Festgeld verspricht. Als im Juni Gerüchte über eine Schieflage im bulgarischen Bankensystem aufkamen, dürfte das mancher bitter bereut haben. Zwar gilt auch in Bulgarien die EU-Einlagensicherung, im Fall einer Bankpleite sind also formal 100.000 Euro pro Sparer abgesichert. Doch wer kann schon sicher sein, dass das Geld im Fall eines Flächenbrandes schnell und in voller Höhe zurückfließt?

Auch andere Zins-Offerten im Ausland sollten vorsichtige Sparer besser meiden. Mit griechischen Staatsanleihen, die in zwei bis drei Jahren fällig sind, sind derzeit mehr als 5,5 Prozent Rendite drin. Vergleichbare Anleihen aus Schwellenländern sind noch lukrativer, bei Brasilien-Bonds zum Beispiel locken mehr als acht Prozent.

Trotz hoffnungsvoller Signale für eine Kehrtwende braucht, wer Griechenland Geld leiht, schon eine gehörige Portion Optimismus. Und von Papieren aus Staaten außerhalb der Euro-Zone raten Experten sowieso ab – wegen des hohen Währungsrisikos. "Schon kleine Veränderungen beim Wechselkurs können für deutsche Anleger die gesamte Rendite zunichte machen", warnt Behavioral-Finance-Experte Weber. Zudem seien Wechselkursentwicklungen "in aller Regel nicht prognostizierbar". Und Absicherungsgeschäfte mit Optionen seien wegen der hohen Kosten in der Regel keine Lösung.