Der Autor ist hocherfreut, dass er die Antwort auf diese Frage nicht im Selbstversuch finden muss. Aber wozu gibt es das Internet? Gehen Sie auf YouTube, geben Sie die entsprechenden Stichwörter auf Deutsch oder Englisch ein – und Sie werden haufenweise Videoclips finden, in denen betrunkene junge Männer die Sache ausprobieren, meist mit schmerzhaften Folgen. (Dass sich die Frage auf das männliche Geschlecht beschränkt, sollte aus anatomischen Überlegungen einleuchten.)

So ein elektrischer Kuhzaun funktioniert auf ziemlich simple Weise: Er ist mit einem sogenannten Energizer verbunden, der etwa im Sekundenabstand einen kurzen Spannungsimpuls erzeugt. Sobald ein Mensch oder Tier eine leitende Verbindung zwischen Draht und Boden herstellt, wird der Stromkreis geschlossen, und das Opfer bekommt einen kurzen Schlag.

Die Spannung kann bis zu 10 000 Volt betragen, aber die Stromstärke ist auf ein paar Milliampere begrenzt, und aufgrund der Kürze ist auch die Energie der Stromstöße gering. Es sollen ja auch weder das eingezäunte Vieh noch übermütige Menschen dauerhafte Schäden davontragen. Allerdings bekommt man beim Betrachten der Videos den Eindruck, dass so ein Stromschlag sehr schmerzhaft sein kann.

Um in den Genuss des elektrisierenden Effekts zu kommen, muss der Proband allerdings recht nah an den Zaun herantreten. Der Grund dafür ist, dass der Urin zwar aufgrund der enthaltenen Salze den Strom hervorragend leitet, aber der Strahl sich schon in kurzer Entfernung von der Quelle in einzelne Tröpfchen auflöst. Dann gibt es keinen zusammenhängenden Leiter mehr. Folglich kann kein Strom fließen.

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Das ist auch der Grund dafür, warum ein anderer Dummejungenstreich, das Pinkeln auf das Strom führende dritte Gleis einer U-Bahn, meist keine schwerwiegenden (und in diesem Fall tödlichen) Folgen hat. Mehrere Fernsehshows haben das mithilfe von Stroboskopaufnahmen des Urinstrahls demonstriert. Eine Garantie übernimmt die ZEIT allerdings nicht.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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