Das Produkt wiegt 4,8 Kilogramm, ist 1.023 Millimeter lang und wird in den Farben Grün, Schwarz oder Beige angeboten. Weltweit wird das G3 genutzt und nachgebaut, obwohl es gut 60 Jahre alt ist. Kofi Annan, der ehemalige UN-Generalsekretär, zählt dieses deutsche Erfolgsprodukt zu den "Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts". G3 steht für Gewehr 3, ein automatisches Sturmgewehr, das zu den Kleinwaffen zählt. Mit keiner anderen Waffenart werden heutzutage in den Kriegen mehr Menschen getötet.

Auch die Bundesregierung stellt in ihrem aktuellen Rüstungsexportbericht fest: "In internen und grenzüberschreitenden Konflikten werden die weitaus meisten Opfer durch den Einsatz von Kleinwaffen und leichten Waffen und dazugehöriger Munition verursacht." Dennoch hat die Bundesregierung nun entschieden, 8.000 G3 an die kurdischen Milizen im Nordirak zu liefern. Sie sollen mit den Waffen die Terroristen des Islamischen Staats (Isis) aufhalten. Die Peschmerga bekommen zudem weitere Kleinwaffen aus alten Beständen der Bundeswehr: Panzerfäuste, Milan-Raketen und Handgranaten.

Damit treffen die Kurden dann auf Gegner, die ebenfalls mit deutschen Waffen ausgerüstet sind. So wurden Milan-Panzerabwehrraketen, eine deutsch-französische Koproduktion, vor Jahrzehnten an das Assad-Regime geliefert. Die Islamisten haben einige dieser Waffen erbeutet. Zudem steht Katar im Verdacht, im Westen gekaufte Waffen an Isis und andere Gruppen weitergegeben zu haben. Die Islamisten könnten aber auch in den Besitz von Raketen gelangt sein, die 2011 an Rebellengruppen in Libyen geliefert wurden, als der Westen diese gegen den Machthaber Muammar al-Gaddafi hochrüstete. Langfristig erfolgreich war das allerdings nicht: Libyen versinkt wenige Jahre nach dem Krieg immer weiter im Chaos. Dort eingesetzte Waffen landeten in Mali, Syrien und im Irak.

In Syrien, wo Isis entstand, sind bei allen Kriegsparteien auch unzählige in Deutschland entwickelte G3-Sturmgewehre im Einsatz. Die Hisbollah-Kämpfer aus dem Libanon, die für Assad ins Gefecht ziehen, feuern damit ebenso wie moderate Gegner des Regimes oder selbst ernannte Gotteskrieger von der Al-Nusra-Front.

Woher die G3 stammen, kann heute niemand mehr genau sagen. Heckler & Koch hat das Gewehr speziell für die Bundeswehr entwickelt. Deshalb liegen die Lizenzrechte für das G3 bei der Bundesrepublik Deutschland. Diese verkaufte und verschenkte die Rechte zwischen 1961 und 1981 an mehr als ein Dutzend Länder, um Verbündete zu stärken.

Deshalb wird das G3 weltweit nachgebaut, in Mittelamerika, Südostasien und im Nahen Osten. Auch in Saudi-Arabien, im Iran und in der Türkei, die als Unterstützer verschiedener Bürgerkriegsparteien gelten, stehen G3-Fabriken. Im Iran produziert eine Staatsfirma die Waffen, in Saudi-Arabien fertigt die Military Industries Corporation das Gewehr. Das G3 schmückt sogar das Wappen des saudischen Grenzschutzes. In der Türkei wird die Waffe vom Konzern MKEK hergestellt, in Pakistan von der Waffenschmiede POF.

In den vergangenen Jahren präsentierten diese Unternehmen das G3 in verschiedenen Versionen auf Rüstungsmessen wie der Idex 2013 in Abu Dhabi. Nach Informationen der Bundesregierung sollen aus dem Iran und Pakistan Tausende G3-Sturmgewehre während des Balkankriegs nach Bosnien-Herzegowina und während des Darfur-Konflikts in den Sudan gelangt sein. Mehr als sieben Millionen G3 seien weltweit im Einsatz, lauten konservative Schätzungen von renommierten Forschungseinrichtungen wie dem Small Arms Survey in Genf. Andere Experten gehen sogar von zehn Millionen G3 aus, die in den Händen von Sicherheitskräften, Rebellen, Terroristen und Verbrechern sein sollen. Heute steht dieses Sturmgewehr wie kein anderes deutsches Kriegsgerät für eine unkontrollierte Waffenverbreitung in einer globalisierten Rüstungswelt.

Die Bundesregierung hält die Weitergabe der Kleinwaffen an die Kurden dennoch für eine gute Idee: Sie müssten sich gegen Isis wehren können. Wenn man keine eigenen Soldaten schicken wolle, sei die Lieferung von Waffen die einzige Alternative. Dass sie bei den Kurden bleiben, will aber auch die Bundesregierung nicht garantieren.

Hinzu kommt: Das G3 ist zwar für Deutschland leicht zu liefern. Die Bundeswehr hat noch Tausende Exemplare in den Depots, die nicht mehr benötigt werden. Ob die Kurden sie brauchen, ist aber fraglich. Deren Kämpfer sind mit der AK-47, der Kalaschnikow, bestens ausgerüstet. Sie hat dasselbe Kaliber wie das G3, kostet in der Region rund 100 Euro und gilt als unverwüstlich.

Solche Kalaschnikows kann die Bundeswehr übrigens nicht liefern – sie hat keine mehr auf Lager. Die alten AK-47-Bestände der Nationalen Volksarmee der DDR, die nach der Wiedervereinigung übernommen wurden, hat Deutschland längst an die Türkei verschenkt. Türkische Sicherheitskräfte sollen damit gegen Kurden-Milizionäre gekämpft haben. Nun werden Kurden von der Bundeswehr beliefert und ausgebildet. Die Welt schießt weiterhin deutsch.