Wie oft haben Wasserversorger ihren Kunden das schon erzählt: Trinkwasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel. Jeder Tropfen ist unbedenklich. Gleichgültig, ob er zum Kochen oder Trinken, zum Duschen oder Blumengießen bestimmt ist. Was aus dem Hahn kommt, ist immer "rein" und "genusstauglich", so wie es das Gesetz verlangt.

Und nun das.

Millionen Kubikmeter Gülle landen auf Feldern, sickern durch Böden und rinnen ins Grundwasser – in den Rohstoff also, aus dem zwei Drittel des Trinkwassers gewonnen werden. In Niedersachsen, aber auch in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen haben Wasserversorger bereits Brunnen dichtmachen müssen; andere haben selbst Land gekauft, um es vor Gülle schützen zu können.

Teilweise könnten die Menschen nur noch durch "Notlösungen" mit Wasser versorgt werden, sagt Martin Weyand vom Branchenverband der Wasserwerke. Die stinkende Flut aus der Massentierhaltung, sie bedroht nicht nur die Gesundheit der Wasserverbraucher, sondern ist auch ein Politikum. Die Europäische Kommission droht damit, Deutschland wegen des schlechten Wassers vor dem Europäischen Gerichtshof zu verklagen. Ausgerechnet Deutschland, den vermeintlichen Öko-Vorreiter.

Schuld an all dem ist Nitrat, eine Stickstoffverbindung, die im Kot und Urin von Schweinen, Rindern und Hühnern steckt – neben viel Wasser und allerhand übel riechenden Stoffen. Die unappetitliche Mixtur, die auch im Amtsdeutsch Gülle heißt, fördert als "Wirtschaftsdünger" das Pflanzenwachstum, maßvoll und fachkundig auf Äckern verteilt. Doch in den Hochburgen der Fleischproduktion wird die massenhaft anfallende Gülle auf den Feldern regelrecht entsorgt. Was die Pflanzen nicht aufnehmen, landet im Wasser – in Bächen, Seen, am Ende im Meer, wo sich Algen bilden –, aber eben auch im deutschen Grundwasser.

Es geht um eine immense Menge der stinkenden Brühe, mehr als 160 Millionen Kubikmeter im Jahr. Würde man sie in Eisenbahnwaggons verladen, der Zug wäre mehr als 45.000 Kilometer lang, länger als der Äquator.

Die Brunnenverschmutzung wird von den deutschen Behörden bisher stillschweigend geduldet. Das will die EU-Kommission nicht länger hinnehmen. Sie hat bereits ein Verfahren gegen die deutsche Regierung eingeleitet. Und in einem geheimen Schreiben zur "Vertragsverletzung Nr. 2013/2199" kündigt sie ihre Entschlossenheit an, bis zum Äußersten zu gehen, bis zur Klage.

Der Brüsseler Vorwurf: Deutschland verletze die Nitrat-Richtlinie der EU. Die Richtlinie soll sicherstellen, dass Landwirte die Gewässer nicht mehr so stark verschmutzen – oder, am besten, durch Vorbeugung erst gar nicht damit anfangen. Es ist ein Deutscher, der das Verfahren gegen sein Heimatland vorantreibt. Karl Falkenberg, Generaldirektor der Generaldirektion Umwelt, erzeugt nun auch Zeitdruck. Der großen Koalition bleiben nur noch wenige Tage, ihn zu besänftigen und kein saftiges Strafgeld zu riskieren.

Doch Streit tobt nicht nur zwischen Brüssel und Berlin. Auch die Berliner Minister sind sich in dieser Sache nicht grün. Für das Tun und Lassen der Bauern ist Christian Schmidt (CSU) zuständig, dessen Landwirtschaftsministerium oft die Wünsche des Landvolks vertritt – während Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sich zwar um Gewässer zu kümmern hat, aber ausgerechnet bei der Gestaltung des Regelwerks, das den Bauern Einhalt gebieten soll, nicht federführend ist. Herr über die Düngeverordnung ist Schmidt, mit Hendricks muss er nur "Einvernehmen" herstellen. Klammheimlich freuen sich deren Mitarbeiter bereits über die Hilfestellung, die nun aus Brüssel kommt. "Wenn die EU hart bleibt, ist es mir recht", sagt ein leitender Beamter des Umweltressorts.

Umweltziele werden "weitgehend verfehlt"

Hendricks gegen Schmidt, Brüssel gegen Berlin, Wasser- gegen Landwirtschaft: Die Angelegenheit hat es in sich – und es ist nicht auszuschließen, dass die Scheiße auf Deutschlands Feldern die große Koalition demnächst sogar zu Krisensitzungen zwingt.

Nitrat ist eigentlich ungiftig, kann aber im Magensaft zu Nitrit werden. Das wiederum kann bei Säuglingen dafür sorgen, dass weniger Sauerstoff im Blut transportiert wird und die Kleinen dadurch ersticken. Im Körper Erwachsener droht Krebs. Zu diesem Risiko gibt es bisher zwar nur Tierstudien, trotzdem empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung, die Nitratzufuhr "so weit wie möglich" zu reduzieren.

Deutschland handelt sich durch den laxen Umgang mit dem Nitratproblem nicht nur Streit mit Brüssel ein. Es zeigt sich einmal mehr, welche Gefahren die Massentierhaltung birgt. Die Güllewirtschaft ist eine Folge davon – und gehört zu den bizarrsten Erscheinungsformen des modernen Landbaus.

Es rächt sich, dass die Deutschen sehr billiges Fleisch wollen

Volkswirtschaftlich spielt es fast gar keine Rolle mehr, was Bauern und landwirtschaftliche Gewerbebetriebe auf Feldern und in Viehställen treiben; zur Bruttowertschöpfung tragen sie nur noch 0,8 Prozent bei, also fast nichts. Dennoch dürfen landwirtschaftliche Betriebe ihr Abwasser aus der Viehhaltung ein paar Mal im Jahr ungereinigt auf die Äcker niederregnen lassen. Verglichen mit dem Aufwand, der getrieben wird, um menschliche Abwässer zu sammeln und zu reinigen, ist das grotesk.

Die Zentren der Massentierhaltung liegen unter anderem im westlichen Niedersachsen, im nördlichen Nordrhein-Westfalen und im südöstlichen Bayern. Es sind die gleichen Regionen, die sich vor Gülle kaum retten können – und in denen ein Wassernotstand droht.

Um zu verstehen, wie es dazu kommt, muss man die Gesetze und die Chemie kennen. Die Europäer haben sich schon lange Grenzwerte für Nitrat verordnet: Mehr als 50 Milligramm pro Liter dürfen im Trinkwasser nicht enthalten sein. Der gleiche Wert gilt seit mehr als 20 Jahren auch für das Grundwasser. 50 Milligramm der Verbindung von Sauerstoff und Stickstoff entsprechen 11 Milligramm reinem Stickstoff.

Der ist eigentlich kein Schadstoff, sondern ein Grundbaustein des Lebens, der im Boden und in der Luft, in Pflanzen, Tieren und im menschlichen Körper vorkommt. Stickstoff steckt zum Beispiel im Gras, das Weiderinder fressen; das meiste davon scheiden sie wieder aus und sorgen auf diese Weise dafür, dass neues Gras wachsen kann. Erst wenn dieser Kreislauf gestört wird, entstehen Probleme, beispielsweise im Grundwasser, aber nicht nur da.

Gestört wurde er vor gut hundert Jahren mit der Erfindung des Kunstdüngers. Das 1910 von BASF patentierte Haber-Bosch-Verfahren ermöglichte es, den in der Luft reichlich vorhandenen Stickstoff chemisch so umzubauen, dass er als Nährstoff für Pflanzen verfügbar wurde. Das ließ zwar die Ernteerträge enorm steigen; aber fortan war es eben auch möglich, Ackerbau und Viehzucht räumlich zu trennen: Die Gülle blieb bei den Tieren, die Industrie lieferte den Dünger für Spargel- und Roggenfelder. All das beschert den auf Tierhaltung spezialisierten Gebieten heute das Gülleproblem.

Die deutsche Düngeverordnung von 1996 soll es in Schach halten. Das heute aus zwölf Paragrafen und acht Anlagen bestehende Dekret listet penibel auf, wie viel Kot und Urin ein Mastbulle, ein Ferkel oder ein Schwein jährlich ausscheidet, wie viel Stickstoff im Durchschnitt darin enthalten ist – und was die Bauern damit tun dürfen. Die wenigsten Schnitzelesser ahnen wohl, was alles geschehen muss, bevor das Fleisch auf dem Teller ist.

Die Bauern müssen zum Beispiel die im Boden verfügbaren Nährstoffmengen ermitteln oder nach einem anerkannten Verfahren schätzen, dürfen zwischen dem 1. November und dem 31. Januar nicht düngen und insgesamt sowieso nicht mehr als jährlich 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar in Form von Gülle verteilen.

Doch die Umweltziele würden damit "weitgehend verfehlt", stellten in einer gemeinsamen Stellungnahme drei wissenschaftliche Beratungsgremien der Bundesregierung schon vor einem Jahr fest. Die Vorschriften seien zu lasch, ihre Einhaltung werde nicht streng genug kontrolliert, und die Sanktionen seien zu harmlos, heißt es in der Expertise.

Es rächt sich, dass die Deutschen so stark auf billiges Fleisch setzen

2006 verschärfte die damals regierende schwarz-rote Koalition zuletzt die Regeln und beschränkte den Nährstoffüberschuss, also die erlaubte Differenz zwischen dem auf die Felder verteilten Stickstoff und der von den Pflanzen aufgenommenen Menge, auf 60 Kilogramm pro Hektar. Wird die Grenze überschritten, geschieht allerdings nichts. Anders als Falschparken wird der Verstoß nicht einmal als Ordnungswidrigkeit geahndet.

Tatsächlich liegt der Überschuss im Mittel der Betriebe bei etwa 70 Kilogramm. Dabei sind laut Umweltbundesamt schon die gesetzlich vorgeschriebenen 60 Kilogramm zu viel; allenfalls die Hälfte wäre laut der Behörde erträglich, sollen die Gewässer sauber bleiben.

Dort, wo die Gefahr hoch ist, gibt es seit Längerem gut 160 Messstellen. Die Hälfte von ihnen weist eine überhöhte Belastung aus. Die Regierung bestreitet das nicht, hat bisher aber nichts unternommen, um den Missstand zu beseitigen. Deshalb geht Brüssel gegen Berlin vor.

Die Kommission attackiert aber nicht nur die Wasserverschmutzung. Sie nennt auch die Ursache dafür: "Große Viehbestände, die sich in einer Region konzentrieren, weil ein Ungleichgewicht zwischen der Gülleerzeugung und dem Bedarf der angebauten Kulturen besteht". Es rächt sich also, dass die Deutschen so stark auf Massentierhaltung und billiges Fleisch setzen und sogar noch stolz darauf sind, zum Nettoexporteur von Schweine- und Geflügelfleisch geworden zu sein.

Wasserwerker können ein Lied davon singen. Zum Beispiel Johann Hans, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert Geschäftsführer des Wasser- und Abwasser-Zweckverbandes Niedergrafschaft ist. Das liegt in einem der viehreichsten Landkreise Deutschlands. In den Ställen dort stehen 113.000 Rinder und 477.000 Schweine; hinzu kommen fast zehn Millionen Stück Federvieh. Die Fleischerzeuger im Südwesten Niedersachsens, nahe der holländischen Grenze, halten dermaßen viele Tiere, dass Hans ständig improvisieren muss.

Johann Hans fördert Wasser aus 16 Brunnen. Jeder Tropfen, der bei der Kundschaft ankommt, enthält nach wie vor nicht mehr als 25 bis 30 Milligramm Nitrat pro Liter. Das Kunststück gelingt allerdings nur, weil Hans das Wasser mischt, solches mit überhöhtem Nitratgehalt mit solchem, das unter dem Grenzwert liegt. Außerdem hat er fünf neue Brunnen bohren lassen, um den Nitratwert stabil unter 50 Milligramm pro Liter zu halten. Dennoch steigt die Konzentration im oberflächennahen Grundwasser schon wieder an, "Vorfeldmessungen" hätten das gezeigt – und irgendwann werde das Nitrat auch seine Förderbrunnen erreichen, schwant Hans: "Trotz der Kooperation, die wir seit 30 Jahren mit der Landwirtschaft haben."

Er spricht tatsächlich von Kooperation: Weil die gesetzlichen Vorschriften nicht ausreichen oder nicht ausreichend umgesetzt werden, suchen die Wasserwerker ihr Heil in der Zusammenarbeit mit denen, die das Grundwasser verschmutzen. So pervers das ist – den Versorgern bleibt gar nichts anderes übrig. In der Regel ist es billiger, Bauern dafür zu entschädigen, dass sie weniger düngen und weniger einnehmen, als Nitrat nachträglich aus dem Rohwasser zu entfernen.

Die Gelsenwasser AG zum Beispiel, mehrheitlich im Besitz der Stadtwerke Dortmund und Bochum, finanziert drei Berater bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und bezahlt zudem allerhand Schutzmaßnahmen – alles in der Hoffnung, Bauern in der Nähe der Stevertalsperre zur Mäßigung zu bewegen. Mehr als 600.000 Euro lässt sich Gelsenwasser das jährlich kosten.

Der Landwirt Anton Holz leitet die Kooperation mit Gelsenwasser im südlichen Münsterland und erklärt staatsmännisch, man sei "zum Erfolg verpflichtet". Doch bei dem Wasserversorger weiß man nur zu gut, dass der Konflikt zwischen gutem Wasser und lukrativer Massentierhaltung dadurch nicht verschwindet. "Nicht grundlegend lösbar", nennt das Ulrich Peterwitz, der bei Gelsenwasser für den Ressourcenschutz zuständig ist und an der "Nitratfront" kämpft. Das Unternehmen liefert Trinkwasser an 2,7 Millionen Menschen.

Und doch wird in weiten Teilen Deutschland um Besserung gerungen. Die 1,4 Millionen Münchner bekommen das Gros ihres Trinkwassers aus dem Mangfalltal. Dort haben die Stadtwerke München sogar Flächen gekauft, um sie an Landwirte zu verpachten – mit der Auflage, die Gewässer dabei zu schonen. Auf diese Weise sei das größte, ökologisch bewirtschaftete Gebiet Deutschlands entstanden, so die Auskunft des Münchner Wasserversorgers. Er hilft den Bauern sogar bei der Vermarktung ihrer Produkte und organisiert Bauernmärkte in der eigenen Zentrale.

In Brake an der Unterweser, dem Stammsitz des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes, kämpft Egon Harms gegen zu viel Nitrat, mehr schlecht als recht gemeinsam mit den Bauern. Es gab Zeiten, da glaubte der Bereichsleiter für Gewässerschutz, die Zusammenarbeit mit den Landwirten sei erfolgreich; doch inzwischen zeigen seine Messungen im oberflächennahen Grundwasser, dass die Nitratwerte wieder so hoch sind wie vor 15 Jahren, als man anfing zu kooperieren. Harms fürchtet, es sei nur eine Frage der Zeit, bis das belastete Wasser nach unten "durchbricht", bis zu den Förderbrunnen, 150 Meter tief. Das Wasser, das er momentan von dort fördert, ist bis zu 50 Jahre alt und noch unbelastet.

Im Koalitionsvertrag versprachen Union und SPD eine andere Düngewelt

Landauf, landab kämpfen die Wasserversorger gegen das Nitrat. Mancherorts, wie in Aschaffenburg, wird es mittlerweile technisch aus dem Wasser entfernt; der Wasserpreis für die Endverbraucher hat sich deshalb verdoppelt.

Es gibt gleich mehrere Gründe zu glauben, das Gülleproblem werde nur größer.

So kann Nitrat, das von den Pflanzen nicht aufgenommen wird, eine Zeit lang noch auf natürliche Weise im Boden abgebaut werden; es gelangt dann nicht ins Grundwasser. Doch das natürliche Potenzial ist mancherorts schon bald erschöpft. Das Nitrat sickert dann ungehindert aufs Grundwasser zu, wo es mit teils jahrelanger Verzögerung ankommt. "Das dicke Ende kommt erst noch," prophezeit Ulrich Peterwitz von Gelsenwasser.

Außerdem bekommen die hochgezüchteten Tiere heute mehr und mehr Importfutter, vor allem billiges Soja aus Brasilien. In jedem Kilogramm davon stecke fast 30-mal mehr Stickstoff als in heimischem Mais, sagt Friedhelm Taube, Agrarwissenschaftler an der Kieler Universität. Deutschland importiert also mit dem Futter große Mengen Stickstoff. Das meiste davon wird von den Tieren wieder ausgeschieden und bedroht in Form von Gülle das Wasser.

Als wäre das nicht genug, begann vor etwa zehn Jahren der staatlich geförderte Boom der Biogasanlagen, die meisten stehen in den Tierzucht-Regionen. Auf 800.000 Hektar, das sind knapp sieben Prozent der Ackerfläche, wächst inzwischen die subtropische Pflanze, nur um Nachschub für die Biogasanlagen zu erzeugen. Die Gärreste enthalten aber – wie die Abfälle aus den Viehställen – große Mengen Stickstoff. Das Gülleproblem wird auf diese Weise noch größer.

EU: Agrarminister Christian Schmidt ist "nicht ambitioniert genug"

Es verschwände natürlich, wenn Ackerbau und Viehzucht in Deutschland wieder zusammenrückten. Doch das ist politisch tabu. Stattdessen wird die Gülle selbst bewegt. Der Lieferant muss dafür bezahlen, dass er sie loswird. Wie viel, das wird inzwischen an speziellen Börsen ausgehandelt. Dann wird das Zeug in Lastern quer durchs Land gefahren, aus den Zentren der Tierhaltung heraus, hinein in die Ackerbauregionen, zum Beispiel in den Osten Niedersachsens.

Das kann teuer werden. Mehr als zehn Euro pro Kubikmeter koste es den abgebenden Betrieb, sagt Ludger Feldhaus von der Nährstoffverwertung Oldenburger Münsterland. Die Firma führt jeden Tag solche Transporte durch. Je nach Tagespreis kann das mehr sein, als der Landwirt mit einem ganzen Mastschwein verdient.

Noch müssen nur hoch spezialisierte Massenbetriebe ihre Gülle auf den Weg bringen. Geht es nach dem Bauernverband, sollen die Normalbauern davon unberührt bleiben. Auch deshalb wehrt er sich gegen jede Verschärfung des Düngerechts. Die bestehende Verordnung "hat sich bewährt", behauptet der Präsident der Lobby, Joachim Rukwied.

Mehrere Gelegenheiten, das Grundwasser besser zu schützen, hat die Bundesregierung bereits verstreichen lassen. Sie hätte bei der Umsetzung der EU-Agrarreform dafür sorgen können, bestimmte Subventionen an den Verzicht auf Düngemittel zu binden. Sie hätte den Wunsch des Bundesrates akzeptieren können, wenigstens die Güllebehälter strengeren Auflagen zu unterwerfen. Sie hätte sich auch längst auf neue Regularien fürs Düngen selbst verständigen können. Doch alles, wozu Christian Schmidt bisher bereit ist, um das Wasser zu schützen, sei "nicht ambitioniert genug", wie Brüssel kritisiert. Auch der jüngste, 106-seitige Entwurf einer neuen Düngeverordnung ändert nichts an dieser Einschätzung.

Im Koalitionsvertrag versprachen Union und SPD noch eine andere Düngewelt. Da wollten sie Düngemittel nur noch so eingesetzt sehen, "dass Risiken für Mensch, Tier und Naturhaushalt minimiert werden".

Die Stunde der Wahrheit naht.