Einer unserer Söhne wurde in der Schule gemobbt. Das war auch für uns Eltern schlimm. Denn natürlich wünschen wir unseren Kindern eine schöne und positive Schulzeit. Und eine Schule, in der alle respektvoll miteinander umgehen und in der jeder gefördert wird. Cinzia und ich haben jahrelang Elternarbeit an Schulen gemacht und hatten zunehmend das Gefühl: Wer eine solche Schule will, muss sie selbst gründen. Uns wurde dann gesagt, das sei unglaublich kompliziert. Aber gerade das hat unseren Ehrgeiz geweckt. Zusammen mit einem Lehrer für Begabungsförderung habe ich das Konzept erarbeitet, Lehrer ausgesucht, Eltern von der Idee begeistert. Das neben meinem Vollzeitjob hinzubekommen war für die ganze Familie ein Kraftakt. Das Galileo Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf gibt es jetzt seit drei Jahren, mit 55 Schülern von der siebten Klasse bis zur Oberstufe. Dass die Schüler sich bei uns wohlfühlen und gut entwickeln, zeigt uns: Die Arbeit hat sich gelohnt.
Hartmut Fischer mit Paolo (13), Zoe (7), Cinzia Bullo und Raphael (16)

Jaime ist Kolumbianer, wir wollten in seiner Heimat leben. 2011 sind wir von Bonn hingezogen. Als ich zum dritten Mal schwanger wurde, stellten wir fest, dass wir es uns nicht leisten können, in Kolumbien drei Kindern eine gute Ausbildung zu bezahlen. Also beschlossen wir zurückzukehren. Alles lief glatt, weil wir doppelt Glück hatten: Die Humboldt-Universität bot Jaime gleich eine Stelle als Ökologe an. Er kann problemlos hier arbeiten, denn wir sind verheiratet. Aber wir haben lange nach der richtigen Betreuung für Ricardo gesucht, er hat das Downsyndrom. Als wir Maia im Kindergarten anmeldeten, fragte die Erzieherin, warum er nicht gleich mitkomme – der Kindergarten sei integrativ.
Olga Sacharow mit Maia (5), Ricardo (6), Jaime García Márquez und Felipe (6 Monate)

Ich habe früher als Hotelfachfrau gearbeitet. Als kurz nacheinander meine beiden Söhne geboren wurden, machte ich vier Jahre Erziehungsurlaub und arbeitete danach halbtags. Aber ich fühlte mich nicht richtig ausgelastet. Irgendwie hatte ich das Gefühl, meine eigenen Wünsche und Interessen zu vernachlässigen. Vor zehn Jahren fiel mir dann mit einem Mal wieder ein, was ich immer gewollt hatte: Politik studieren. Ich schrieb mich innerhalb von zwei Tagen an der Uni ein. Und war also Erstsemester, mit 34 Jahren. Die Jungs gingen aber immer vor: Meine Seminare legte ich so, dass ich sie um vier Uhr aus dem Hort abholen konnte. Hausarbeiten habe ich in den Semesterferien geschrieben, wenn sie bei ihrem Vater waren; wir hatten uns inzwischen getrennt. Gelernt habe ich abends – wenn ich nicht hundemüde über den Büchern einschlief. Einmal habe ich sie mitgenommen in die Vorlesung, das fanden sie furchtbar langweilig. Später beim Bewerbungsschreiben fragten sie dann manchmal: "Und Mama, wie läuft’s?" Heute arbeite ich als Projektmanagerin im Bildungsbereich. Ich habe wiedergefunden, was mich wirklich interessiert.
Alexandra Nouri mit Simon (15) und Saam (16)

Angelo geht jetzt seit einem Jahr in die Schule – ganz allein. Anfangs waren wir nicht sicher, ob das gut gehen würde. Er hat Typ-1-Diabetes, darauf sind Schulen nicht eingestellt. Ich habe mir damals in der ersten Woche frei genommen, um Angelo zu begleiten und die Lehrer und die Schulhelferin anzulernen: Wie misst man den Blutzuckerspiegel? Was bedeuten die Werte? Wie führt man das Blutzuckertagebuch? Es gibt keine feste Regel für die Messungen, man kann nicht sagen: einfach jede Stunde einmal messen. Man muss ein Gefühl dafür entwickeln. Wichtig ist es natürlich vor den Mahlzeiten, vorm Sport, in der großen Pause. Aber jeder Tag ist anders. Manchmal wundert man sich, wie viel Energie Schreiben oder Lesen verbrauchen können. Seit Beginn des Schuljahrs ist die Stelle des Schulhelfers nicht mehr besetzt. Bisher klappt es trotzdem, weil alle mithelfen und wissen, was sie zu tun haben.
Daniela Olesch mit Giulio (10), Oliver Arendt und Angelo (8)