DIE ZEIT: Herr Weinberg, warum sollte sich ein Konservativer bei der Hamburger CDU engagieren?

Marcus Weinberg: Weil die CDU das einzige politische Angebot in Hamburg ist, das konservative Strömungen politisch in Handeln umsetzen kann.

ZEIT: Aber wenn unser Konservativer nun dem dreigliedrigen Schulsystem anhängt, was verbindet ihn dann mit der Hamburger CDU?

Weinberg: Wir haben uns als CDU den bildungspolitischen Anforderungen angepasst. Wir haben in Hamburg jetzt ein zweigliedriges Schulsystem – analog zu bildungspolitisch erfolgreichen Ländern wie Sachsen und Thüringen.

ZEIT: Und wenn man sich einen Bürgermeister wünscht, der auch in seiner Person für ein traditionelles Familienbild steht, was spricht dann für die CDU?

Weinberg: Die CDU ist die Partei, die sowohl für das traditionelle Familienbild als auch für moderne Familienformen steht. Wir wollen Familien stärken, aber kein Familienbild vorschreiben.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der aktuellen ZEIT. Sie finden die Hamburg-Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

ZEIT: Warum soll man CDU wählen, wenn man Straßenbahnen für eine grüne Spinnerei hält?

Weinberg: Weil wir Fragen nach Verkehrskonzepten nicht an ideologischen Dogmen ausrichten, sondern an den Notwendigkeiten. Eine Stadtbahn wäre ein Verkehrsmittel, das den Erfordernissen der Zukunft gerecht wird.

ZEIT: Konservative denken gewöhnlich in allen drei Punkten anders. Ihre Botschaft an diese Wähler lautet also: Sie sollen umdenken.

Weinberg: Nein. Die CDU reagiert auf gesellschaftliche Veränderungen. Unsere Grundwerte leiten unser Handeln. Aber wir fragen: Stimmen unsere Positionen noch mit den Bedürfnissen und Wünschen der Stadtbevölkerung überein?

ZEIT: In Hamburg gab es im konservativ-liberalen Lager in den vergangenen Jahren ständig Parteigründungen: Statt-Partei, Schill-Partei, Freie Wähler, AfD. Offenbar gelingt es der CDU nicht, engagierte Bürgerliche für sich zu gewinnen.

Weinberg: Ich glaube, es gelingt den traditionellen Parteien insgesamt nicht, gewisse Unzufriedenheiten früh zu erkennen und zu reagieren. Aber diesen Strömungen fehlt ein Grundgerüst an Werten und eine Bindung an eine Wählerschicht. Alle diese Parteien haben sich schnell überlebt. Bei der AfD wird es ähnlich sein. Sie wird vor allem von Enttäuschten und Frustrierten angelaufen.